im Hofe als Spitzbube gebrandmarkt wurde , weil er eine Blume annektiert hatte . « Schon bei seinen ersten Worten war sie aufgestanden und nach dem Ofen gegangen . Sie schob unnötigerweise ein Stückchen Holz um das andere in die helllodernden Flammen , die ihre finster zusammengezogene Stirn , ihre sichtlich erregten Züge anglühten ... Sie ärgerte sich unbeschreiblich über sich selbst . Das , was sie gesagt hatte , war allerdings die strikte Wahrheit gewesen , aber dabei eine Taktlosigkeit , deren sie sich bis an ihr Lebensende schämen mußte . Sie blieb am Ofen stehen und zwang sich zu einem Lächeln . » Du wirst mir glauben , daß ich jetzt nicht mehr so penibel denke , « erwiderte sie von dorther . » Das Weltleben härtet die Seele gegen allzu feine Auffassung . Es wird in der heutigen Gesellschaft so viel gestohlen an Gedanken , man nimmt vom guten Namen des lieben Nächsten , von seinem ehrenhaften Streben , von der Rechtlichkeit seiner Gesinnungen so viel , als irgend zu nehmen ist , und möchte gar oft am liebsten die ganze Persönlichkeit vom Schauplatz verschwinden machen , wie damals die Rose in deine Tasche eskamotiert wurde . Diesen Kampf ums Dasein , oder eigentlich diesen Diebstahl aus Selbstsucht und Neid kann man am besten im Hause eines Mannes von Namen beobachten . Ich habe mir viel davon hinter das Ohr geschrieben , und diese Weisheit allerdings auch mit einem guten Teil meiner kindlich naiven Anschauung bezahlt ... Du könntest mithin vor meinen Augen alle Rosen der schönen Blanka in die Tasche stecken - « » Die wären jetzt sicher vor meiner räuberischen Hand - « » Nun , dann meinetwegen das ganze Rosenparterre vor dem Prinzenhofe ! « fiel sie schon wieder erregter ein . » O , das wäre denn doch zu viel für das Herbarium meiner Brieftasche , meinst du nicht , Margarete ? « Er lachte leise in sich hinein und lehnte sich noch behaglicher in seine Sofaecke zurück . » Ich brauche mich auch nicht als Dieb dort einzuschleichen . Die Damen teilen redlich mit mir und meiner Mutter , was an Blumen und Früchten auf ihren Fluren wächst , und auch du wirst dir bei deinem Besuche einen Strauß aus dem Treibhause mitnehmen dürfen . « » Ich danke . Ich habe keine Freude an künstlichen Blumen , « sagte sie kalt und ging nach der Stubenthüre , um sie zu öffnen . Tante Sophie war zurückgekommen und stampfte und schüttelte draußen den Schnee von ihren Schuhen und Kleidern . Sie machte große Augen , als sich Herberts hohe Gestalt aus der Sofaecke erhob und sie begrüßte . » Was , ein Gast an unserem Theetische ? « rief sie erfreut , während Margarete ihr Mantel und Kapotte abnahm . » Ja , aber ein schlecht behandelter , Tante Sophie ! « sagte er . » Die Wirtin hat sich schließlich in die Ofenecke zurückgezogen und mich meinen Thee allein trinken lassen . « Tante Sophie zwinkerte lustig mit den Augen . » Da hat ' s wohl ein Examen gegeben , wie vor alten Zeiten ? - Das kann die Gretel freilich nicht vertragen . Und wenn Sie vielleicht ein bißchen ins Mecklenburgsche hineinspaziert sind , um hinzuhorchen - « » Keineswegs , « antwortete er plötzlich ernst , mit sichtlichem Befremden . » Ich habe gemeint , das sei abgethan ? « setzte er fragend hinzu . » Bewahre ! Noch lange nicht , wie die Gretel alle Tage erfährt ! « entgegnete die Tante stirnrunzelnd im Hinblick auf die Quälereien der Frau Amtsrätin . Der Landrat suchte prüfend Margaretens Augen , aber sie sah weg . Sie hütete sich , auch nur mit einem Worte auf dieses widerwärtige Thema einzugehen , das die Tante unvorsichtigerweise berührt hatte ... Aber er sollte es nur wagen , mit der Großmama gemeinschaftlich vorzugehen und in sie zu dringen , ihren Entschluß doch noch zu ändern - er sollte es nur wagen ! Sie trat , beharrlich schweigend , hinter die Theemaschine , um Tante Sophiens Tasse zu füllen ; Herbert aber kehrte nicht wieder an den Tisch zurück . Er übergab der Tante den mitgebrachten Thee und wechselte in verbindlicher Weise noch einige Worte mit ihr ; dann nahm er den Pelz auf den Arm und hielt Margarete seine Rechte hin . Sie legte ihre Fingerspitzen flüchtig hinein . » Kein Gutenacht ? « fragte er . » So bitterböse , weil ich dich bei Tante Sophie verklagt habe ? « » Das war dein Recht , Onkel - ich war nicht höflich . Böse bin ich nicht ; aber gerüstet ! « » Gegen Windmühlen , Margarete ? « - Er sah ihr lächelnd in die zornig aufblickenden Augen ; dann ging er . » Sonderbar , wie sich der Mann geändert hat ! « sagte Tante Sophie und sah über ihre Tasse hinweg heimlich lächelnd in das blasse Mädchengesicht , das , den Fenstern zugewendet , mit verfinstertem Blick in das Schneegestöber hinausstarrte . » Er ist immer gut und voll Höflichkeit gegen mich gewesen , das kann ich nicht anders sagen ; aber er war und blieb mir doch ein Fremder , von wegen seiner vornehmen , kühlen Art und Weise ... Jetzt ist mir aber oft ganz kurios zu Mute , ganz so , als hätte ich ihn auch , wie euch , unter meiner Zucht gehabt . Er ist so herzlich , so zutraulich - und daß er heute abend den Thee hier unten genommen hat - « » Das will ich dir erklären , Tante ! « unterbrach sie das junge Mädchen kalt . » Es gibt Stunden , in denen man die ganze Welt umarmen möchte , und in einer solchen Stimmung ist er aus der Residenz , vom Fürstenhofe zurückgekommen . Er hat , wie er selbst sich ausdrückte , hocherfreuliche Nachrichten mitgebracht . Wir dürfen demnach in der Kürze die endliche Proklamation seiner