' s gut sein « , sagte sie , » wollen s ' dich nit nehmen , solln sie ' s bleibenlassen ! Tu du dir nur nix einbilden . So arg , wie sie ' s machen , wird ' s lang nit sein . « Sie setzte sich an den Tisch , ihm gegenüber . Außen begann ein mächtiger Regen niederzurauschen , dessen Plätschern , Prallen und Geträufe alsbald jeden anderen Laut überbrauste . So saßen sie denn schweigend . Der Mann noch immer mit dem Hute auf dem Kopfe , beide Ellbogen aufgestützt , vor sich in das Leere starrend ; das Weib , mit dem Schürzensaume spielend und von Zeit zu Zeit scheu nach dem Bekümmerten blickend . Mählich ließ der Regen nach ; als es nur mehr » nieselte « , sprühende Tröpfchen wie fallender Nebel niederrieselten , erhob sich Helene . » Mach dir nix draus « , sagte sie zu dem Manne und strich ihm mit der Rechten über die nasse Stirne . Einen Augenblick hielt sie die feuchte Hand vors Gesicht , dann rieb sie selbe sorgfältig und wiederholt mit der Schürze ab . Sie schlich hinaus zur Stube und ging durch das Vorgärtchen und mit langsamen Schritten der Hütte ihrer Mutter zu . Nahe derselben drückte sie beide Hände gegen die Brust , die Knie begannen ihr vor Aufregung zu zittern , und sie ließ sich auf das Bänklein neben der Türe nieder . Wie sie so saß und der Bach an ihr vorübergischte und die feuchte Luft sie umfächelte , in der sich die Düfte von Erdbrodem und Pflanzenodem mischten , da erwachte in ihr immer lebhafter die Erinnerung an eine Zeit und an einen Tag , wo sie als kleine Dirne von derselben Stelle träumend zu dem Sternsteinhofe aufsah . Und nun lag er wieder - keinen Schritt entrückt - vor ihr , wie sie ihn als Kind gesehen mächtig und breit dort oben ragen , als luge er in der Runde aus nach seinesgleichen ; nur die goldig schimmernden Fenster fehlten - die Sonne war untergegangen . Ei , du stolzer Hof , du brauchst nit von der Sonn z ' borgen ! Die Türe der Hütte öffnete sich , und die alte Zinshofer steckte den Kopf heraus . » Na , kommst hrein oder nit ? Schon d ' längst Zeit seh ich durchs Fenster dich da hocken . « » Ich war ganz in Gedanken « , sagte Helene , dann fuhr sie in klagendem Tone fort : » Hörst , stell dir vor , mein Mon wollt sich verassekuriern lassen , fahrt hnüber zun Arzten in die Kreisstadt , und der nimmt ' n nit an ; völlig ' s Lebn spricht er ihm ab , ' m armen Teufl , so viel krank soll der sein . « Die Alte blinzte mit den Augen und grinste mit dem Maul . » Geh zu ! « Helene schnellte von der Bank empor und kehrte der Mutter den Rücken . » Wann d ' mir so kommst , dann auch gleich auf der Stell . « Sie schritt hinweg , die Arme an den Leib ziehend und die Schultern zusammenrückend , wie oft eigenwillige Kinder im Ärger tun . XIX Die Schere war der jungen Kleebinderin unversehens entfallen und blieb mit der Spitze in dem Boden stecken ; sie bückte sich darnach . » Glaubet ich drauf « , sagte sie , » so bekämen wir bald ein seltsamen Besuch . « Als sie sich wieder aufrichtete , zeigte sie ein stark gerötetes Gesicht und vermied es , ihren Mann , dem die Rede galt , anzublicken . Der Herrgottlmacher , wenn anders er » drauf glaubte « , war nun vorbereitet , aber gewiß nicht auf den Besuch , der sich selben Abend noch einstellte . Der junge Sternsteinhofbauer trat in die Stube . » Gutn Abend , Leuteln « , sagte er . » Grüß dich Gott , Kleebinder . « Er bot ihm die Hand , drückte die zögernd dargereichte Rechte und fuhr fort : » Laß alls Vergangene vergangen und vergessen sein , darum bitt ich dich . Hab ' s zeither rechtschaffen bereut , das kann ich dich versichern ; tu mir d ' eine Freundschaft und laß ' s ruhn . Was mich herführt , is a Bestellung , a Arbeit für dich . ' s selbe möcht ich mit dir bereden . « Helene wischte mit der Schürze über einen Stuhl und rückte ihn dem Gaste hin . » Tu dich setzen - setzt euch allzwei . Werdts es doch nit alser stehender ausmachen wolln ? « Sie ging aus der Stube , und die beiden Männer saßen einander gegenüber . Das Kind schlich sich an den ihm Fremden heran . Die Schwarzwälderuhr tickte eine Weile über ganz laut und vernehmlich , dann fragte der Holzschnitzer leise , wie aus zugeschnürter Kehle : » Was brauchst ? « » Laß dir also sagen - « » Voda « , schrie der kleine Muckerl und wies dem großen etliche Leckereien , welche ihm der Bauer zugesteckt hatte . Kleebinder wandte jäh den Kopf nach Toni und starrte ihn mit befremdeten Augen an . Dieser senkte den Blick . » Ich hab ' m nur was mitgebracht , ' m Kleinm - weil - weil ich mir a Bildl bei dir einlegen wollt , damit d ' dich der Arbeit auch recht annehmen möchtst . Sonst wüßt ich mir weit und breit kein ' n , der machen könnt , was ich gern hätt , es is nix Kleins , du kannst dabei a Ehr aufhebn und a schön Stuck Geld verdienen . « » Das war gleichwohl a unnötige Auslag « , murrte Muckerl , nach dem Kinde deutend . » Sag , was d ' gern hättst . « » Wirst ja ghört habn , wie übel ' s mit meiner Bäurin bstellt is . Sie siecht dahin ,