uns nach dem Baumschatten , dem kühlen Grase im Grasgarten und nach der guten Verpflegung des Hofes sehnten ; ich habe es geschildert , wie wir den Vetter auf einem Steine am Wege auf Menschenschicksale wartend fanden , und - auf den Stein durfte ich dreist schwören : es saß wiederum jemand darauf , in seine Träume verloren , auf Menschenschicksale wartend und die Schritte , die sich auf dem heißen , sonnigen , steinigen Wege näherten , überhörend . Auf dem Feldquarz , unter den Disteln und Nesseln , zwischen die einst der Vetter Just Everstein verlegen greinend seine lateinische Grammatik versteckt hatte , als wir ihn nach unserer Art jubelnd anschrien , saß unter dem wolkenlosen blauen Sommerhimmel , ihr schönes müdes Haupt mit der Hand stützend , der Gast des Vetters Just , Irene von Everstein . Ich sah sie niedergleiten am frühen , frischen Morgen aus unseren schwankenden Märchennestern im Grün , hinauf auf die tauige , blitzende Wiese ; ich sah sie elfenhaft uns vorangleiten durch das Walddunkel ; ich hörte sie lachen auf dem Fluß und sah sie ihre Hand in die rinnenden Wellen tauchen : erzählte uns nicht einmal vor langen Jahren der Vater Klaus auf der Überfahrt von einer , die wohl weit von oben her zugereist sein mußte , weil sie , nachdem er sie aus dem Schilfe ans Land geholt hatte , niemand kannte im Lande ? » Lassen Sie das Schaukeln lieber auf dem Wasser , junge Herrschaft ! Die alten Bretter unter uns sind doch wohl allgemach ' n bißchen brüchig geworden , und das dreht sich gerade hier in Wirbeln , und der Untiefe ist nicht gut zu trauen . Ich möchte um alles nicht , daß die Herrschaft zu Hause es mir zuschieben könnte , wenn ich die jungen Herrschaften nicht heil ans Land brächte . « Ich sprach sie leise an : » Guten Tag , liebe Irene . « Sie fuhr zusammen und empor ; doch als sie mich erkannt hatte , stand sie nicht auf , sondern blieb sitzen auf dem Stein am Wege und reichte mir mit einem traurigen Lächeln die Hand in die Höhe . » Du bist es , Fritz ? Wie kann man die Leute so erschrecken ! ... Aber es ist wohl nicht deine Schuld , sondern meine und meine Torheit . Wie kann man sich so ins freie Feld setzen und sich die blendende Sommersonne auf den Scheitel und in die Augen scheinen lassen , ohne für seine besten Freunde blind und taub zu werden ? Das ist aber gut von dir , daß du gekommen bist , der Vetter wird sich sehr freuen ; - er kam gleich in der Nacht mit glänzenden Augen , um es zu verkünden , daß - du wieder im Lande seist . « Sie sprach die letzten Worte nur zögernd ; ich hielt ihre Hand noch fest und sagte : » Ich bin aber nicht allein in die alte Heimat zurückgekommen , Irene . « Da zog sie mir die Hand weg , erhob sich nun und erwiderte erst nach einer geraumen Weile : » Ich weiß durch den Vetter Just Bescheid über alles . « » Über alles ? ... Über alles doch wohl nicht ! « » Doch ! « sagte sie , und das Wort kam kurz und hart heraus . » Wir stehen hier jetzt in der hellen , heißen Sonne des Mittags , und es ist mir lieb so und ganz recht . Wir wollen nicht den Schatten und das freundliche Dach des Freundes suchen , um uns behaglicher und langatmiger über Schicksal und Schuld auszulassen - « » Irene ? ! « » Ich höre gern einmal wieder meinen Namen mit so freundlicher besorgter Stimme auch von dir rufen , Friedrich ; - oh , ich weiß es wohl , ihr alle meint es sehr gut mit mir und habt soviel Geduld ; ich aber habe nichts für euch , als daß ich euch sage , wie es mir zumute ist ; und - um das Herz ist ' s mir , als hätte ich weiter nichts in der Welt , als daß ich mich gegen euch wehre ... gegen euch alle ! « ... Wie verstohlen hatte der Vetter Just den alten Bröder , die Grammatik , in der er alle Weisheit der Welt vermutete , einst unter dem Stein da und zwischen den Disteln und dem Wegelattich versteckt ; - wie hatten Ewald und Irene gelacht , als sie das zerlesene Buch doch hervorzogen : nun hielt mir heute Irene Everstein das Blatt für Blatt mit Tränen getränkte Buch , über welchem ich sie jetzt überrascht hatte , offen hin . Ganz nahe beugte sie sich zu mir und flüsterte mehr , als daß sie sprach : » Sage ihm , daß ich alles weiß , was er für mich getan hat , um mich getan hat ! Er hat sein Leben darangesetzt , und er hat nicht nach rechts und nach links gesehen , sondern nur rückwärts nach der Stunde , in der wir , ich und er , Abschied voneinander nahmen . Ich bin das Weib eines anderen Mannes geworden , und er hat seinen Willen durchgesetzt , um mich zu demütigen und zu dem Geständnis meiner Schuld gegen ihn zu bringen ... « » Nein , nein ! Das ist nicht so ! Irene Everstein , das ist wahrhaftig nicht so ! « rief ich . » Das ist doch so ! « antwortete sie kopfschüttelnd , aber ganz sanft . » Sieh , Freund , er und ich haben uns immer zu gut gekannt , um nicht besser als all ihr übrigen zu wissen , wie es um uns steht . Es ist auch ganz das Richtige , was er getan hat , und ich gönne ihm seinen Sieg und seinen Triumph ; - ich freue mich , daß er so stark und so tapfer gewesen ist und