Dänen eine Art von Tauschabkommen . Die Matrosen auf beiden Schiffen sollten gefragt werden , wer lieber auf dem Kong Frederik nach Hause zurückgehen wolle oder Lust habe , auf unserem eigenen Schiff in diesen Breiten noch länger zu kreuzen . Am folgenden Morgen sollte die Übersiedlung stattfinden . Ich hatte am Abend dieses Tages mit meinem Bruder eine längere und sehr ernste Unterredung . Sein Gesicht strahlte vor Freude . Wilhelm , sagte er , das Schicksal ist mir günstig , ich bekomme lauter neue Matrosen . Die Dänen sind überhaupt ein tollkühnes , mutiges Volk , sie fürchten sich vor dem leibhaftigen Satan nicht , und ganz besonders diese Mannschaft gefällt mir . Es sind lauter Seeländer , Kerle mit Eisenfäusten und eisernem Sinn . Solche brauche ich , alter Junge ! - Ja , wenn es mir gelänge , das Polarmeer zu erreichen , wenn ich Zeit genug behielte , in das ewige Eis des Nordpols meinen Namen wie in Granit zu hauen , dann wollte ich gern sterben . Hundert Jahre - tausend Jahre nach mir käme vielleicht ein anderer dorthin und läse es , - ich wäre für die Jahrbücher der Geschichte unsterblich geworden . Ich konnte die Begeisterung nur halb verstehen . Zehn Jahre jünger als er , liebte ich das Leben noch mehr als den Ruhm , und - das sah er vielleicht . Du sollst mich nicht begleiten , Wilhelm , sagte er , du gehst mit dem » Kong Frederik « nach Hause , und wäre es nur , um unseren Eltern wenigstens einen Sohn zu erhalten . Ich bekomme Leute genug , - die Kerle haben sämtlich vor dem Unglücksschiff , auf dem der Tod seine Ernte gehalten hat , einen heillosen Respekt . Sie verlassen es lieber heute als morgen ; du gehst mit meinen Einfaltspinseln , die Angst haben zu verhungern , auf das dänische Schiff über . Ich sprang beleidigt auf . Johannes , rief ich , das darfst du nicht verlangen , du darfst mich nicht feige oder unmännlich nennen ! Ich bleibe , wo du bist , und teile dein Los . Aber er schüttelte den Kopf . Ich will es nicht ! erklärte er . Du bist kein Seemann , Wilhelm , bist in die Musterrolle nicht eingeschrieben und noch nicht einmal mündig . Der Vater hat dich mir mitgegeben , um den Herrn Studenten ein wenig zahm zu machen , wie du weißt , also - kann ich Gehorsam verlangen . Mein Blut begann zu kochen . War das im Ernst gesagt , das vom Gehorsam , Johannes ? fragte ich , zitternd vor Zorn . Sein Blick , sein Ton entwaffneten mich . Nein , sagte er , das Wort war schlecht gewählt , mein Junge . Aber du tust es mir zuliebe , ich weiß es . Dagegen konnte ich nichts machen . Johannes , sagte ich , noch an einer letzten Hoffnung festhaltend , laß uns das Schicksal fragen und seine Stimme den Streit schlichten . In alten Zeiten wurde alles durch Gottesurteil entschieden , warum nicht auch jetzt noch ? Er lächelte . Also los , antwortete er . Aber woher willst du das Orakel nehmen ? Ich lief rasch zu meiner Kiste und holte die Würfel hervor . Einfach genug , Johannes , rief ich . Wer weniger Augen wirft , der ergibt sich . Soll das gelten ? Mein Bruder nickte . Du bist leichtsinnig , Wilhelm , antwortete er ernst . Du willst einen Zufall über dein ganzes Lebensglück entscheiden lassen , anstatt der Vernunft zu folgen . Aber ich hielt die Würfel schon in der Hand . Das ist jetzt gleich , Johannes , - soll es gelten ? Er beugte sich vor . Meinetwegen also . Wir wollen es als ein Gottesurteil nehmen ! - Gib her die Würfel . Ich reichte ihm die klappernden Dinger und verfolgte mit gespannter Aufmerksamkeit jede seiner Bewegungen . Wer hätte wohl gedacht , daß hier Leben und Tod an einem einzigen Auge hingen ! - - Er ließ die Würfel fallen , so daß einer auf den Fußboden der Kajüte rollte . Nimm das Licht ! rief er hastig , sieh nach , aber laß die Augenzahl , die oben liegt , so bleiben , wie sie ist . Ich nahm ein Streichholz und beleuchtete den Boden . Etwas abergläubisch bist du aber selbst , Johannes ! sagte ich , mit klopfendem Herzen den Würfel suchend . Aha , dort liegt er , und die Sechs ist geworfen . Wo liegt der andere ? Hier , antwortete er und hob die Hand hoch . Ich habe ihn festgehalten . Auch sechs ! rief ich bestürzt , während er laut und fröhlich lachte . So war die Frage also zu meinen Ungunsten entschieden . Und dabei blieb es . Ich bereitete mich mit schwerem Herzen darauf vor , das Schiff zu verlassen und mit dem Dänen nach Europa zurückzukehren . Während der ganzen letzten Nacht gingen wir beide nicht zu Bett , mein Bruder und ich , sondern er schrieb Briefe an Eltern und Freunde , und wir besprachen noch vieles , das sich uns bei dieser ganz unvermuteten Trennung hoch oben im Eismeer plötzlich aufdrängte . Vorn im Matrosenlogis war es ebenso lebendig . Die Dänen vom anderen Schiff überboten sich in lauten Worten , und mehr als einmal hörte ich die Bemerkung , daß sie geradezu darauf gewartet hätten , eine Reise bis zum Polarmeer mitzumachen . Unser Volk hat lange vor Kolumbus Amerika entdeckt , hieß es , wir nannten es » Wiinland « und gründeten dort weite Königreiche . Die Dänen und Norweger sind die wahren Entdecker Amerikas , - warum sollten sie nicht den Weg zum Nordpol finden ? Und dann klangen die Gläser gegeneinander . Auf dem Kong Frederik hatte sich alle Ordnung gelöst . Die Leute holten ohne zu fragen ein Fäßchen Rum herüber , und man zechte bis nach Mitternacht