Antwort auf diesen Brief ; allein der liebe Franz hatte gefunden , daß das Wetter in den Bergen noch viel schlechter sei als das Wetter vor den Bergen . Seine rheumatischen Beschwerden nahmen zu ; er nahm Vernunft an , kehrte verdrießlich-ergeben das Gesicht wieder gen Norden und kehrte heim zum väterlichen Herde ; der Edle von Haußenbleib ließ herzlichst grüßen und nahm mit aufrichtiger Dankbarkeit die wohlgemeinte , gütige Einladung freundlich an ; jedoch auch er litt leider am Rheumatismus und hielt es für eine Pflicht sowohl gegen sich selber als gegen - seine Enkelin , seine Gesundheit nicht mutwillig zu vernachlässigen . Der Edle von Haußenbleib ließ sagen , er werde erscheinen , sobald das Wetter sich nur ein wenig aufgehellt habe , und sein sehnlichster Wunsch sei , daß dieses recht bald geschehen möge . » Wir haben nunmehr unsere christliche Schuldigkeit getan und können jetzt das Weitere ohne Unruhe und Ungeduld erwarten « , sprach der Herr Pastor zu seiner Gattin ; aber kummervoll müssen wir gestehen , daß wir nicht die christliche Geduld besaßen , um zu zählen , wie oft er von jetzt an nach dem Hahn auf seinem Kirchturm und nach dem Wetterglas sah und wie oft er melancholisch vor seine Haustür trat und die Hand prüfend in den Landregen hineinhielt . Diesmal erfuhr der Lauenhof zuletzt das Gute , was der Herr Kandidat von seiner Fahrt heimgebracht hatte . Und er erfuhr es auf Umwegen , denn der Pastorenfranz , durch einen Schnupfen ins Zimmer gebannt , zeigte sich fürs erste nicht auf dem Hofe . An einem Sonnabend war der Kandidat heimgekehrt , und am folgenden Tage bereits hielt es der Herr Pastor für seine Pflicht , seine Gemeinde von einem erhöhten Standpunkte aus auf das bevorstehende Ereignis recht salbungsvoll vorzubereiten . Was er sagte und wie er es sagte , machte denn auch den gewünschten Eindruck : die Bauernschaft von Krodebeck lauschte mit aufgesperrtem Maul , Antonie Häußler war in Schrecken und Verwirrung einer Ohnmacht nahe , und die gnädige Frau war nahe daran , ihr Gesangbuch gegen die Kanzel zu schleudern und im Sturmschritt die Kirche zu verlassen . Daß sie sich bezwang , war eine Merkwürdigkeit , aber eine Merkwürdigkeit war ' s auch , daß die fromme Gemeinde nicht auf der Stelle aus der Kirche fortstürzte , um vor dem südlichen Ausgange des Dorfes eine Ehrenpforte für den heimkehrenden Helden , der merkwürdigerweise diesmal wirklich als ein Ritter heimkehrte , zu errichten . Besprochen wurde das Ding wirklich am Nachmittag im Kruge , und wer weiß , ob nicht die Tat dem Rate gefolgt wäre , wenn nicht die Frau Adelheid ihren Gefühlen bereits an der Kirchentür mit Nachdruck Luft gemacht hätte . Auch die Frage , was der andere Herr Ritter zu der Sache sagen werde , fiel ins Gewicht , und so begnügte sich das Dorf damit , gleichfalls nach den Regenwolken zu sehen und mit Spannung zu erwarten , daß der Himmel sich aufkläre . Seien wir nun kurz . Der Edle Häußler von Haußenbleib ist endlich lang genug ausgeblieben ; und wie es bei allen mit Sehnsucht oder Furcht erwarteten großen oder kleinen Dingen zu gehen pflegt , so war auf einmal das Ereignis in die Welt getreten , ohne daß die Welt dadurch über den Haufen geworfen worden wäre : der Edle Häußler von Haußenbleib war in Krodebeck eingetroffen . Am Mittwoch schon und wirklich bei recht heiterem Himmel war der große Mann angelangt und hatte sogar das Pfarrhaus durch seine Ankunft überrascht ; denn ganz einfach , wie der Einfachste der Sterblichen , zu Fuß kam er an , wandelte langsam und behaglich an den Stockrosen und Stachelbeerbüschen des Pfarrgartens vorüber , schlug tändelnd im Vorbeischreiten mit dem eleganten Stöckchen einer frühen Dahlie den Kopf ab , besah das geistliche und gastliche Haus eine kurze Weile durch sein Augenglas und trat ein . Der geistliche Herr fuhr verstört und ein wenig blödsinnig stierend aus dem Nachmittagsschlummer empor , die Gattin endigte mit einem leisen Schrei einen heftigen und sehr lauten Streit mit der Magd des bescheidenen Daches , und nur Franz war imstande , sich rasch zu fassen und die notwendige gegenseitige Vorstellung zu besorgen . Im nächsten Augenblick zeigte es sich denn freilich , daß über einen reuig heimkehrenden Sünder mehr Freude ist als über neunundneunzig Gerechte . Der Edle von Haußenbleib konnte mit dem ersten Empfang in Krodebeck wohl zufrieden sein . Er war nicht nur zufrieden , er war sogar gerührt , und sein Wagen , oder vielmehr der Wagen des Wirts zum Hirsch in Wernigerode , hielt vor dem Dorfkruge , wo der vornehme Wiener Bediente mit Herablassung das scheue Staunen hinnahm , welchem sich der Herr so bescheiden entzogen hatte . Es zeigte sich bald , daß der Edle durchaus nicht deshalb nach Krodebeck gekommen sei , um Aufsehen zu erregen , und daß die Familie Buschmann in mehrfacher Beziehung über den Mann , welchen sie so gastfreundlich unter ihr Dach einlud , sich getäuscht habe . Von einer schönen , milden und etwas wehmütigen Vertraulichkeit war gar nicht die Rede . Unbefangen genug trat der erfahrene , weltgewandte Mann auf ; aber diese helle lächelnde Unbefangenheit blieb seltsamerweise gänzlich auf der Seite des Herrn von Haußenbleib , und bereits während der ersten gern und höflich angenommenen Erfrischung merkte der Herr Pastor mit wachsendem Unbehagen , daß nicht er , sondern ganz und gar der verehrte Gast die Sachlage beherrsche und die Verhältnisse von Krodebeck nach seinem Gefallen zurechtrücken werde . Der Pastor Buschmann hatte sich den Meister Dietrich Häußler ganz anders vorgestellt , und selbst die Frau Pastorin fühlte zum erstenmal in ihrem Leben sich einer Macht gegenüber , die über ihre Krodebecker Erfahrungen weit herausging und gegen die sie keine Waffe besaß . Der behagliche Fremdling in dem eleganten grauen Herbstkostüm , welches aussah , als ob jedermann es tragen und wie ein Gentleman drin aussehen könne , lächelte sie aus allen ihren Verschanzungen