glaubt , will ich mir noch heute eine andere Wohnung suchen und Deiner Mutter nicht mehr zur Last fallen . « Während er so sprach , drehte er den Ring noch in der Hand . Hieronymus sah darauf und sagte : » Wirf den Ring in den Schnee , mag ihn finden , wer will . « » Dadurch , daß ich ihn fand , ist er mir anvertraut worden , « antwortete Ulrich ; » ich hoffe den rechtmäßigen Eigenthümer dazu noch finden zu können . « » Wohl , er wird eine neue Berührung mit Rachel herbeiführen ! « sagte Hieronymus mit spöttischem Lächeln . Ulrich zuckte die Achsel als Antwort . Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander und betraten so aufgeregt und verstimmt die Hütte . Es war die höchste Zeit , daß sie kamen , denn schon begann das Morgengebet - wer später erschien , mußte Strafe geben und seinen halben Tagelohn » in die Büchse legen . « Schweigend gingen dann Beide an ihre Arbeit . Nach ein paar Stunden kam der Propst Kreß und redete leise und eifrig in einer entfernten Ecke heimlich mit dem Werkmeister , wobei er seine Augen immer auf Ulrich und Hieronymus richtete . Dieser bemerkte es zuerst und flüsterte Jenem zu : » Jetzt kommt es schon zur Sprache . « Ulrich antwortete stolz : » Du brauchst Dich nicht zu fürchten , ich werde Alles auf mich allein nehmen « - und er meißelte ruhig an der kleinen Statue eines Johannes weiter , die unter seinen Händen aus dem Stein hervorzuspringen schien . Nach einer Weile wurden die Beiden von dem Hüttenmeister aufgerufen . Ulrich näherte sich mit gewohntem stolzen Gange , Hieronymus finsterblickend mit niedergeschlagenem Auge . Der Werkmeister theilte ihnen mit , daß sie sich Beide morgen in das ein paar Stunden entfernte Benediktinerkloster zum heiligen Kreuz begeben sollten , um ein halb zertrümmertes Weihbrodgehäuse wieder herzustellen . Er nannte ihnen den Lohn , den sie bekommen sollten , und fügte hinzu , daß sie diese Gunst theils ihrem Fleiß und ihrer Geschicklichkeit , theils der Empfehlung des Herrn Propstes dankten . Mit Erstaunen empfingen die Baubrüder diesen ehrenvollen Auftrag , da sie eben eine ganz andere Rede erwartet hatten , und besonders Hieronymus richtete sich noch einmal so groß auf und blickte , die vorige Angst von sich werfend , mit leuchtenden Augen um sich , indeß Ulrich seine dankenden Blicke auf den Propst richtete . Aber zu seiner Verwunderung begegnete er in dessen sonst immer freundlichen Gesicht einen Ausdruck von Besorgniß und Kummer , der demselben sonst ganz fremd war . Wie segnend legte der Propst seine Hände auf die Häupter der beiden Gesellen und sagte : » Ziehet mit Gott ! und möge er Euch gnädig sein bei dem neuen Werke zu seiner Ehre . « Dann flüsterte er Ulrich zu : » Kommt heute nach dem Feierabend noch zu mir , ich will Euch noch ein Schreiben mitgeben an den Herrn Abt . « Dann verließ er eilends die Hütte . Als die Baubrüder zum Mittagessen nach Hause gingen , sagte Ulrich : » Nicht wahr ? das war eine vergebliche Angst ? « » Wer kann es wissen ? « antwortete Hieronymus ; » möglich , daß dies Zusammentreffen bloßer Zufall ; möglich auch , daß der Propst , der Dich einmal in seinen besonderen Schutz genommen , diese Entfernung für Dich wohlthätig findet und selbst veranstaltet ; möglich auch , daß , was eine Gunst erscheint , eine Verbannung ist , und indeß unsere Feinde Zeit haben uns bis zu unserer Rückkehr Schimpf und Schande zu bereiten ! « » Dummes Zeug ! « antwortete Ulrich , und konnte doch die trüben , mitleidigen Blicke des Propstes nicht los werden , der sonst bei ähnlichen Gelegenheiten nur freundliche und heitere für ihn gehabt hatte . Aber beide theilten die Kunde doch fröhlich als Glück und Ehre der Mutter Martha mit . Sonst wäre sie in lauter stolze Glückwünsche ausgebrochen - heute , wo sie auf Ulrich zürnte und um ihren Sohn sich ängstete , sagte sie in kummervollem Tone : » Nun werde ich allein sein , wenn der Büttel kommt Euch vor den Schultheißen zu citiren , oder wenn das Judenmädchen sich untersteht mir wieder über den Hals zu kommen . « » Das ist bald fortgejagt , « tröstete Hieronymus , » und was der Büttel bei uns zu suchen hätte , wüßt ' ich wahrhaftig nicht . « » Und meinetwegen habt Ihr in Eurer Wohnung auch nichts mehr zu fürchten , « sagte Ulrich ; » ich werde mir eine andere suchen , sobald wir wieder aus dem Kloster zurück sind , so könnt Ihr morgen schon sagen , daß ich nicht mehr bei Euch wohne . « Mutter Martha entfärbte sich und hätte bald vor Schreck die Suppenschüssel hingeworfen - daß Ulrich sich von ihr und ihrem Sohne trennen könne , das schien ihr gar nicht mehr möglich ; doch saß ihr Groll zu tief , als daß sie schon heute ein versöhnliches Wort zu ihm hätte reden können . - Als Ulrich am Abend zu dem Propst kam , führte ihn die öffnende Wirthschafterin nicht in dessen gewöhnliches Wohnzimmer , sondern in ein kleines Seitengemach , das einen besondern Eingang hatte , und bedeutete ihn zu warten . Durch die hohe eichene Flügelthür schallte das Gelächter überlauter Zecher . Da der Propst so viel auf seine geistliche Würde hielt , um nicht öffentliche Trinkstuben zu besuchen , so suchte er sich dafür in den Häusern guter Freunde oder noch öfter in seinem eigenen Hause zu entschädigen . Es war bekannt , daß der Keller des Propstes am besten in der ganzen Stadt gefüllt war , daß er die feinsten wie die schwersten Weine enthielt und daß er mit keinem derselben geizte - ja , er trank seinen Gästen immer eifrig zu , und rechnete es sich als ein Verdienst und das Zeichen eines guten