seiner Hand eine Frauengestalt aus dem Wagen . Sie hatte einen Schleier auf dem Hute , hatte aber den Schleier zurückgeschlagen , und zeigte uns ihr Angesicht . Sie war eine alte Frau . Augenblicklich , da ich sie sah , fiel mir das Bild ein , welches mein Gastfreund einmal über manche alternde Frauen von verblühenden Rosen hergenommen hatte . Sie gleichen diesen verwelkenden Rosen . Wenn sie schon Falten in ihrem Angesichte haben , so ist doch noch zwischen den Falten eine sehr schöne , liebe Farbe , hatte er gesagt , und so war es bei dieser Frau . Über die vielen feinen Fältchen war ein so sanftes und zartes Rot , daß man sie lieben mußte , und daß sie eine Rose dieses Hauses war , die im Verblühen noch schöner sind als andere Rosen in ihrer vollen Blüte . Sie hatte unter der Stirne zwei sehr große schwarze Augen , unter dem Hute sahen zwei sehr schmale Silberstreifen des Haares hervor , und der Mund war sehr lieb und schön . Sie stieg von dem Wagentritte herab und sagte die Worte : » Gott grüße dich , Gustav ! « Hiebei neigte sich der alte Mann gegen sie , sie neigte ihr Angesicht gegen ihn , und die beiderseitigen Lippen küßten sich zum Willkommensgruße . Nach dieser Frau kam eine zweite Frauengestalt aus dem Wagen . Sie hatte auch einen Schleier um den Hut , und hatte ihn auch zurückgeschlagen . Unter dem Hute sahen braune Locken hervor , das Antlitz war glatt und fein , sie war noch ein Mädchen . Unter der Stirne waren gleichfalls große schwarze Augen , der Mund war hold und unsäglich gütig , sie schien mir unermeßlich schön . Mehr konnte ich nicht denken ; denn mir fiel plötzlich ein , daß es gegen die Sitte sei , daß ich hinter dem Gitter stehe und die Aussteigenden anschaue , während die , die sie empfangen , mir den Rücken zuwenden und von meiner Anwesenheit nichts wissen . Ich ging um die Ecke des Hauses zurück , und begab mich wieder in mein Wohnzimmer . Dort hörte ich nach einiger Zeit an Tritten und Gesprächen , daß die ganze Gesellschaft an meinem Zimmer vorbei den ganzen Gang entlang wahrscheinlich in die schönen Gemächer an der östlichen Seite des Hauses gehe . Was weiter an dem Wagen geschehen sei , ob noch eine oder zwei Personen aus demselben gestiegen seien , konnte ich nicht wissen ; denn auch nicht einmal beim Fenster wollte ich nun hinabsehen . Daß aber Gegenstände von demselben abgepackt und in das Haus gebracht wurden , konnte ich an dem Reden und Rufen der Leute erkennen . Auch den Wagen hörte ich endlich fortfahren , wahrscheinlich wurde er in den Meierhof gebracht . Ich blieb immer in der Tiefe des Zimmers sitzen . Ich ging weder zu dem Fenster , noch ging ich in den Garten , noch verließ ich überhaupt das Zimmer , obwohl eine ziemlich lange Zeit ruhig und still verfloß . Ich wollte lesen oder schreiben , und tat es dann doch wieder nicht . Endlich , da vielleicht ein paar Stunden vergangen waren , kam Katharina und sagte , der alte Herr lasse mich recht schön bitten , daß ich in das Speisezimmer kommen möge , man erwarte mich dort . Ich ging hinab . Als ich eingetreten war , sah ich , daß mein Gastfreund in einem Lehnsessel an dem Tische saß , neben ihm saß Gustav . An der entgegengesetzten Seite saß die Frau . Ihr Sessel war aber ein wenig von dem Tische abgewendet und der Tür , durch welche ich eintrat , zugekehrt . Hinter ihr und um eine Sesselhälfte seitwärts saß das Mädchen . Sie waren nun ganz anders gekleidet , als da ich sie aus dem Wagen steigen gesehen hatte . Statt des städtischen Hutes , den sie da getragen hatten , deckte jetzt ein Strohhut mit nicht gar breiten Flügeln , so daß sie eben genug Schatten gaben , das Haupt , die übrigen Kleider bestanden aus einem einfachen , lichten , mattfärbigen Stoffe , und waren ohne alle besonderen Verzierungen verfertigt , so wie der Schnitt nichts Auffälliges hatte , weder eine zur Schau getragene Ländlichkeit noch ein zu strenge festgehaltenes städtisches Wesen . Es standen mehrere Diener herum , so wie Katharina , die mich geholt hatte , auch wieder hinter mir in das Zimmer gegangen war und sich zu den dastehenden Mägden gesellt hatte . Selbst der Gärtner Simon war zugegen . Als ich in die Nähe des Tisches gekommen war , stand mein Gastfreund auf , umging den Tisch , führte mich vor die Frau und sagte : » Erlaube , daß ich dir den jungen Mann vorstelle , von dem ich dir erzählt habe . « Hierauf wendete er sich gegen mich und sagte : » Diese Frau ist Gustavs Mutter , Mathildis . « Die Frau sagte in dem ersten Augenblicke nichts , sondern richtete ein Weilchen die dunkeln Augen auf mich . Dann wies er mit der Hand auf das Mädchen und sagte : » Diese ist Gustavs Schwester Natalie . « Ich wußte nicht , waren die Wangen des Mädchens überhaupt so rot , oder war es errötet . Ich war sehr befangen und konnte kein Wort hervor bringen . Es war mir äußerst auffallend , daß er jetzt , wo er den Namen beinahe mit Notwendigkeit brauchte , weder um den meinigen gefragt , noch den der Frauen genannt hatte . Ehe ich recht mit mir zu Rate gehen konnte , ob zu der Verbeugung , welche ich gemacht hatte , etwas gesagt werden solle oder nicht , fuhr er in seiner Rede fort und sagte : » Er ist ein freundlicher Hausgenosse von uns geworden , und schenkt uns einige Zeit in unserer ländlichen Einsamkeit . Er strebt , die Berge und das Land zu erforschen und zur Kenntnis des Bestehenden und zur Herstellung der Geschichte