Uli hatte für derlei Dinge durchaus keinen Sinn . Was nichts kostete , gefiel ihm am besten , daneben dann , was so recht buntscheckigt war , so recht himmelschreiend . Er meinte auch , für Kinder sei gleich alles gut , und je weniger man an sie wende an Zeit und Kleidern , desto besser kämen sie fort , desto weniger ungezogen würden sie , an desto weniger gewöhnten sie sich . Uli dachte nicht daran , daß keine Zeit kostbarer angewendet wird als die , welche man an das Reinigen der Kinder wendet , und daß keine versäumte Zeit sich schwerer rächt als die , welche man zu wenig dazu braucht . Der Landmann mistet fleißig , wäscht den Schweinen den ganzen Leib , den Pferden Schwänze und Fuße usw. , und der gleiche Landmann läßt seine Kinder in nassen Betten liegen und tut , als ob jeder Tropfen Wasser Champagner wäre , den man bekanntlich nicht alle Tage braucht . Ja es gibt Leute , welche ihr Lebtag nie am ganzen Leibe gewaschen wurden als am Tage ihrer Geburt , diese Waschung hielts dann bis zum Tage des Todes , war eine währschafte . Er dachte ferner nicht daran , daß die Art , wie ein Kind gekleidet wird in der Jugend , ihm gerne nachgeht im Leben , und Kleider machen ja Leute . Es gibt nicht bloß Familien , sondern ganze Geschlechter bis ins dritte und vierte Glied , welche ihr Lebtag ungewaschen scheinen , alle Kleider an ihnen schmutzig , ja Leib und Seele schmutzig , sie mögen sich gebärden , kleiden , so kostbar sie wollen . Wir glauben , Demanten würden auf ihren Personen den Glanz verlieren und Farbe kriegen wie abgestandener Froschlaich . Wenn sie auch vornehm werden , diese abgestandenen Gesichter , und nach Seife und Pomade langen , erst im dritten und vierten Glied fängt man an zu merken , daß da was Ungewöhnliches in Gebrauch gekommen . Uli gehörte nicht zu diesem Schmutzgüggelgeschlecht , er war im Gegenteil , er mochte machen was er wollte , immer sauber anzusehen , aber er war von Natur so und wußte nicht , wie schnell man in die Familie der Schmutzgüggel geraten kann . Je mehr Mädi aus dem Häuschen kam , desto mehr kam an Vreneli . Viel machen macht sich noch , aber viel machen und nicht das Rechte machen und daher nicht genug schaffen können , das ist hart und drückt schwer aufs Herz , besonders wenn man noch was unter dem Herzen hat . Auch am Essen mäkelte er , es war ihm nicht mehr recht . Es klagen gar viele Weiber , sie könnten es ihren Männern nicht gut genug geben ; das ist von den Weibern dumm , sobald ihnen die Männer Geld genug geben und Geld dafür da ist . Lernen sie halt besser kochen , nehmen sie sich die Mühe nachzusehen , ob was in der Küche ist , und nachzudenken zu rechter Zeit und nicht erst , wenn es auf den Tisch sollte , was sie in die Küche geben , so wird das Ding sich wohl machen , der Mann müßte denn gar ein Unflat sein . Aber wenn die Frau es zu gut gibt , schlechter geben soll , als es sich mit ihrem Gewissen verträgt , weil sie denkt , Dienstboten seien doch eigentlich , genau genommen , keine Hunde , wenn sie zehn und mehr Jahre gekocht mit Verstand und zur Zufriedenheit , und auf einmal ists nicht mehr recht , sie sollte es mit dem Halben machen und hat doch gleich viel Mäuler zu sättigen oder noch mehr ( denn je schlechtere Arbeiter man hat , desto mehr muß man ihrer haben , und schlechte Arbeiter essen zumeist mehr als gute ) , dann ists böse , denn es ist nichts böser , als wenn man mit Bewußtsein und wider Willen unverständig handeln soll . Es ist wohl nichts dümmer auf der Welt , als wenn man zu schlecht zu essen gibt und es besser geben könnte . Es ist dumm und schlecht , wenn man es der eigenen Familie zu schlecht gibt , da wachsen keine Kräfte nach , die Kinder müssen es oft büßen lebenslang , hat ähnliche Folgen , wie wenn man das Land , den Boden ermagern läßt . Es ist aber noch viel dümmer , wenn man fremde Leute zu schlecht hält ; erstlich wird man tapfer verbrüllet , und zweitens stehlen sie wieder an der Arbeit ab , was man ihnen am Essen abstiehlt , das fehlt nicht . Das Sprüchwort » Eine Hand wäscht die andere « erwahrt sich wohl nirgends unfehlbarer als hier . Es ist sonderbar , wie Menschen in einfachen Dingen so wunderliche Augen oder Gedanken haben können . Uli wollte es nicht schlecht geben , aber minder gut . Ihm möge es eine große Summe bringen im Jahr , die Andern merkten es nicht oder hätten jedenfalls nicht weniger , meinte er . Der gute Uli hatte vergessen , wie feine Nasen die dümmsten Dienstboten in dieser Beziehung haben und wie hoch sie den geringsten Abbruch anschlagen , er dachte jetzt so wenig daran als früher an der Ernte , denn es sind gar viele Leute , welche meinen , sie alleine hätten ein Hirn zum Merken und eine Nase zum Riechen . Vreneli war übel daran . Diese Zumutungen alle waren nicht in einem Tage zu übersehn , sondern sie wurden alle Tage neu , sollten die Regel für das Tägliche werden , und Vreneli konnte sie wirklich nicht erfüllen , wenn es des Hauses Bestes im Auge hatte , konnte nicht denken : Meinethalben , wenn er es so haben will , so habe er es , es ist seine Sache . Es redete mit der Base . Die Base riet , leise zu tun , nicht viel zu widerreden , und wenn es geredet sein müßte , ohne Hitz , mit Liebe .