zum Pater zurück und fuhr mit diesem und Salvador augenblicklich nach Frankfurt . Als sie dort hörte , daß der Majoritätsantrag mit 258 gegen 237 Stimmen verworfen und demnach der Waffenstillstand , trotz des Hohns , der darin lag , daß die Centralgewalt beim Abschluß desselben vollständig bis auf den Namen ignorirt worden war , anerkannt sei , sagte sie , mit Thränen im Blick und zitternder Stimme , zum Pater Angelikus , indem sie ihm die Hand reichte : - Ich bin entschlossen , Pater . Ich ziehe meine Hand , die ihn bisher beschützte , von ihm ab . - Des Paters Züge veränderten sich nicht . Er nickte nur mit dem Kopfe und verließ schweigend das Zimmer . Die Nachricht von dem Resultate der Sitzung verbreitete sich mit stürmischer Schnelligkeit durch die Stadt . Eine gährende Bewegung gab sich urplötzlich in dem Volke kund . Große Haufen zogen , die Nationalversammlung verwünschend , durch die Straßen nach der Westendhall ; andere sammelten sich vor dem englischen Hofe , dem Zusammenkunftsorte der Abgeordneten der rechten Seite . Fenster wurden eingeworfen und mannigfach donnernde Pereats auf die Rechte ausgebracht . Generalmarsch tönte . Der englische Hof wurde von zwei Compagnien Kurhessen umzingelt , das Volk zurückgedrängt und das Haus besetzt . Aber noch hatte der Zorn des Volks nicht den höchsten Grad erreicht . Es fehlte die Einheit des Bewußtseins in der Menge . Um Mitternacht herrschte wieder vollkommene Ruhe . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Tausende strömten am Nachmittage des folgenden Tages von allen Seiten her nach der Pfingstweide zur Volksversammlung . Sämmtliche demokratische Vereine der umliegenden Ortschaften , so wie Frankfurt selbst setzten sich in corpore nach der Pfingstweide in Bewegung . Nachdem die Redner , welche meistens wie Schlöffel , Simon aus Trier , Wesendonck , Zitz u. A. der Linken der Nationalversammlung angehörten , unter dem lautlosen Schweigen des Volks , das nur zuweilen durch einen stürmischen Beifallsjubel unterbrochen wurde , gehört worden waren , wurde beschlossen : Die Mitglieder der gestrigen Majorität , welche den Waffenstillstand anerkannten , für Verräther am Vaterlande , an der Ehre und Freiheit Deutschlands zu erklären , und diesen Beschluß nicht nur dem deutschen Volke , sondern auch der Nationalversammlung selbst durch eine Deputation mitzutheilen . Darauf zog das Volk in zerstreuten Gruppen der Stadt zu , um sich vor dem » deutschen Hofe « dem Sammelplatze der Linken , nach deren Beschlüssen es sein ferneres Verhalten einrichten wollte , wieder zu vereinigen . V In derselben Nacht rückten 3000 Mann Preußen und Oesterreicher ein . Als die Abgeordneten sich nach der Paulskirche zur Sitzung begaben , fanden sie dieselbe vom Militär umringt . Zwar wurden die Truppen auf die Reclamationen der Linken Anfangs zurückgezogen , bald jedoch , als die Masse des Volks immer größer und seine Haltung immer drohender wurde , wieder herbeigerufen . Aber das Volk hatte einmal Posto gefaßt und setzte dem andringenden Militär Widerstand entgegen . In der Paulskirche hatte man nach Absolvirung der Waffenstillstandsfrage die Berathung der Grundrechte wieder aufgenommen und Artikel 4 , welcher über » Lehrfreiheit « handelt , zur Debatte gestellt , als plötzlich der Tumult draußen so anwächst , daß des Präsidenten Stimme ihn kaum zu übertönen vermag . - - Schläge donnern an die Thür . Erschreckt springen die ehrenwerthen Herren von ihren Sitzen empor . Das Haus geräth in Unruhe - - - man flüstert sich das Schreckenswort » Barrikade « zu - - von der Rechten begeben sich einige Mitglieder nach der Thür , um die Soldaten zum Widerstande zu ermuntern . Da knallt der erste Schuß in das Volk ; ein 60jähriger Greis stürzt zusammen . Das Volk stiebt auseinander , voller Wuth über den frischen Mord . Rasch organisirt sich der Widerstand . Barrikaden wachsen mit wunderbarer Schnelligkeit aus der Erde empor und werden von Offenbacher , Isenburger und Hanauer Republikanern besetzt , die in zahllosen Schaaren herbeigeeilt waren , die Schmach , welche die Nationalversammlung über Deutschland gebracht , abzuwaschen . Um Mittag entbrennt der Kampf auf allen Punkten , das schwere Geschütz donnert durch die Scheuer- und Fahrgasse und gegen die Barrikaden am Römerberge . Das Volk kämpft mit einem Muthe , den nur die Verzweiflung zu erwecken im Stande ist . Die Stadt wurde in Belagerungszustand erklärt und das Standrecht proklamirt . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zweimal begab sich eine Deputation der Linken zum Erzherzog Johann und bat ihn , die Truppen zurück ziehen und dem Blutbade ein Ende machen zu lassen . Der Reichsverweser war bereit , dem Wunsche Folge zu leisten , wenn das Volk verspräche , die Barrikaden zertrümmern zu wollen , aber die Minister verweigerten dem schon ausgefertigten Befehl ihre Contrasignatur . Dagegen gestatteten die Minister um 4 Uhr eine halbstündige Waffenruhe , um den Insurgenten Zeit zur Abtragung der Barrikaden zu gewähren . Die Frist lief ab und der Angriff begann aufs Neue . Um 8 Uhr Abends war der Kampf so gut wie beendet , obgleich noch einige Schüsse gehört wurden . Die Kartätschen hatten ihre Wirkung nicht verfehlt . Zu Hunderten lagen die Verwundeten und Todten in den Häusern und auf den Straßen umher . Blut röthete die Trümmer der Barrikaden . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Alice saß während des heftigsten Kampfes auf ihrem Zimmer in der Allerheiligengasse , dort , wo sie an die Zeil mündet . Dicht unter ihrem Fenster erhob sich eine starke Barrikade , welche von österreichischen Soldaten angegriffen wurde . Sie dachte an die Berliner Märznacht und seufzte aus tiefer Brust . Welch ' ein Unterschied zwischen dem Jetzt und Damals ! Wie