jene kleine Wandthür führt Dich dahin . Fasse ihn wohl in ' s Auge , aber prüfe ihn und Dich bis zu dem Augenblick . - Wirst Du in der strengsten Untersuchung , die ich anordnen will , als boshafter , falscher Ankläger erfunden , wehe Dir . Der Weg zum Galgen geht über Martern . Doch auch den guten Menschen können die eigenen Sinne täuschen , und schon die Anklage eines Schuldigen ist ein Makel , die keine Buße wieder abwäscht . Deshalb bete zu Deinem Schutzpatron , daß er Deine Augen hell sehen lasse , und hier schwöre bei dem Bilde des hochheiligsten Gottseibeiuns , daß Deine Blicke und Deine Reden Wahrheit seien . « Der Krämer schwor . Der Fürst winkte ihm zu gehen . Die kleine Thür führte in einem engen , dunklen Gange durch die dicke Mauer bis in den Fürstensaal , wo die schweren Teppiche zu Seiten des Thronhimmels ausgespannt waren . Schon nach wenigen Augenblicken kam Hedderich mit offenem Munde , mit glänzenden Augen : » Er ist da , Herr , ich sah ihn ! « » Wen ? « » Ich weiß seinen Namen nicht . Aber ich könnte ihn malen . Er steht im violetten - « Ein Zornblick des Fürsten wies den Ungerufenen fort : » Auf Deinen Platz ! Ich will nicht Deine vertraulichen Hinterbringungen , ich will Deine feierliche Anklage , die Du den Muth haben sollst , vor meinem ganzen Hofe auszusprechen . Zwischen uns Beiden ist nichts mehr . « Im Fürstensaale war der Hof schon lange versammelt ; Räthe , Ritter , Geistliche , auch die Bürgermeister von Berlin und Köln . Vielen der Herren sah man es an , daß sie hier ungern waren . Der Lederkoller , der Pelz und der Harnisch war ihnen lieber als der geschlitzte Wamms von Tuch . Solche von Sonne und Trunk geröthete Gesichter mit buschigtem Bart , mit wild schielenden Blicken ! Einige hatten sich schon gewöhnt ; sie standen manierlich da in schön gepufften Hosen mit knapp anschließendem Wamms , mit Halskrausen und einem wohlgekämmten Bart , gewärtig das Baret , das etwas schräg auf dem Lockenkopf schwebte , beim Eintritt des Kurfürsten mit leichtem Griff zu lüften . Diese traten unwillkürlich mehr in den Vordergrund , während die Andern ganz zufrieden schienen , hier in den Hintergrund gedrängt zu sein , wo für sie keine Ehre war . Der Edelmann , der noch trotzig , seine Knechte vorauf , durch das Oderberger Thor gesprengt , und dem Wirth zur Herberg , dessen Blicke ihn vielleicht gefragt : » Ei in dem langen Waffenrock zu Hof ? « geantwortet hatte : » Hauskleid ist Ehrenkleid , so trugen ' s meine Väter , ehe die Hohenzollern wie Pilze im Sand wuchsen ! « Dieser Edelmann war doch andern Sinnes , als er die Treppen heraufkam , und Alle um ihn hatten den gesteppten Faltenrock zu Haus gelassen , und das geschlitzte Wamms , das nur bis zur Hüfte reichte , anzogen . Er fluchte für sich über die Affen , aber er ließ sich gern hinter die Affen drängen , daß sie vor ihm ein Schirm würden . Niemand sah aber stattlicher aus in dem feinen Hofkleide , als der Ritter von Lindenberg , Niemand bewegte sich leichter darin , Niemand schien wohlgemuther und war die Freundlichkeit selbst gegen Jedermann , der sich an ihn drängte , und deren waren Viele . Doch hätte man bemerken können , daß er alles dies erst im Verlauf geworden , denn als er unter den ersten , die sich eingefunden , allein war , war er einsilbig , er schien von Unruhe geplagt , und gab solche Antworten , daß die , welche mit ihm sprachen , zu bemerken glaubten , als habe er , was sie fragten , gar nicht gehört . Erst seit der Dechant von Alt-Brandenburg sich unter den geistlichen Herren eingefunden und ihm aus der Ferne zugenickt hatte , war sein Gesicht verändert . Da wurde er Liebe und Sanftmuth selbst , und obwohl der , mit dem er gerade redete , ihm bemerkt , daß der geistliche Herr am andern Ende ihn sichtlich zu sprechen wünsche , hatte er gesagt , das habe wohl keine Eil , er stehe mit den Pfaffen nicht in so guter Freundschaft , um andere liebe Freunde , die ihm Theilnahme schenkten , darum zu verlassen . Auch redete er noch mit dem und jenem auf dem Wege und wechselte dann mit dem Dechanten nur kurze Worte ; doch von dem ab war der Herr von Lindenberg so freudig geworden , wie wir sagten , und selten hatte man ihn so bei Hofe gesehen . Da trat er in den Kreis , den viele Herren um den alten Geheimrath von Schlieben bildeten , welcher ein Minister des Kurfürsten war , und für einen sehr vorsichtigen Staatsmann galt , welcher sein Gesicht und noch mehr seine Worte bewachte . Die Herren wünschten zu horchen , wie denn wohl der Landtagsabschied lauten würde , und ob der Kurfürst wohl heut schon , beim großen Hoftage , etwas davon werde verlauten lassen , wenn er rede , wie er pflegte . Der von Schlieben sagte mit einer sehr wichtigen Miene , er wisse zwar nichts , glaube indessen doch , daß getreue Stände sehr dankbar mit dem gnädigen Bescheide sein dürften . Kurt Schlabrendorf sah den Herrn von Lindenberg an : » Ist ' s so ? Das wär ' s erste Mal . « » Es ist eine Freude , den Abschied zu lesen , mein theurer Herr von Schlabrendorf . Man kann sagen , man konnte ihn ordentlich sich so denken . « » Die sieben Propositionen wegen der Bierziese ? « fragte Ewald Schenk . » Die sind abgelehnt . « » Das konnte man sich freilich denken . Aber unsere Anträge ? « sagte Kurt von Schlabrendorf , » die der Marschall nach dem heftigen Tage verglich