hat Dich Dein Bräutigam begleitet ? « Bei dem Worte » Bräutigam « erröthete Haideröschen bis an die Stirn . Sie schlug die Augen nieder und versetzte : » Wir sind noch nicht verlobt , gnädiges Fräulein , aber Clemens hat mir gesagt , daß er kein anderes Mädchen , als mich , zur Frau nehmen will . « » Gewiß , so soll es geschehen ! Ist Clemens im Schlosse ? « » Clemens , mein armer Vater und auch mein Pathe Ehrhold . Sie ließen sich nicht zurückhalten und warten draußen , um Ihnen für so viele unverdiente Gnade recht von Herzen zu danken . « » Das ist mir lieb , arme Kleine , denn ich glaube , wir werden ihrer in Kurzem bedürfen . Dein Widersacher ist nämlich hier erschienen und hat Dich bei seinem Vater verklagt . « » Graf Magnus ? « rief Haideröschen erbleichend aus . » Ja , gutes Mädchen , er selbst . Aber fürchte Dich nicht so , er kann Dir heut kein Leid zufügen . Sein Vater , der gerechtigkeitliebende Graf Erasmus und Dein eigentlicher Gebieter , hat mir zugesagt , Dich zu schützen . Du stehst also unter seiner Obhut , und wenn Du mir offen und wahrheitsgetreu den Vorgang mit dem bösen Grafen Magnus erzählst , so kann Dir Niemand ein Haar krümmen . « » Muß ich denn meinen Todfeind sehen ? « fragte Haideröschen . » Nicht blos sehen wirst Du ihn , Du mußt ihn auch als Deinen Verführer bezeichnen und genau Alles , was er Dir vorgespiegelt hat , im Beisein des alten Grafen erzählen . « » Ach Gott , das kann ich ja nicht ! « » Warum nicht , mein liebes Röschen ? « » Das würde ja dem Herrn Grafen zur Unehre gereichen . « » Eben deßhalb mußt Du es Wort für Wort erzählen . Der Elende soll entlarvt werden vor denen , die er beleidigt hat . Die armen Unterthanen sollen erfahren , daß er ein harter Tyrann , ein schlechter Mensch ist und daß , wenn er sich nicht bessert , ihm Niemand Gehorsam zu leisten braucht . « » Wenn er seinen stechenden Blick auf mich richtet , vermag ich nicht zu reden . « » Es wird schon gehen , gutes Röschen , nur Muth ! Graf Erasmus will Dir wohl , Du bist von diesem Augenblicke an in meinen Diensten und darfst meinen Schutz in Anspruch nehmen . Mit ein wenig Selbstvertrauen wird Alles zu Deinem Gunsten sich entscheiden . « Niedergeschlagen neigte die Wendin ihr Köpfchen und weinte , daß die hellen Thränen über ihre Wangen herabliefen . Herta ließ inzwischen die Ankunft Röschens und ihrer Angehörigen dem Grafen anzeigen und um dessen fernere Befehle bitten . Bevor Antwort auf diese Anfrage erfolgt , wenden wir uns auf einige Minuten zu Magnus . Der geneigte Leser erinnert sich aus dem vorigen Kapitel , daß die Zimmer des jungen Grafen , der ein seltener Gast im alten Schlosse war , in beträchtlicher Entfernung von den übrigen bewohnten Gemächern lagen und nur durch vielfach in einander laufende und sich kreuzende Corridore mit diesen in Verbindung standen . Eine Menge schmaler Treppen und finsterer Gänge , wie man sie in allen alten Feudalschlössern findet , fehlten auch auf Boberstein nicht und machten es dem , der sie genau kannte , leicht möglich , das ganze Schloß in seiner großen Ausdehnung von einem Flügel zum andern zu durchwandern . Magnus , in Boberstein erzogen , besaß diese Kenntniß , da er als Knabe die abgelegensten Verstecke , die finstersten Treppen und geheimsten Thüren zu seinen Spielen aufgesucht und benutzt hatte . Wir erwähnen dies hier , weil es für unsere Erzählung alsbald von Bedeutung sein wird . Der junge Graf hatte den größten Theil der Nacht in heftiger Aufregung verlebt , nicht aus Furcht vor dem nächsten Tage , der ihm eine Demüthigung prophezeite , die seinen Stolz tödtlich zu verwunden drohte , sondern von Gedanken gepeinigt , von Plänen und Entwürfen gefoltert , die er bei sich erwog und wieder verwarf . Er hatte einen Entschluß gefaßt , der ihn vor wilder Freude zittern machte , von dem er sich unaussprechlichen Genuß versprach , nur über die Art und Weise der Ausführung desselben war er mit sich noch nicht vollkommen im Klaren . Es war dazu nöthig , daß er vorerst , wie er dies als Knabe fast täglich gethan hatte , alle Verbindungsgänge des alten Schlosses genau wieder untersuchte und sich mit Schloß und Riegel so vieler nie geöffneter Thüren abermals bekannt machte . Denn um seinen Zweck zu erreichen , mußte jedes Hinderniß bei Zeiten entfernt werden . So schlich nun Magnus in der Nacht , welche dem Gerichtstage vorherging , als die tiefe Stille ihm sagte , daß alle Diener im Schlosse zur Ruhe gegangen seien , leise aus seinem entlegenen Zimmer . Er glich einem feigen Mörder , wie er das Licht mit vorgehaltener Hand schirmend , den blanken Hirschfänger unterm Arm , gebückt , mit falschem , funkelnden Auge , das bleiche Antlitz von dem schwarzseidenen Tuche umrahmt , die knisternden Stiegen auf und nieder wandelte , Thüren öffnete , die mit grauen Spinngeweben vergittert waren , und deren Bewohner , vom plötzlichen Lichtschein erschreckt , in schnellem Laufe nach allen Seiten hin auseinander stoben . Einige Thüren fand er geschlossen . Vor diesen blieb er lange stehen , während seine Hand die Thürschlösser prüfend untersuchte . Ueber dieser Nachtwanderung verstrich mehr als eine Stunde . Magnus hatte sie gegen eilf Uhr begonnen , und als die Schloßschelle dumpf dröhnend Mitternacht schlug , kehrte der finstere , entschlossene junge Mann eben zurück . Das lange schrille Austönen der Glocke machte ihn stehen bleiben . Ein dünner Luftzug , der von rechts durch eine schmale hohe Thür hereinblies und die Flamme des Lichts niederwärts krümmte , erregte seine Aufmerksamkeit . Er stellte den Leuchter in eine Mauerblende zur Seite , drückte