sich nicht einige Ähnlichkeiten mit diesen Verliebten finden lassen ? - Ich zweifle kaum daran , und es hat also vermutlich nichts auf sich . - Zu meiner letzten ängstlichen Ermahnung an Dich hat mir eine gewisse Undeutlichkeit eines Briefes über Dich Anlaß gegeben , die aber nur eine Undeutlichkeit ist . Laß Dir daher meine Besorgtheit als einen Beweis meiner Liebe und nicht als einen Argwohn oder Beschuldigung gelten . Daß ich seit einer Zeit nicht mehr im Ton früherer Tage schreibe , fühl ich selbst deutlich , aber ich bereue es nicht . Alles Wesen hat auf Erden seinen Frühling , Sommer usw. ; wir spielen ganz natürlich mit den Kindern und werden ernster mit den Erwachsneren , denn wir fühlen , daß sie selbst zu leben beginnen , und wir haben nun kein Recht mehr , sie zu zerstreuen . Wenn einer ein Erzieher wäre , so tät er dies absichtlich , ist er ein bloßer Liebender , so tut er es , ohne davon zu wissen , und so ist es bei mir der Fall ; unser Verhältnis ist nun ernster zueinander und weniger auf die bunte Phantasie gegründet , weil unser Verhältnis zum Leben ernster ist . Man wird zur leicht verführt , die andern Menschen zu vergessen , sobald man sich einem einzigen mit Bequemlichkeit ergeben kann , und man nennt es nur zu leicht ein liebendes Gemüt haben , wenn man ein einseitiges Gemüt hat ; und wir sollen uns ja durchaus bilden und alle unsere Flächen der Seele mit der Welt in unschuldige , wohltätige Berührung bringen . Je einzelner und ausgezeichneter aber der einzelne Mensch ist , dem wir uns allein hingeben , je mehr beschränken wir uns , je mehr bestehlen wir die andern Menschen um das Wohltätige , was unsere Liebe für sie haben könnte , und wenn wir es beim Lichte betrachten , sind die Menschen nicht so verschieden , als sie aussehen . Wir dürfen nur das Wesentliche vom Zufälligen in ihnen trennen und nur jenes lieben , so wird unsre Selbstliebe zur natürlichen schönen Liebe für die ganze Gattung ; und richten wir dann über uns einzelnen , wie wir über die ganze Gattung so gern richten , so gehen wir der schönsten Bildung entgegen ; wir erheben uns zu Repräsentanten der reinen Menschheit , wir werden , was wir für das Höchste , Schönste in der Produktion des Universums erkennen , wir werden Bilder der reinen Menschheit , Ebenbilder Gottes . - Je begehrender , je wünschevoller aber unser Herz ist , je größere Pflicht liegt uns ob , uns zu bilden , je rührender uns die Liebe anderer zu empfinden und anzuschauen ist , je mehr müssen wir das in uns für sie ausbilden , was uns mit ihnen verbinden kann ; denn der ist kein guter Mann , der gerne wohltut und nichts zu erwerben sucht . Wir beide lieben einander herzlich um unserer selbst willen , das hat die Natur durch die Ähnlichkeit unserer Gemüter so wohltätig in uns vorbereitet , - es bliebe also bloß uns noch übrig , uns einander zu lieben , um aller andern halben ! - Das ist schwerer , denn hier setzen wir allgemein anzuerkennende Vortrefflichkeit in uns voraus ; - laß uns bescheiden sein , und wir müssen eingestehen , daß wir sehr weit von der Vortrefflichkeit entfernt sind , und hier trennen sich unsere Wege , nicht unsere Herzen ; denn wir müssen uns auf einige Zeit aus dem Gesichte verlieren , da Du ein Weib bist und ich ein Mann , und ein vortreffliches Weib etwas ganz anderes ist als ein braver Mann . - Doch lasse das alles ungeschrieben sein , es gefällt mir nicht , glaube mir , Deinem Herzen und Deiner Liebe . Damit Du mein Vertrauen und meine Liebe erkennst , damit Du die Menschen begreifst , die um Dich sind , damit Du etwas freudig fühlst , was auch mich innig erfreut hat , so sende ich Dir einen Brief , der mir über Dich geschrieben ward , und der für Dich und mich den Beweis enthält , daß ein vortreffliches geistvolles Wesen den innigsten Anteil an uns nimmt , Dich und mich liebt , - so schicke ich Dir die beiden Briefe , wovon der erste meine Warnung an Dich veranlaßte . - Auf diesen ersten Brief antwortete ich und beschwerte mich über die Undeutlichkeit seines Inhalts in Hinsicht Deiner und erhielt hierauf die heutige schöne Antwort , die ganz Dein Herz und Geist einnehmen muß . Ich bitte Dich aber , davon , daß ich Dir die Briefe mitteile , Dir nichts merken zu lassen , da diese Leute Dir nicht vertrauen , wie ich es tue . - Nochmals bitte ich Dich herzlich , ja sogar ernstlich , um Vermeidung aller männlichen Gesellschaft , außer in Gegenwart von Franz und Toni . Auch bitte ich um Fleiß , lieb Kind ; sei wahr und treu , ich liebe Dich unendlich . Clemens Beiliegenden Brief besorge an Minchen . Ich finde den ersten der beiden Briefe nicht gleich ; ich schicke also nur den zweiten , aber schweige und schicke ihn zurück . Clemens ! Sehr viel Ärger wird Dir alles machen , was ich eben im Begriff bin , Dir zu schreiben . Ich spür schon , daß ich sehr alles das sein werde , was Du im ganzen ein ungezognes oder ungebärdiges Ding nennen kannst , wenn Du willst ; - erstens , da der zweite mir gesendete Brief , den Du wunderschön edel nennst , nichts als Lüge über mich und von mir ist , so behalte nur Deinen ersten ganz und gar für Dich , - denn es ist mir gar nichts daran gelegen , dergleichen durchzustudieren ! - Und ich wollte doch lieber etwas anderes tun , als dergleichen Geschwätz nur zu berücksichtigen an Deiner Stelle , ob dies oder jenes ist oder war . Ich sage Dir feierlichst , warte