nur die Folge haben , daß ich mit meiner Frau früher nach Hause käme , um die nöthigen Schritte dagegen zu thun , obgleich , wie meine Mutter zu schreiben beliebt , die Anwesenheit meiner Frau , welche doch ein Lord D. zu seiner Gemahlin erkoren hatte , ein Schimpf für unsere Familie sein würde . Darüber will ich nicht streiten , da Vorurtheile nicht auf mich wirken , ich ersuche Dich also nur , meinen Auftrag auszurichten . Meinen nähern Freunden habe ich meine Heirath selbst gemeldet . Meine Frau und ich wünschen Dir und Clara bald ein Glück , wie wir es genießen . « William war erschrocken , obgleich der thörichte Entschluß ihm nicht unerwartet kam . Er wußte , welchen Eindruck diese Neuigkeit auf seine Tante hervorbringen mußte , aber es war nicht möglich , sie ihr zu verheimlichen , da Ferdinand zugleich an seine Freunde geschrieben und damit dies Verhältniß zum Stadtgespräch gemacht hatte . Die Familie war in der höchsten Aufregung . Der Commerzienrath eiferte und zürnte gegen seine Frau , deren unglückliche Verblendung den Sohn verzogen und , wie diese jetzt selbst gestand , ihm die Mittel zur Ausführung dieser thörichten Heirath gegeben hatte . Clara weinte über das Loos , das ihr Bruder sich bereitet , und mußte doch ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihre Mutter wenden , die dieser Brief vollkommen vernichtet hatte . Die Commerzienräthin versicherte , diesen Schimpf nicht überleben zu können ; sie gab sich einer so fassungslosen Entmuthigung hin , daß Eduard selbst unruhig über ihren Zustand wurde . Er bat deshalb William und Clara , die Mutter auf irgend eine Weise zu besänftigen , da bei einer Frau ihres Alters und ihrer Constitution die Nervenzufälle , welche sich seit einiger Zeit immer wiederholten und jetzt bedeutend zugenommen hatten , leicht einen traurigen Ausgang nehmen könnten . Anfänglich war jede Vorstellung , jeder Einwand verloren , und erst nach einigen Tagen gelang es William , der leidenschaftlichen Frau einen Trost zu geben , mit der Hindeutung , wie Clara ' s Liebe und Sorgfalt , die sich jetzt im schönsten Lichte zeige , wohl ein Glück sei , das die Mutter nicht verkennen dürfe . Dadurch bekamen die Ideen der Commerzienräthin plötzlich eine andere Wendung . Ja , Du hast Recht , mein Sohn , sagte sie , an Clara habe ich mich schwer versündigt , sie habe ich lange nicht genug geliebt . Aber jetzt werde ich vergelten ; sie soll jetzt mein Stolz , mein Alles sein , und jetzt gleich soll Eure Verlobung gefeiert werden , damit die Leute nicht glauben , die Schande , die mein Sohn über mich bringt , habe mich ganz niedergebeugt . Sie sollen sehen , daß mir in Clara und in Dir noch große Freude geblieben ist , und daß ich weder so schwach , noch so alt bin , mich von einem Unglück niederwerfen zu lassen . Hole mir Clara herbei , wir wollen die nöthigen Schritte noch heute thun . Das hatte William nicht beabsichtigt und es setzte ihn in Verlegenheit , um so mehr , als Clara es leicht für ein planmäßiges Werk von seiner Seite halten konnte . Er versuchte also der Tante zu beweisen , wie ein zu gleichgültiges Verhalten bei der Nachricht von Ferdinand ' s unerwarteter Vermählung mißdeutet werden könne , und beredete sie , nicht jetzt , während sie noch leidend und Clara so betrübt über ihren Bruder sei , ein Fest zu feiern , das mit voller Freudigkeit begangen werden müsse . Dadurch erlangte er einen kurzen Aufschub . Offenbar hatte aber die Aussicht , welche ihr William in Clara ' s Glück eröffnete , eine günstige Wirkung auf seine Tante gehabt . Sie erklärte , sich wohler zu fühlen , erstand von ihrem Lager und söhnte sich mit ihrem Manne aus , um sich mit ihm über Clara ' s Mitgift zu verständigen , die sie jetzt ebenso sehr zu erhöhen wünschte , als sie früher auf Beschränkung derselben zu Ferdinand ' s Gunsten gedrungen hatte . Dies Alles entging Clara nicht . In ängstlicher Erwartung sah sie der Stunde entgegen , in welcher dieser Gegenstand endlich zwischen ihr und ihrer Mutter zur Sprache kommen mußte , und diese Stunde ließ nicht auf sich warten . Eines Morgens ließ die Commerzienräthin Clara früher als gewöhnlich rufen . Sie hatte ihre Krankenstube verlassen und saß mit einer gewissen Feierlichkeit in ihrem Lehnsessel . Als die Tochter bei ihr eintrat , reichte sie derselben freundlich die Hand , nöthigte sie , sich zu ihr zu setzen , und sagte , nachdem sie einen Augenblick über den Anfang der Unterhaltung nachgedacht hatte : Mein Kind , es ist zwischen uns nicht immer so gewesen , wie es hätte sein sollen ; und ich will Dir es gestehen , ich habe Dich verkannt . Ich habe Deine Sanftmuth für Schwäche gehalten , habe Dir auch sonst in meinem Herzen Unrecht gethan , weil ich alle Plane für das Ansehen unsers Hauses nur auf Ferdinand basirte . Er hat meine Hoffnungen betrogen - ich habe keinen Sohn mehr . Ein nervöses Zittern fuhr trotz der Mühe , mit der sie es verbergen wollte , sichtbar durch ihre Glieder . Clara bat sie , sich zu schonen ; sie versuchte ein Wort zu Gunsten ihres Bruders einzulegen und der Mutter vorzustellen , wie seine unbesonnene Handlung vielleicht weniger traurig in ihren Folgen sein würde , als man glaube . Die Commerzienräthin ließ sie nicht vollenden . Das verstehst Du nicht , sagte sie heftig . Kann denn irgend Etwas die Schmach vertilgen , daß ein Weib wie jenes den Namen unserer Familie , meinen Namen trägt ? Fürchte nicht , daß Ferdinand Mangel leiden , daß Dein Vater ihn enterben könne , wie er neulich gedroht . Er soll mehr haben , als er bedarf , mehr , als Lord D. der Person geboten hätte , unter der einzigen Bedingung , daß er unsern Namen