Nein ! nicht Dich , aber mich . Ich meine , ich hab ' vergessen , daß ich nur in Dir leben konnte oder wollte . Wir dürfen uns nie wiedersehen , Anastas . Mit dieser Entscheidung ruinire ich Dein Leben ! darum wag ' ich auch nicht , Dich um Vergebung zu bitten . Du wirst am Besten wissen , wie Du zu denken hast an Faustine . « Ihre Schrift war unkenntlich , keine Spur der sonst so sichern , leichten Hand . Mario couvertirte das Blatt . Dann sagte er : » Nun die Adresse , Faustine . « » Jetzt mach ' ich ein Todesurtheil fertig « - murmelte sie , und adressirte nach Nürnberg ; denn so hatte Andlau es in seinem letzten Brief bestimmt . Mario siegelte den Brief mit Faustinens Siegel und steckte ihn zu sich , indem er sagte : » Morgen früh werd ' ich , bei der Post vorbeifahrend , ihn selbst abgeben . « Dies Alles hatte er gelassen und leidenschaftlos gesagt und gethan . In seinen Augen war eine andre Handlungsweise unmöglich für Faustine ; sie hatte ihren Willen erkannt und ausgesprochen , sie mußte ihn thun . Nun aber überstürzte ihn die Fülle des seligsten Bewußtseins wie eine Jubel-Symphonie . Er sank vor Faustine nieder , umschlang sie mit beiden Armen und wiederholte immer , als ob er sich mit dem Wort vertraut machen müsse : » Du liebst mich , Faustine ! o , Du liebst mich . « » Das muß wol wahr sein , « sagte sie finster , und ließ die Hände sinken , mit denen sie bisher das Antlitz bedeckt hielt . Kaum sah sie aber in Marios Augen , so entzündete sich auch in den ihren ein helles Freudenlicht , sie war wieder die glühende , funkelnde Schönheit , wieder das liebedürstige Weib . Sie nahm seinen Kopf in ihre Hände und fragte mit jenem Uebermuth , den die Liebe so graziös auszusprechen weiß : » Du bist aber wol nicht glücklich , Mario ? « » Nicht ganz , Faustine ! « » O , Sie sind nicht glücklich ? « sagte sie traurig , und ihre Hände sanken wie gelähmt herab ; » dann hab ' ich gewiß unrecht gethan . « Mario stand auf und sah sich im Zimmer um , indem er sagte : » Als ich Dich in jener Ballnacht heimführte und den tollen Clemens hier fand - als ich dort auf der Schwelle stehen blieb und nicht dies Gemach betreten durfte - ja , damals ahnte ich kaum , welch Glück mir heute beschieden werden sollte ! Aber ganz glücklich kann ich erst dann sein , wenn Du ganz mir angehörst , und darum flehe ich Dich an , Faustine , reise morgen mit mir zu meinen Eltern und laß den Vermählungstag meiner Schwester auch den unsern sein . « » Ach , ich soll Dich heirathen ? « rief sie ängstlich . » Wie dann nicht ? « fragte er stolz . » Meinst Du , ich würd ' es mir gefallen lassen , daß die Frau , der ich mein Leben weihe , meinen Namen zu tragen verschmähte ? meinst Du , ich könnte mich zufrieden geben in einem schiefen , aller Mißdeutung fähigen Verhältniß , wenn dieses durch nichts motivirt wird , als durch die Laune der Frau ? - Wie soll ich sie schützen , wenn sie nicht öffentlich freiwillig unter meinen Schutz getreten ist ? wie sie ehren , wenn sie mir nicht die Auszeichnung schenkt , die mich dazu befähigt , indem sie mich von der Menge trennt ? - Tausende können Dir huldigen , Einzelne können Dich lieben , Dein Gatte kann Dich schützen und ehren - er allein so , wie es Dir gebührt . « Vor einer Stunde ungefähr hatte Faustine ihren vollen Widerwillen gegen die Ehe ausgesprochen ; allein Mario dominirte sie dermaßen und rüttelte mit so kräftiger Hand an ihren bisherigen Ueberzeugungen , indem er seine entgegengesetzten leidenschaftlos aussprach , daß sie sich unfähig zum Widerstand fühlte . Sie sagte nur : » Und er soll dein Herr sein - steht in der Bibel . Wohlan , Mario , ich werde Dich heirathen . « Er hob sie auf und an sein Herz . » Komm ! « rief er . Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und sagte : » Nein ! geh zu Deinen Eltern , sie wissen ja nichts von mir , nichts von uns , Mario ! erzähl ' ihnen doch erst , daß wir uns lieben ! frag ' sie doch erst , ob ich ihnen willkommen bin ! In acht oder vierzehn Tagen bringst Du mir einen Gruß von ihnen - der wird mir Muth und Zuversicht geben . Jetzt geh , Mario ! « » Aber in diesen acht oder vierzehn Tagen wirst Du gewaltige Erschütterungen und wilde Aufregungen zu bestehen haben - fürcht ' ich - « » Du meinst , ich könnte wol auch von Dir abfallen ? « fragte sie mit trübem Lächeln . » Nein ! aber in Gram Dich versenken - « » Ich werde denken , daß Du glücklich bist , « unterbrach sie ihn , » und dann muß der Gram weichen ; denn in meiner Seele ist nichts so stark , als der Gedanke an Dich . « Sie war aufs Aeußerste erschöpft und kaum im Stande , sich aufrecht zu halten ; ihre Wangen brannten und ihre Hände waren eisig . Mario sah es , doch konnte er sich schwer zum Abschied entschließen . Er rief : » Was kann nicht Alles geschehen in vierzehn Tagen ! ich lasse die Hochzeit fahren und bleibe hier ! « Aber Faustine beharrte darauf , daß er ihr von den Eltern ein Liebeszeichen bringe . Als der Morgen graute , ging Mario . Faustine sank in einen eisernen Schlaf . Er hatte die Pferde mit Sonnenaufgang bestellt ; aber längst war