so zu nennen , so haben Sie doch meinen Frieden mit einem heftigen Feinde dadurch gestiftet und , setzte er mit Herzlichkeit hinzu , ihn in meinen aufrichtigen Freund verwandelt . Dann wäre durch eine geringe Ursache eine große Wirkung hervorgebracht , sagte der Graf lächelnd , aber theilen Sie mir doch mit , wie die Verwandlung sich begeben hat , die ich schon gestern bemerkte . St. Julien wurde ernsthaft und erzählte dem Grafen das ganze , anfänglich so feindliche und dann so rührend herzliche Benehmen des jungen Grafen ; er theilte ihm Alles mit , was er von ihm selbst erfahren hatte , und sein Zuhörer konnte sich des Mitgefühls nicht erwehren . Der arme junge Mann , rief er , als St. Julien geendigt hatte , er hat Vieles durch ein hartes Geschick erduldet und sehr Vieles durch die ungereimte Falschheit seines Vaters , der den eigenen Sohn hintergeht , um ihn zu Schritten zu bewegen , die ihn nur hätten herabwürdigen können . Ich sehe das deutlicher ein , als Sie , mein lieber Freund , und zweifeln Sie nicht , ich werde dem Vertrauen meines Vetters so begegnen , wie ich hoffe , daß es für uns Alle wohlthätig sein soll . Nur gedenken Sie meiner nicht dabei , sagte St. Julien , denn ich weiß nicht , ob unsere junge Freundschaft nicht dadurch erschüttert werden könnte , wenn er darauf käme , zu glauben , ich habe sein Vertrauen mißbrauchen wollen . Sein Sie unbesorgt , sagte der Graf lächelnd , ich werde ja nicht den kaum geschlossenen Frieden stören wollen . Die Gesellschaft versammelte sich spät zum Frühstück , und die heiteren Erinnerungen an den gestrigen Tag wurden gehemmt und unterbrochen , weil man bemerkte , daß der junge Graf seine Gedanken auf andere , ernsthaftere Gegenstände richtete , und daß auch sein Oheim diesen Dingen wenig Aufmerksamkeit schenkte und hauptsächlich ein Gespräch mit seinem Vetter einzuleiten suchte . Endlich nach beendigtem Frühstück bat er diesen , ihm in sein Kabinet zu folgen , weil er sich über manche Gegenstände mit ihm zu unterreden wünsche . Der junge Graf folgte schweigend , nicht ohne peinliche Empfindungen , weil er nicht wußte , welche Wendung eine Unterredung nehmen würde , die er wünschte und fürchtete . Als sie allein waren , sagte der Graf : Ich glaube , mein lieber Vetter , Sie haben es leicht bemerken können , daß Offenheit und Freimüthigkeit die Hauptzüge meines Charakters sind ; ich befürchte nicht mich zu täuschen , wenn ich dieselben Eigenschaften bei Ihnen voraussetze , es ist uns also ohne Frage beiden gleich quälend , wenn wir eine Spannung zwischen uns erhalten , die vielleicht durch eine offenherzige Unterredung aufgehoben werden kann . Der junge Graf fand auf diese Anrede keine Antwort und begnügte sich mit einer stummen Verbeugung . Ich will den Anfang des Vertrauens machen , fuhr sein Oheim fort , da mich die weitere Bahn , die ich auf dem Wege des Lebens zurückgelegt habe , vielleicht geschickter dazu gemacht hat , diese Aufgabe zu lösen . Ich glaube mich nicht zu irren , setzte er hinzu , wenn ich annehme , daß Sie mich durch Ihren Besuch hier nicht bloß deßhalb erfreuen , um die Bekanntschaft eines Verwandten zu machen , sondern daß Sie dazu auch noch durch andere Gründe bestimmt worden sind . Ich kann nicht läugnen , sagte der junge Graf mit einer Verlegenheit , die er nicht bekämpfen konnte , mein Vater hat mir mancherlei Aufträge gegeben , die es mir unendlich schwer fällt auszurichten . Ich glaube , erwiederte ihm sein Oheim , ich kann Ihnen die Eröffnung , die Sie mir machen müssen , erleichtern , wenn ich sage , daß mir im Ganzen der Inhalt Ihrer Sendung bekannt ist . Ihr Vater beabsichtigt seit lange , Ansprüche auf einen großen Theil meines Vermögens geltend zu machen , und die Kenntniß dieser Absicht , die mir mein Rechtsfreund mittheilte , bestimmte mich hauptsächlich hieher zu kommen , wo in einer so wichtigen Angelegenheit meine Gegenwart vielleicht unentbehrlich sein konnte . Ich kann nicht läugnen , sagte der junge Graf , mein Vater ist überzeugt , bedeutende Ansprüche zu haben . Ist es Ihnen bekannt , worauf er diese gründet ? fragte der Graf . Mein Vater ist überzeugt , erwiederte sein Vetter , daß nach dem Tode Ihres Aeltervaters die Summe , welche Ihr Großvater dem seinigen hatte auszahlen sollen , nie berichtigt worden ist . Ich kann Sie vom Gegentheil überzeugen , sagte der Graf , und Ihnen das Dokument über die vollständig geleistete Zahlung vorlegen . Er reichte es ihm mit diesen Worten hin und zog sich etwas zurück , um seinem jungen Verwandten Zeit und Ruhe zum Lesen zu gewähren . Er beobachtete ihn während dieses Geschäfts und sah , wie das Gesicht des jungen Mannes während des Lesens erbleichte und das Gefühl einer völligen Hoffnungslosigkeit sich auf seinen Zügen ausdrückte . Noch eine Zeitlang hielt er das Blatt zitternd in der Hand , und sein Auge ruhte mit dem Ausdrucke der Verzweiflung auf den Buchstaben , die alle seine Erwartungen vernichtet hatten . Endlich nahm er sich zusammen und gab gefaßt seinem Oheim die Urkunde zurück . Es ist so , wie ich es schon früher ahnte , sagte er mit ruhiger Stimme , es war ein Irrthum meines Vaters . Ihr Vater , rief der Graf mit Heftigkeit und unterbrach sich selbst , er fühlte , wie hart es wäre , einem Sohne zu zeigen , wie weit sein Vater von der Bahn der Ehre abgewichen sei . Mein Vater , ergänzte der junge Graf , muß seinen Irrthum schleunig erfahren , wenn auch dadurch alle seine Hoffnungen vernichtet werden ; er muß es wissen , daß wir gar keine Rechte auf Ihr Vermögen haben . Wenn ich auch zugeben muß , erwiederte sein Oheim , daß Sie diese Rechte in der That nicht haben , hören denn dadurch nothwendig alle