des Berliners , unter seinen Beschuldigungen gegen das ganze weibliche Geschlecht , hatten wir uns endlich dem Garten genähert . Er lag , von Bäumen umgeben , wie ein Versteck der Liebe . Signora Campoco empfing uns mit ihren Hündlein aufs freundlichste ; sie erzählte , daß sie das deutsche Geplauder der Versöhnten nicht mehr länger habe hören können , und zeigte uns eine Laube , wo wir sie finden würden . Errötend , mit glänzenden Augen , Verwirrung und Freude auf dem schönen Gesicht , trat uns das Fräulein entgegen . Der Kapitän aber schien mir ernster , ja es war mir , als müßte ich in seinen scheuen Blicken eine neue Schuld lesen , die er zu den alten gefügt . Dem Berliner war wohl das schmerzlichste der feurige Dank , den ihm das schöne Mädchen für seine eifrigen Bemühungen ausdrückte . Sie umfing ihn , sie nannte ihn ihren treuesten Freund , sie bot ihm ihre Lippen , und er hat wohl nie so tief als in jenem Augenblick gefühlt , wie die höchste Lust mit Schmerz sich paaren könne . Mir , ich gestehe es , war diese Szene etwas langweilig ; ich werde daher die nähere Beschreibung davon nicht in diese Memoiren eintragen , sondern als Surrogat eine Stelle aus Jean Pauls » Flegeljahren « einschieben , die den Leser weniger langweilen dürfte : » Selige Stunden , welche auf die Versöhnung der Menschen folgen ! Die Liebe ist wieder blöde und jungfräulich , der Geliebte neu und verklärt , das Herz feiert seinen Mai , und die Auferstandenen vom Schlachtfelde begreifen den vorigen , vergessenen Krieg nicht . « So sagt dieser große Mensch , und er kann recht haben , aus Erfahrung ; ich habe , seit sich der Himmel hinter mir geschlossen , nicht mehr geliebt , und mit der Versöhnung will es nicht recht gehen . Bei jener ganzen Szene ergötzte ich mich mehr an der Erwartung als an der Gegenwart . Wenn jetzt mit einemmal , dachte ich mir , Frater Piccolo durch die Bäume herbeikäme , um seinen Wechsel honorieren zu lassen - welche Angst , welcher Kummer bei dem Kapitän , welches Staunen , welcher Mißmut bei dem Fräulein ! Ich dachte mir allerlei dergleichen Möglichkeiten , während die andern in süßem Geplauder mit vielen Worten nichts sagten - da hörte ich auf einmal das Plätschern von Rudern in der Tiber . Es war nach sechs Uhr , es war die Stunde , um welche ich Frater Piccolo hieher bestellt hatte ; wenn er es wäre ! - Die Ruderschläge wurden vernehmlicher , kamen näher , weder die Liebenden noch der Berliner schienen es zu hören . Jetzt hörte man nur noch das Rauschen des Flusses , die Barke mußte sich in der Nähe ans Land gelegt haben . Die Hunde der Signora schlugen an , man hörte Stimmen in der Ferne , es rauschte in den Bäumen , Schritte knisterten auf dem Sandweg des Gartens , ich sah mich um - Donna Ines und der Kardinal Rocco standen vor uns . Luise starrte einen Augenblick diese Menschen an , als sehe sie ein Gebild der Phantasie . Aber sie mochte sich des Kardinals aus einem schrecklichen Augenblick erinnern , sie schien den Zusammenhang zu begreifen , schien zu ahnen , wer Ines sei , und sank lautlos zurück , indem sie die schönen Augen und das erbleichende Gesicht in den Händen verbarg . Der Kapitän hatte den Kommenden den Rücken zugekehrt , und sah also nicht sogleich die Ursache von Luisens Schrecken . Er drehte sich um , er begegnete zornsprühenden Blicken der Donna , die diese Gruppe musterte , er suchte vergeblich nach Worten ; das Gefühl seiner Schande , die Angst , die Verwirrung schnürten ihm die Kehle zu . » Schändlich ! « hub Ines an , » so muß ich dich treffen ? Bei deiner deutschen Buhlerin verweilst du , und vergißt , was du deinem Weibe schuldig bist ? Ehrvergessener ! statt meine Ehre , die du mir gestohlen , durch Treue zu ersetzen , statt mich zu entschädigen für so großen Jammer , dem ich mich um deinetwillen ausgesetzt habe , schwelgst du in den Armen einer andern ? « » Folget uns , Kapitän West ! « sagte der Kardinal sehr strenge ; » es ist Euch nicht erlaubt , noch einen Augenblick hier zu verweilen . Die Barke wartet . Gebt der Donna Euren Arm und verlasset diese ketzerische Gesellschaft . « » Du bleibst ! « rief Luise , indem sie ihre schönen Finger um seinen Arm schlang und sich gefaßt und stolz aufrichtete ; » schicke diese Leute fort . Du hast ja noch soeben diese Abenteuerin verschworen . Du zauderst ? Monsignor , ich weiß nicht , wer Ihnen das Recht gibt , in diesen Garten zu dringen ; haben Sie die Güte , sich mit dieser Dame zu entfernen . « » Wer mir das Recht gibt , junge Ketzerin ? « entgegnete Rocco , » diese ehrwürdige Frau Campoco ; ich denke ihr gehört der Garten , und es wird sie nicht belästigen , wenn wir hier verweilen . « » Ich bitte um Euren Segen , Eminenz « , sagte sich tief verneigend Signora Campoco ; » wie möget Ihr doch so sprechen ? Meinem geringen Garten ist heute Heil widerfahren , denn heilige Gebeine wandeln darin umher ! « » Nicht gezaudert , Kapitän ! « rief der Kardinal ; » werfet den Satan zurück , der Euch wieder in den Klauen hat ; folget uns , wohin die Pflicht Euch ruft . - Ha ! Ihr zaudert noch immer , Verräter ? soll ich « , fuhr er mit höhnischem Lächeln fort : » soll ich Euch etwa dies Papier vorzeigen ? Kennet Ihr diese Unterschrift ? Wie steht es mit den fünftausend Scudi , verehrter Herr ? soll ich Euch durch die Wache abholen lassen ? « - » Fünftausend