letzten Vergangenheit zu erwähnen , mein Gesuch , wobei ich ihn von dem Ort , wohin er das Geld zu senden habe , unterrichtete . Ich hoffte wenig , und doch waren die Tage , die ohne Antwort verflossen , sehr lang , und die allmälig eintretende Ueberzeugung , daß man meinen Brief verhindert hatte , in Herrn Boswells Hände zu kommen , sehr bitter . Indessen machte ich jeden Versuch , mir Arbeit und Erwerb zu verschaffen . Ich erkundigte mich nach Mistriß Murray - sie war noch immer im Auslande , und ihr Sohn war ihr dahin gefolgt ; ihre unliebenswürdige Schwester befand sich , so wie der größte Theil der wohlhabenden Bewohner Edinburgs , auf dem Lande ; denn in der schönen Jahrszeit ist das , was von London nur als Redensart gilt , in Edinburg im eigentlichen Sinne wahr : die Stadt ist dann leer . Dieser Umstand mochte meinem Nachsuchen ebenso ungünstig seyn , wie mein gänzlicher Mangel an Bekanntschaft und Empfehlung . In vornehmern Häusern fehlte mir diese , und in Bürgerhäusern mochte meine wieder aufblühende Jugend und mein Ansehen , das mich auch in meiner bescheidnen Kleidung vor der Volksclasse auszeichnete . Mißtrauen erregen . Eines Tags sah ich hinter dem Fenster eines Kaufladens einige kleine Handarbeiten , wie ich sie in meinen bessern Tagen verfertigt . Ich trat hinein und bot dem Kaufmann an , ihm ähnliche zu liefern . Er schien sehr wenig Vertrauen in meine Geschicklichkeit zu setzen , versprach mir aber doch , wenn ich selbst das Material dazu hergeben wollte und sie ihm gefielen , dieselben zu kaufen . So gering diese Gefälligkeit war , konnte ich doch meine erste Hoffnung an sie knüpfen und ging freudig nach Hause . Meine Lage forderte dringend eine günstigere Wendung ; ich hatte nur eine Woche von meinen wenigen Schillingen gelebt , und bei der strengsten Sparsamkeit gingen sie zu Ende . Meine Miethe sollte heute auch bezahlt werden , und es blieb mir kein Mittel , als ein Stück meines kleinen Kleidervorraths zu verkaufen . Lange sann ich nach , wie ich dieses schwere Opfer zu meinem größten Vortheil bringen könnte . Wenn ich für den Erlöß meiner Habseligkeit Material zu den Arbeiten anschaffte , die mir der Kaufmann abzunehmen versprochen hatte , so konnte ich mich in den Stand setzen , nicht allein Frau Millner zu bezahlen , sondern auch für meinen künftigen Unterhalt zu sorgen . Allein hatte ich , so lange ich ihr meinen Miethzins schuldig war , das Recht , über einen Theil meines Besitzes auf eine andre Weise zu verfügen ? Sollte ich die Nachsicht einer Person in Anspruch nehmen , die ich nur mit Mühe nöthigte , mich mit Achtung zu behandeln ? Nach langem schmerzlichen Bedenken überwand ich meinen aufgährenden Stolz , bat Frau Millner , in mein Zimmer zu kommen , und legte ihr meine Lage vor . » Ich kann Ihnen den Miethzins noch diese Woche bezahlen , aber dann nicht mehr , wenn Sie mir nicht auf einige Tage Credit geben « , schloß ich meinen Vortrag . Sie sah mich verwundert an , denn nie vorher hatte ich mit ihr von meiner Lage oder meinen Verhältnissen gesprochen . Nach einigen Fragen , durch die sie sich über meine Plane noch mehr verständigen wollte , und die ich nicht zurückweisen durfte , sagte sie : » Nein , ich will Ihnen nicht weh thun . Bezahlen Sie mir die Hälfte der Miethe und versuchen Sie mit der andern Ihr Glück . « - Dieser Punct war also gewonnen ; jetzt kam es darauf an , das Geld herbeizuschaffen , und zu diesem Ende nahm ich mein kleines Päckchen , um es dahin zu tragen , wohin die Noth mir schon früher den Weg gezeigt hatte . Der elende Winkel , in welchem der Trödler und Pfandverleiher seinen Laden aufgeschlagen hatte , erfüllte mich mit Ekel . Es war ein trüber , regniger Tag ; vielleicht war dieser Umstand daran schuld , daß mir dieser Ort heute so schauerlich vorkam ; vielleicht hatte mein Fieber mich reizbarer gemacht , meine dürftige Nahrung mich geschwächt , genug , daß ich mit Zittern und Zagen mein Geschäft begann . Einige schmuzige , zerlumpte Weiber , anscheinend aus der niedrigsten Volksclasse , standen vor dem Zahltisch , der mit Kleidungsstücken und Wäsche von sehr schlechtem Ansehen bedeckt war ; in rauhen , rohen Tönen feilschten sie , schrieen , bettelten , und Noth , Ungeduld oder Arglist verzog ihre garstigen Gesichter . Ich schloß schleunig meinen Handel und wollte wieder hinwegeilen , als ich beim Heraustreten eine Stimme vernahm , die , weniger mißtönend wie die andern , traurig und halb leise dem Trödler ein dringendes Gesuch vorzutragen schien . Sie sprach meine Landessprache , und dieser Ton traf wie Freundes Stimme mein Ohr . Das Gesicht der Sprechenden war von mir abgewendet , auch zum Theil mit einem Mantel verhüllt , an dem noch einige Fetzen eines ehemaligen Besatzes zu sehen waren ; mit dem einen Arm , der so abgezehrt war , daß die farblose Haut jeden Knochen bezeichnete , hielt oder schleppte sie vielmehr ein kränkliches Kind . Sie begann noch einmal zu bitten : » O Herr , wenn es nur einige Schillinge seyn könnten ! « - » Nicht einen . Ihr habt schon viel mehr erhalten , wie das Kleid werth ist , « sagte der Mann mit unbarmherzigem Ton . - » Nun so helfe mir Gott ! so muß ich verhungern ! « rief die Frau und schritt neben mir aus der Thür . Jetzt konnte ich ihre Züge unterscheiden , und wie verändert sie auch waren , erkannte ich Julie Arnold . Ich rief ihren Namen , und mit ihm trat ihre ehemalige Lieblosigkeit vor mein Gedächtniß . Starr vor Entsetzen sah ich sie einige Augenblicke an - ein Bild des Jammers ! Krankheit , Mangel , Gram war in ihre Züge eingegraben ! -