sich sogleich in Marsch , und da es zum Gesetz gemacht worden war , den ganzen Weg nichts miteinander zu sprechen , so konnte Friedrich nicht erfahren , wie derselbe aufs Gebirge und in diesen Zustand geraten war . Sie gingen nun zwischen Wäldern , Felsenwänden und unabsehbaren Abgründen immer fort ; der ganze Kreis der Berge lag still , nur die Wälder rauschten von unten herauf , ein scharfer Wind ging auf der Höhe . Der Gemsenjäger schritt frisch voran , sie sprachen kein Wort . Als sie einige Zeit so fortgezogen waren , hörten sie plötzlich über sich mehrere Stimmen in ausländischer Sprache . Sie blieben stehen und drückten sich alle hart an die Felsenwand an . Die Stimmen kamen auf sie los und schienen auf einmal dicht bei ihnen ; dann lenkten sie wieder seitwärts und verloren sich schnell . Dies bewog den Führer , einen andern , mehr talwärts führenden Umweg einzuschlagen , wo sie sicherer zu sein hofften . Sie hatten aber kaum die untere Region erlangt , als ihnen ein Gewirre von Reden , Lachen und Singen durcheinander entgegenscholl . Zum Umkehren war keine Zeit mehr , seitwärts von dem Platze , wo das Schallen sich verbreitet , führte nur ein einziger Steg über den Strom , der dort in das Tal hinauskam . Als sie an den Bach kamen , sahen sie zwei feindliche Reiter auf dem Stege , die beschäftigt waren , Wasser zu schöpfen . Sie streckten sich daher schnell unter die Sträucher auf den Boden nieder , um nicht bemerkt zu werden . Da konnten sie zwischen den Zweigen hindurch die vom Monde hell beleuchtete Wiese übersehen . Ringsum an dem Rande des Waldes stand dort ein Kreis von Pferden angebunden , eine Schar von Reitern war lustig über die Aue verbreitet . Einige putzten singend ihre Gewehre , andere lagen auf dem Rasen und würfelten auf ihren ausgebreiteten Mänteln , mehrere Offiziere saßen vorn um ein Feldtischchen und tranken . Der eine von ihnen hatte ein Mädchen auf dem Schoße , das ihn mit dem einen Arme umschlungen hielt . Friedrich erschrak im Innersten , denn der Offizier war einer seiner Bekannten aus der Residenz , das Mädchen die verlorne Marie . Es war einer von jenen leichten , halbbärtigen Brüdern , die im Winter zu seinem Kreise gehört , und bei anbrechendem Frühling Ernst , Ehrlichkeit und ihre gemeinschaftlichen Bestrebungen mit den Bällen und andern Winterunterhaltungen vergaßen . Ihn empörte dieses Elend ohne Treue und Gesinnung , wie er mit vornehmer Zufriedenheit seinen Schnauzbart strich und auf seinen Säbel schlug , gleichviel für was oder gegen wen er ihn zog . Der Lauf seines Gewehres war zufällig gerade auf ihn gerichtet ; er hätte es in diesem Augenblicke auf ihn losgedrückt , wenn ihn nicht die Furcht , alle zu verraten , davon abgehalten hätte . Der Offizier stand auf , hob sein Glas in die Höh und fing an Schillers Reiterlied zu singen , die andern stimmten mit vollen Kehlen ein . Noch niemals hatte Friedrich das fürchterliche Lied so widerlich und höllisch-gurgelnd geklungen . Ein anderer Offizier mit einem feuerroten Gesichte , in dem alle menschliche Bildung zerfetzt war , trat dazu , schlug mit dem Säbel auf den Tisch , daß die Gläser klirrten , und pfiff durchdringend den Dessauer Marsch drein . Ein allgemeines wildes Gelächter belohnte seine Zote . - Unterdes hatten die beiden Reiter den Steg wieder verlassen . Friedrich und seine Gesellen rafften sich daher schnell vom Boden auf und eilten über den Bach von der andern Seite wieder ins Gebirge hinauf . Je höher sie kamen , je stiller wurde es ringsumher . Nach einer Stunde endlich wurden sie von den ersten Posten der Ihrigen angerufen . Hier erfuhren sie auch , daß fast alle die übrigen Abteilungen , die sich teils durchgeschlichen , teils mit vielem Mute durchgeschlagen hatten , bereits oben angekommen wären . Es war ein freudenreicher Anblick , als sie bald darauf den weiten , freien Platz auf der letzten Höhe glücklich erreicht hatten . Die ganze unübersehbare Schar saß dort , auf ihre Waffen gestützt , auf den Zinnen ihrer ewigen Burg , die großen Augen gedankenvoll nach der Seite hingerichtet , wo die Sonne aufgehn sollte . Friedrich lagerte sich vorn auf einem Felsen , der in das Tal hinausragte . Unten rings um den Horizont war bereits ein heller Morgenstreifen sichtbar , kühle Winde kamen als Vorboten des Morgens angeflogen . Eine feierliche , erwartungsvolle Stille war über die Schar verbreitet , einzelne Wachen nur hörte man von Zeit zu Zeit weit über das Gebirge rufen . Ein Jäger vorn auf dem Felsen begann folgendes Lied , in das immer zuletzt alle die andern mit einfielen : » In stiller Bucht , bei finstrer Nacht , Schläft tief die Welt im Grunde , Die Berge rings stehn auf der Wacht , Der Himmel macht die Runde , Geht um und um Ums Land herum Mit seinen goldnen Scharen , Die Frommen zu bewahren . Kommt nur heran mit eurer List , Mit Leitern , Strick und Banden , Der Herr doch noch viel stärker ist , Macht euren Witz zuschanden . Wie wart ihr klug ! - Nun schwindelt Trug Hinab vom Felsenrande - Wie seid ihr dumm ! o Schande ! Gleichwie die Stämme in dem Wald Wolln wir zusammenhalten , Ein ' feste Burg , Trutz der Gewalt , Verbleiben treu die alten . Steig , Sonne , schön ! Wirf von den Höhn Nacht und die mit ihr kamen , Hinab in Gottes Namen ! « Friedrich ärgerte es recht , daß der Student immerfort so traurig dabeisaß . Seine Komödiantin , wie er Friedrich hier endlich entdeckte , hatte ihn von neuem verlassen und diesmal auch alle seine Barschaft mitgenommen . Arm und bloß und zum Tode verliebt , war er nun dem aufrührerischen Gebirge zugeeilt , um im Kriege sein Ende zu finden . » Aber so seid