erschlug , sondern daß der wahnsinnige Mönch , den ich im Försterhause traf , die Tat begangen . Alles , was ich dem Leibarzt gestand , schien mir nicht Lüge , sondern der wahre geheimnisvolle Hergang der Sache zu sein , der mir selbst unbegreiflich blieb . - Der Fürst hatte mich empfangen wie einen Freund , den man verloren glaubt und wiederfindet ; dies gab natürlicherweise den Ton an , in den alle einstimmen mußten , nur die Fürstin , war sie auch milder als sonst , blieb ernst und zurückhaltend . Aurelie gab sich mir mit kindlicher Unbefangenheit ganz hin , ihre Liebe war ihr keine Schuld , die sie der Welt verbergen mußte , und ebensowenig vermochte ich auch nur im mindesten das Gefühl zu verhehlen , in dem allein ich nur lebte . Jeder bemerkte mein Verhältnis mit Aurelien , niemand sprach darüber , weil man in des Fürsten Blicken las , daß er unsre Liebe , wo nicht begünstigen , doch stillschweigend dulden wolle . So kam es , daß ich zwanglos Aurelien öfter , manchmal auch wohl ohne Zeugen sah . - Ich schloß sie in meine Arme , sie erwiderte meine Küsse , aber es fühlend , wie sie erbebte in jungfräulicher Scheu , konnte ich nicht Raum geben der sündlichen Begierde ; jeder frevelige Gedanke erstarb in dem Schauer , der durch mein Innres glitt . Sie schien keine Gefahr zu ahnen , wirklich gab es für sie keine , denn oft , wenn sie im einsamen Zimmer neben mir saß , wenn mächtiger als je ihr Himmelsreiz strahlte , wenn wilder die Liebesglut in mir aufflammen wollte , blickte sie mich an so unbeschreiblich milde und keusch , daß es mir war , als vergönne es der Himmel dem büßenden Sünder , schon hier auf Erden der Heiligen zu nahen . Ja , nicht Aurelie , die heilige Rosalia selbst war es , und ich stürzte zu ihren Füßen und rief laut : » O du , fromme , hohe Heilige , darf sich denn irdische Liebe zu dir im Herzen regen ? « - Dann reichte sie mir die Hand und sprach mit süßer milder Stimme : » Ach , keine hohe Heilige bin ich , aber wohl recht fromm und liebe dich gar sehr ! « Ich hatte Aurelien mehrere Tage nicht gesehen , sie war mit der Fürstin auf ein nahe gelegenes Lustschloß gegangen . Ich ertrug es nicht länger , ich rannte hin . - Am späten Abend angekommen , traf ich im Garten auf eine Kammerfrau , die mir Aureliens Zimmer nachwies . Leise , leise öffnete ich die Tür - ich trat hinein - eine schwüle Luft , ein wunderbarer Blumengeruch wallte mir sinnebetäubend entgegen . Erinnerungen stiegen in mir auf wie dunkle Träume ! Ist das nicht Aureliens Zimmer auf dem Schlosse des Barons , wo ich ... Sowie ich dies dachte , war es , als erhöbe sich hinter mir eine finstre Gestalt , und : » Hermogen ! « rief es in meinem Innern ! Entsetzt rannte ich vorwärts , nur angelehnt war die Türe des Kabinetts . Aurelie kniete , den Rücken mir zugekehrt , vor einem Tabourett , auf dem ein aufgeschlagenes Buch lag . Voll scheuer Angst blickte ich unwillkürlich zurück - ich schaute nichts , da rief ich im höchsten Entzücken : » Aurelie , Aurelie ! « - Sie wandte sich schnell um , aber noch ehe sie aufgestanden , lag ich neben ihr und hatte sie fest umschlungen . » Leonard ! mein Geliebter ! « - lispelte sie leise . Da kochte und gärte in meinem Innern rasende Begier , wildes , sündiges Verlangen . Sie hing kraftlos in meinen Armen : die genestelten Haare waren aufgegangen und fielen in üppigen Locken über meine Schultern , der jugendliche Busen quoll hervor - sie ächzte dumpf - ich kannte mich selbst nicht mehr ! - Ich riß sie empor , sie schien erkräftigt , eine fremde Glut brannte in ihrem Auge , feuriger erwiderte sie meine wütenden Küsse . Da rauschte es hinter uns wie starker , mächtiger Flügelschlag ; ein schneidender Ton , wie das Angstgeschrei des zum Tode Getroffenen , gellte durch das Zimmer . - » Hermogen ! « schrie Aurelie und sank ohnmächtig hin aus meinen Armen . Von wildem Entsetzen erfaßt , rannte ich fort ! - Im Flur trat mir die Fürstin , von einem Spaziergange heimkehrend , entgegen . Sie blickte mich ernst und stolz an , indem sie sprach : » Es ist mir in der Tat sehr befremdlich , Sie hier zu sehen , Herr Leonard ! « - Meine Verstörtheit im Augenblick bemeisternd , antwortete ich in beinahe bestimmterem Ton , als es ziemlich sein mochte , daß man oft gegen große Anregungen vergebens ankämpfe , und daß oft das unschicklich Scheinende für das Schicklichste gelten könne ! - Als ich durch die finstre Nacht der Residenz zueilte , war es mir , als liefe jemand neben mir her , und als flüstere eine Stimme : » I ... Imm ... Immer bin ich bei di ... dir ... Brü ... Brüderlein ... Brüderlein Medardus ! « - Blickte ich um mich her , so merkte ich wohl , daß das Phantom des Doppeltgängers nur in meiner Phantasie spuke ; aber nicht los konnte ich das entsetzliche Bild werden , ja es war mir endlich , als müsse ich mit ihm sprechen und ihm erzählen , daß ich wieder recht albern gewesen sei und mich habe schrecken lassen von dem tollen Hermogen ; die heilige Rosalia sollte denn nun bald mein - ganz mein sein , denn dafür wäre ich Mönch und habe die Weihe erhalten . Da lachte und stöhnte mein Doppeltgänger , wie er sonst getan , und stotterte : » Aber schn ... schnell ... schnell ! « - » Gedulde dich nur , « sprach ich wieder , » gedulde dich nur