haben , alles , was sich auf Besitz , Vermögen und die irdischen wünschenswerten Einrichtungen bezieht , dergestalt zu ordnen und nach Recht und Billigkeit einzuleiten , daß alle Teile zufrieden sein könnten . Worauf jedoch Eduard am allermeisten zu fußen , wovon er sich den größten Vorteil zu versprechen schien , war dies : Da das Kind bei der Mutter bleiben sollte , so würde der Major den Knaben erziehen , ihn nach seinen Einsichten leiten , seine Fähigkeiten entwickeln können . Nicht umsonst hatte man ihm dann in der Taufe ihren beiderseitigen Namen Otto gegeben . Das alles war bei Eduarden so fertig geworden , daß er keinen Tag länger anstehen mochte , der Ausführung näherzutreten . Sie gelangten auf ihrem Wege nach dem Gute zu einer kleinen Stadt , in der Eduard ein Haus besaß , wo er verweilen und die Rückkunft des Majors abwarten wollte . Doch konnte er sich nicht überwinden , daselbst sogleich abzusteigen , und begleitete den Freund noch durch den Ort . Sie waren beide zu Pferde , und in bedeutendem Gespräch verwickelt ritten sie zusammen weiter . Auf einmal erblickten sie in der Ferne das neue Haus auf der Höhe , dessen rote Ziegeln sie zum erstenmal blinken sahen . Eduarden ergreift eine unwiderstehliche Sehnsucht ; es soll noch diesen Abend alles abgetan sein . In einem ganz nahen Dorfe will er sich verborgen halten ; der Major soll die Sache Charlotten dringend vorstellen , ihre Vorsicht überraschen und durch den unerwarteten Antrag sie zu freier Eröffnung ihrer Gesinnung nötigen . Denn Eduard , der seine Wünsche auf sie übergetragen hatte , glaubte nicht anders , als daß er ihren entschiedenen Wünschen entgegenkomme , und hoffte eine so schnelle Einwilligung von ihr , weil er keinen andern Willen haben konnte . Er sah den glücklichen Ausgang freudig vor Augen , und damit dieser dem Lauernden schnell verkündigt würde , sollten einige Kanonenschläge losgebrannt werden und , wäre es Nacht geworden , einige Raketen steigen . Der Major ritt nach dem Schlosse zu . Er fand Charlotten nicht , sondern erfuhr vielmehr , daß sie gegenwärtig oben auf dem neuen Gebäude wohne , jetzt aber einen Besuch in der Nachbarschaft ablege , von welchem sie heute wahrscheinlich nicht so bald nach Hause komme . Er ging in das Wirtshaus zurück , wohin er sein Pferd gestellt hatte . Eduard indessen , von unüberwindlicher Ungeduld getrieben , schlich aus seinem Hinterhalte durch einsame Pfade , nur Jägern und Fischern bekannt , nach seinem Park und fand sich gegen Abend im Gebüsch in der Nachbarschaft des Sees , dessen Spiegel er zum erstenmal vollkommen und rein erblickte . Ottilie hatte diesen Nachmittag einen Spaziergang an den See gemacht . Sie trug das Kind und las im Gehen nach ihrer Gewohnheit . So gelangte sie zu den Eichen bei der Überfahrt . Der Knabe war eingeschlafen ; sie setzte sich , legte ihn neben sich nieder und fuhr fort zu lesen . Das Buch war eins von denen , die ein zartes Gemüt an sich ziehen und nicht wieder loslassen . Sie vergaß Zeit und Stunde und dachte nicht , daß sie zu Lande noch einen weiten Rückweg nach dem neuen Gebäude habe ; aber sie saß versenkt in ihr Buch , in sich selbst , so liebenswürdig anzusehen , daß die Bäume , die Sträuche ringsumher hätten belebt , mit Augen begabt sein sollen , um sie zu bewundern und sich an ihr zu erfreuen . Und eben fiel ein rötliches Streiflicht der sinkenden Sonne hinter ihr her und vergoldete Wange und Schulter . Eduard , dem es bisher gelungen war , unbemerkt so weit vorzudringen , der seinen Park leer , die Gegend einsam fand , wagte sich immer weiter . Endlich bricht er durch das Gebüsch bei den Eichen , er sieht Ottilien , sie ihn ; er fliegt auf sie zu und liegt zu ihren Füßen . Nach einer langen , stummen Pause , in der sich beide zu fassen suchen , erklärt er ihr mit wenig Worten , warum und wie er hieher gekommen . Er habe den Major an Charlotten abgesendet , ihr gemeinsames Schicksal werde vielleicht in diesem Augenblick entschieden . Nie habe er an ihrer Liebe gezweifelt , sie gewiß auch nie an der seinigen . Er bitte sie um ihre Einwilligung . Sie zauderte , er beschwur sie ; er wollte seine alten Rechte geltend machen und sie in seine Arme schließen , sie deutete auf das Kind hin . Eduard erblickt es und staunt . » Großer Gott ! « ruft er aus , » wenn ich Ursache hätte , an meiner Frau , an meinem Freunde zu zweifeln , so würde diese Gestalt fürchterlich gegen sie zeugen . Ist dies nicht die Bildung des Majors ? Solch ein Gleichen habe ich nie gesehen . « » Nicht doch ! « versetzte Ottilie ; » alle Welt sagt , es gleiche mir . « - » Wär es möglich ? « versetzte Eduard , und in dem Augenblick schlug das Kind die Augen auf , zwei große , schwarze , durchdringende Augen , tief und freundlich . Der Knabe sah die Welt schon so verständig an ; er schien die beiden zu kennen , die vor ihm standen . Eduard warf sich bei dem Kinde nieder , er kniete zweimal vor Ottilien . » Du bists ! « rief er aus , » deine Augen sinds . Ach ! aber laß mich nur in die deinigen schaun . Laß mich einen Schleier werfen über jene unselige Stunde , die diesem Wesen das Dasein gab . Soll ich deine reine Seele mit dem unglücklichen Gedanken erschrecken , daß Mann und Frau entfremdet sich einander ans Herz drücken und einen gesetzlichen Bund durch lebhafte Wünsche entheiligen können ? Oder ja , da wir einmal so weit sind , da mein Verhältnis zu Charlotten getrennt werden muß , da du die Meinige sein wirst , warum soll ich