. Worauf stolziert denn der Edelmann ? Zum Henker , auf Gaben ; wie du und ich als Genies , wie der Millionär durch Erbschaft , wie die geborne Venus , der geborne Herkules . Auf Rechte ist niemand stolz , sondern auf Vorrechte . Letztere , sollt ' ich hoffen , hat der Adel . Solang ' er ausschließend an jedem Hofe aufwarten , tanzen , der Fürstin den Arm und die Suppe geben darf und die Karte nehmen ; - solange die deutsche Reichs-Geschichte von Häberlin noch nie ein Paar bürgerliche Weibs-Füße am Sonntag unter einer Hof-Tafel angetroffen und vorgezogen ( der Reichs-Anzeiger rede , wenn er kann ) ; - solange Armeen und Stifte und Staaten ihre höchsten reichsten Frucht-Zweige nie von gemeinen harten Händen pflücken lassen , die bloß auf die Wurzeln Erde schaffen und von den Wurzeln leben müssen : so lange wäre der Adel toll , wenn er nicht stolz wäre , auf solche Vorrechte , mein ' ich . Bürgerliche werden , wie die Gewächse im alten System von Tournefort , nach Blumen und Fruchten klassifiziert ; Adelige aber viel einfacher , wie von Linné , nach dem Geschlechts- ( Sexual- ) System ; und es gibt dabei keine Irrtümer . Den Adelstand ferner verknüpft die Gleichheit der Vorrechte durch ganz Europa . Er besteht aus einer schönen Familie von Familien ; wie Juden , Katholiken , Freimäurer und Professionisten halten sie zusammen ; die Wurzeln ihrer Stammbäume verfilzen sich durcheinander , und das Geflechte läuft bald hier unter dem Feudal-Acker fort , bald dort heraus am Thron hinan . Wir bürgerlichen Spitzbuben hingegen wollen einander nie kennen ; der Bürgerstand ist ungefähr so ein Stand wie Deutschland ein Land , nämlich in lauter feindselige Unterabteilungen zersprengt . Kein Harnisch in Wien fragt nach Harnischen aus Elterlein , kein Legationsrat in Koburg nach einem in Haßlau oder Weimar . Darum fährt der Adel in ein Fahrzeug mit Segeln eingeschifft , der Bürger in eines mit Rudern . Jener ersteigt die höchsten Posten , so wie das Faultier nur die Gipfel sucht . Aber was haben wir Teufel ? Besitzen wir unbeschreibliche Verdienste : so können diese nicht adeln , sondern sie müssen geadelt werden ; und dann sind wir zu brauchen , sowohl zu einem Ministers- als sonstigen Posten . Doch der Adel erkennt auch selber seine Kostbarkeit und unsere Notwendigkeit gern an ; denn er schenkt selber deswegen - wie etwan die Holländer einen Teil Gewürz verbrennen oder die Engelländer nur siebenjährig ihre Wasserblei-Gruben auftun , damit der Preis nicht falle - in seiner Jugend der Welt fast nur Bürgerliche , und sparsam erst später in der Ehe eines und das andere Edelkind ; er macht lieber zehn Arbeiter als eine Arbeit , weil er den Staat liebt und sich . O schweige noch ! freilich war dies nur Ausschweifung in der Ausschweifung . - Abnahme des Adelsstolzes wollen neuerer Zeit viele noch daraus sehr vermuten , daß ein und der andere Fürst mit einer Bürgerstochter tanzte , wie ich trotz meines gelehrten Standes mit einer Bauerstochter , oder daß ein Fürst zuweilen einen Gelehrten oder Künstler zu sich kommen ließ , wie den Klavier- und den Schneidermeister auch , nicht in seinen Zirkel , sondern zum Privatgespräch . Meine Leute , mes gens sagen sie von den Bedienten , um sie von uns andern Leuten zu unterscheiden . Warum reitest und kletterst du aber so eifrig an einem der höchsten Stammbäume hinan ? - Daß ich meines Orts droben sitze , als Herr van der Harnisch , hat seinen guten Grund : ich fenstere auf dem Gipfel meinen Zirkel aus und erhebe , was drunten ist , euch Bürger-Pack ; kein Mensch kann sich rühmen , den Adel noch so geärgert zu haben als ich ; nur in Städten , wo ich nicht von Geburt war , mußt ' ich mich von ihm ärgern lassen , wenn er unter dem Vorwand , meine Person zu schätzen , mich zur Tafel bat , um meine Flöte zu kosten ; dann blies ich aber nichts , sondern ich dachte : ich pfeif ' euch etwas . Dem weich ' ich jetzt ganz aus . « Walt versetzte : » Ich will deinem halben Ernste ganz offen antworten . Ein Dichter , für den es eigentlich gar keine gesperrten Stände gibt , und welchem sich alle öffnen sollten , darf wohl , denk ' ich , die Höhen suchen , wiewohl nicht , um da zu nisten , sondern den Bienen gleich , welche ebensowohl auf die höchsten Blüten fliegen als auf die niedrigsten Blumen . Die höhern Stände , welche nahe um das sonnige Zenith des Staates leuchten , als hohe Sternbilder , sind selber schon für die Poesie durch eine Poesie aus der schweren tiefen Wirklichkeit entrückt . Welch eine schöne freie Stellung des Lebens ! Wär ' es auch nur Einbildung , daß sie sich für erhoben hielten , und das zwar geistig - denn jeder Mensch , der Reiche , der Glückliche ruht nicht eher , als bis er aus seinem Glück sich ein geistiges Verdienst gemacht - : so würde dieser Wahn Wahrheit werden ; wer sich achtet , den muß man achten . Welch eine hohe Stellung , alle mit einerlei Freiheit , alles zu werden - alle im Triumphwagen derselben Ehre , die sie beschützen müssen - - « » Es ist pechfinster « , sagte Vult , » aber ich bin wahrlich ernsthaft . « » - die einzelnen Namen verewigt und in Wappen-Werken wie Sterne gezählt und fortglänzend , indes im Volke die Namen wie Tautropfen ungeordnet verlöschen - und in der heiligen Nähe des Fürsten , der sie zart behandelt und im Wechsel seiner Repräsentation , es sei als Gesandte oder Generale oder Kanzler - näher dem Staate verwandt , dessen große Segel sie aufziehen , wenn das Volk nur rudert - wie auf einer Alpe nur von hohen Gegenständen umrungen - hinter sich