seinen Rossen zu thun ... Die Freundinnen konnten annehmen , daß sie allein waren ... Seit ich hier bin , träum ' ich schon lange nicht mehr , erwiderte Paula ... Ich sehe irdisch wie alle ... Die Luft dieser Berge ist gesund ... Du und die Aeltern , alle müßt ihr nun bei uns bleiben ... Mein Gatte - sagt ' er es nicht schon ? - sehnt sich freilich in die Welt zurück ... Der Kriegslärm lockt ihn schon lange , um wieder in die Armee zu treten ... Aber - ihr bleibt ... Die Beziehung zu dem Lande hier war im Kriegssturm gewiß die bitterste und schwerste ? unterbrach Armgart ... Die Mutter glich alles aus - erwiderte Paula ... Sie war - so hochverehrt ... War ! ... O , daß ihr zu solcher Trauer kommt ! ... Und auch wir bringen Leid ... Der arme Hedemann ! ... Paula war voll herzlichsten Antheils ... Die Freundinnen sprachen wehmuthbewegt von Westerhof , Witoborn , vom Stift Heiligenkreuz ... Neuigkeiten gab es genug ... Vom Erzbischof von Coni war noch nicht die Rede - nur von Coni selbst , wo Paula wohnte ... Coni ist zwölf Miglien von hier ... sagte sie und bediente sich der italienischen Bezeichnung für eine Entfernung , die Armgart auf drei deutsche Meilen zu deuten wußte ... So weit lag etwa von Heiligenkreuz Schloß Neuhof entfernt ... Jedes Wort , das die Freundinnen wechselten , weckte heilige Erinnerungen ... Paula deutete auf einen zur Linken sich erhebenden grünen Hügel , auf den sich terrassenförmig ein Stationsweg hinaufschlängelte und oben eine kleine Kirche malerisch vom blauen Hintergrunde abhob ... Die Kapelle der » besten Maria ! « erklärte Paula der den landschaftlichen Reizen schon als Künstlerin lauschen den Freundin ... Diese konnte in einem Augenblick , wo sie schon soviel trübe mit dem Religionszwiespalt zusammenhängende Verhältnisse theurer Angehöriger besprochen hatten , in dieser Hindeutung auf die » beste Maria « nur einen Anlaß finden , an das unsichtbare und ohne Bild verehrte Princip der schmerzverklärten weiblichen Liebe überhaupt zu denken ... Sie faltete die Hände und sagte : Das also der Altar , wo die Cocons gesegnet wurden , die dein Brautkleid werden sollten ! ... Paula erröthete ... Armgart hielt eine Lobrede auf den Grafen , rühmte den Eindruck , den er mache , seine Natürlichkeit , seine Trauer um die Mutter ... Er ist gut ! bezeugte Paula ... Das der beste Schmuck eines Mannes ! entgegnete Armgart mit Andeutung ihrer eigenen trüben Lebenserfahrung ... ... Nun schwiegen die Freundinnen ... Was sie fühlten , verstanden sie ja ... Ihr Briefwechsel hatte nichts von ihren tiefern Lebenslagen verschleiert , wenn sie auch nicht in Allem gleicher Meinung waren ... Die Zahl der Wegwanderer , der Fahrenden , Reiter mehrte sich inzwischen ... Obgleich die Embleme des katholischen Cultus nicht fehlten , bemerkte doch Armgart Landleute , die einen eigenen Ausdruck der Mienen hatten und der ihr aus Lausanne und Genf bekannt war ... Sie forschte für sich nach Waldensern - nach der ganzen Sehnsucht Hedemann ' s und ihrer Aeltern ... Ein Städtchen kam mit einer mächtigen , dem Ort kaum angemessenen Kathedrale ... Eine hochgewölbte Kuppel ragte weit über das ganze Städtchen hinweg ... Das ist Robillante ! sagte Paula ... Armgart ' s Augen fanden schon von selbst vor dem Thor der Stadt das bischöfliche Kapitel ... Ein mächtiges Gebäude im Jesuitenstyl , die Kirche daneben mit Kuppel und schnörkelhafter Façade ... Die Kirche hatte ein Glockenspiel und intonirte soeben mit kurzem Ansatz den Schlag der zehnten Stunde , dem dann ein Musikstück , wie eine Galopade , folgte ... Das war nun in Italien nicht anders ... Bonaventura hatte hier als Bischof , erzählte Paula , die Melodie geändert ... ... Sein Nachfolger hatte wieder die Tänze zurückgeführt ... Mit dieser kurzen Erwähnung waren denn auch jene Kämpfe angedeutet , die der fremde Eindringling auf diesem Boden zu bestehen hatte ... Im letzten Revolutionssturm hatten sie nachgelassen ... Jetzt , nach Piemonts Demüthigung , begannen sie wieder ... Auch gegen die neue , in Turin im Bau begriffene Waldenserkirche hatte der neue Bischof von Robillante energischen Protest erlassen ... Armgart ' s Phantasie hatte inzwischen Spielraum , sich auszumalen , wie dort Bonaventura in dem von ehrerbietig grüßenden Priestern umstandenen , nicht endenden Palaste wohnte und wie auch einst Benno und Thiebold hinter jenen stattlichen Fenstern mit den Balconen und grünen Jalousieen dort von ihm aufgenommen wurden - ... Die Stadt selbst wurde umfahren ... Wieder glänzte im Sonnenschein Berg und Flur ... Nur die vielen , um der Seidenwürmer willen entlaubten Maulbeerbäume störten den malerischen Eindruck ... Wieder folgten die Grüße von Landleuten , die auf Armgart einen schweizerischen Eindruck machten ... Waldenser ! bestätigte auch Paula ... Wohlhabende Leute darunter ... Dank der Fürsorge der Mutter ... Unsere Gemeinde hier ist nur klein - ... Die Mehrzahl wohnt dort oben ... In den Thälern um Pignerol sind ihrer Tausende ... Schon suchte Armgart ' s Auge nach Castellungo ... Viele Schlösser gab es , die auf den grünen Hügeln , den Vorbergen hinterwärts aufstarrender schrofferer Felswände , leuchteten ... Paula deutete auf einen schimmernden Punkt in weiter Ferne - eine unter einem tiefdunkeln Waldkranz hervorragende Flagge ... So krank die Mutter ist , sagte sie , hat sie zu eurem Empfang das Aufziehen aller Fahnen befohlen ... Auch eure Farben und die der Hardenbergs werdet ihr finden ... Bei hohen Festen sind alle Zinnen damit geschmückt ... Bald wird die schwarze Trauerfahne wehen ... Das Gespräch kam auf die Waldenser zurück und Paula sprach von ihnen , ohne das mindeste Zeichen der Abneigung ... Alle diese Verhältnisse umschlang hier schon lange das gemeinsame Band der Schonung und Familienrücksicht ... Eine Frage wie die : Wird wol Graf Hugo nach dem Tode seiner Mutter katholisch werden ? kam nicht von Armgart ' s Lippen ; edle Bildung scheut nichts mehr , als das Aussprechen des Namenlosen ;