einsamen Thurm . Durch eine Stickerei verrieth sich aber Philomele ihrer Schwester Prokne , die sie zu retten wußte . Prokne voll Wuth über ihren Gemahl tödtete ihm den eignen Sohn , ließ ihm diesen als Speise für seine Tafel zurück und entfloh mit ihrer Schwester . Beide wären von der Rache des Tereus unfehlbar ereilt worden , wäre Philomele von den Göttern nicht in eine Nachtigall verwandelt worden . Prokne aber wurde die Schwalbe . Ihr ängstliches Flattern rundum im Kreise deutet auf die Reue über ihren begangnen Frevel ; sie sucht das Kind wieder , das sie so grausam gemordet hatte . War bei dieser mit Interesse vernommenen Erzählung das Auge Aller , die die Verhältnisse kannten , auf Anna von Harder gerichtet , deren Beziehung zu einer Schwester und zu einem verlornen Kinde zur Chronik der Welt gehörte , so machte es nach dieser trüben Anwendung fast einen komischen Eindruck , als in dieser Fabel gewissermaßen auch eine Anspielung auf den Intendanten der Bühne , den entarteten Sohn des Redners selbst , zum Vorschein kam ; denn der König selbst war es , der da sagte : Und jener Tereus , Schwager der Prokne , wurde ja wol in einen Wiedehopf verwandelt ? Man forschte , ob man lächeln durfte . Diese Menschen hatten Alles in Bereitschaft , Lächeln , Weinen , Ernst , je nachdem es auf dem Zifferblatt der Uhr , nach der sich hier Jeder richtete , aussah ... Aber Kurt Henning Detlev von Harder als Wiedehopf ? Alle lächelten diesmal von selbst . Otto von Dystra erlaubte sich nun die Bemerkung , daß doch ein letzter Rest der Ehrfurcht vor den Thieren die Heraldik wäre , und hatte mit dieser Anmerkung seinem Freunde , dem General Voland , eben so viel Ehre gemacht , wie dem Fürsten Vergnügen , der dies Thema als Kenner verfolgte . Alle Ritter- und Wappenbücher wurden gleichsam in dem Gange über die Kiefernadeln nun auch aufgeschlagen , während Pfauengeschrei den Damen nach Pergolese wehe that . Man schritt des Greises wegen so langsam , daß bis zur künstlichen Ruine und zu den Windharfen dieser noch mit einer gewissen Feierlichkeit sagen konnte : Vergebung , Majestät ! In die Wappen hat man die Thiere in ihrer ganzen Wildheit aufgenommen . Aber ist es nicht schön , wagte eine Damenstimme - es war wieder die der Flottwitz , die allgemein heute bewundert wurde - ist es nicht schön , die Thiere so zu nehmen , wie sie die Natur geschaffen hat , das Pferd so stolz wie in Arabien , den Adler so königlich , wie er auf den Felsen horstet ? Die ganze Gesellschaft murmelte Beifall . Alles war entzückt . Die Wappenthiere aller Anwesenden rührten sich . Jeder verrieth , daß er seinen Habichten , seinen Falken , seinen Auerhähnen auf den Wagenschlägen draußen Ehre zu machen hätte . Der Präsident blieb stehen und sah sich im Kreise um . Die Königin erschrak vor dem Blicke , der aus den zusammengefallenen Runzeln schoß ; sie fürchtete eine Polemik , die ihr in neuester Zeit reizbarer gewordene Gemahl liebte , ja herausforderte . Sie hatte eigentlich schon an dem Ausdruck des Präsidenten » Christuslehre « genug gehabt und fürchtete Konflikte . Nun , Excellenz , reden Sie ! sagte der König . Sie lasen die Sibyllinischen Bücher ! Wir sollten öfter auf die Sprache der Erfahrung hören . Majestät , erwiderte der Greis sich ehrerbietig verneigend , ich wünschte nur das Eine nicht , daß unser Jahrhundert in seinem frischen und kräftigen Selbstgefühl zu wild , zu zornig sich zuweilen gebehrdete . Ich kümmere mich wenig um die Händel des Tages , aber was davon in meine Klause dringt , flößt mir zuweilen den Schrecken ein , daß wir wol glauben möchten , auch alle unsre Zähne wären für die Verzehrung der Thiere bestimmt . Etwas mehr Pflanzenkost , etwas mehr indische Brahminenlehre würde dieser Zeit nicht schaden . Man lachte ... Aber der Greis , den , da der König bewegt schien , Otto von Dystra führte , ließ sich nicht irre machen . Halbscherzend und des Fußes auf diesem neuen Zeitboden nicht ganz gewiß sagte er : Ja ! Ja ! Lachen Sie nur ! Ich gehöre noch zu den alten Heiden , Majestät , zu den Heiden , die bei Ew . Majestät Vorfahren das Recht hatten , sich für Weise zu halten . Jetzt freilich wird uns bewiesen , daß wir damals ganz dumme , oberflächliche Narren waren . N ' importe ! Es ist möglich . Aber ungläubig waren wir eigentlich doch nicht ! Wir glaubten mehr , als jetzt die Leute glauben , nur Anderes . Ich hatte eine Jugend , wo ich nur an die Götter glaubte , die im Bardenhaine Thuiskon ' s verehrt wurden . Klopstock war mein edler großer Sänger . Dann schlug ich , besonnen geworden , um . Ich fand , daß mein Odin und die holde Freya meine Beförderung auf dem Kammergerichte nicht recht in Gang bringen wollten . Da ging ich zu den Griechen über und habe mit meinem Homer in der Hand zum Vater Zeus gebetet , wenn blauer ionischer Himmel auf der Erde lag , und zu Poseidon , wenn es regnete , und zu Ceres und Bachus , wenn die Arbeit gethan war und der grüne Römer winkte ... Dann wurde die Welt wieder was Anderes , nämlich indisch . Ein wenig macht ' ich diese Religion auch noch mit , aber die Indier in Asien und München führten mich zu tief in die Katakomben des Mysticismus . Da blieb ich draußen und kam glücklicherweise weder in Herrenhut noch in der Siebenhügelstadt wieder ans Tageslicht . Man lachte wieder , zum Schrecken der Gräfin Altenwyl . Die Akademie schien nicht zu wissen , daß nur der erste Theil dieser humoristischen Rede bei Hofe komisch sein durfte , die Schlußbemerkung aber bedenklich . Es fehlte wirklich jetzt eine Trompetta , um hier die