und Armellini ... Graf Sarzana befehligte einen Theil des Heeres ... Oft wurde Cäsar Montalto genannt - einmal als Befehlshaber einer Truppenabtheilung , die in den Umgebungen Porto d ' Ascolis eine Gegenrevolution unterdrückte ; die Räuberelemente wurden noch immer benutzt , um den gestürzten Machthabern als Anhalt zu dienen und an andern Orten wurde , eine Veranstaltung derselben Intrigue , der Fanatismus bis zur Schreckensherrschaft gesteigert - Opfer über Opfer fielen dann unter den Dolchen dieser wahnsinnig Gemachten oder Erkauften ... Alles das waren bekannte Stratageme aus dem geheimen , allerdings ungeschriebenen , aber praktisch vorhandenen Codex der Monita secreta Loyola ' s ... In diese Schrecken der aufgeregten Leidenschaft donnerten nun die Kanonen der Belagerung Roms ... Die Höhe , bis zu der die Bewegung durch Rom gekommen , sollte selbst in den Augen der französischen Republik aufhören , die sich schon für den Uebergang zum Kaiserreich rüstete ... Wir kommen als Freunde ! riefen die Abgeordneten der Franzosen - aber Rom antwortete durch eine Rüstung zum Kampf auf Leben und Tod ... Avezzana , Garibaldi , Sarzana befehligten ... Der Kampf entbrannte an der Porta San-Pancrazio zu einer Schlacht ... Die Römer siegten ... Die Franzosen , ohne Enthusiasmus für ihre Aufgabe , zogen sich zurück ... Vom Norden kamen die Heersäulen Oesterreichs , vom Süden die des Königs von Neapel ... Spanier landeten und die Franzosen erhielten Verstärkung ... Vergebens rief das römische Triumvirat : » Ein fester Zug waltet im Herzen des römischen Volkes : der Haß gegen die Priesterherrschaft , unter welcher Form sie auch auftrete , der Widerwille gegen die weltliche Herrschaft der Päpste ! « 3 ... Der Kampf entbrannte aufs neue ... Die Franzosen nahmen die Villa Pamfili und die Villa Corsini ... Garibaldi stürzte sich mit seiner italienischen Legion auf die letztere und ließ sie wieder im Sturm angreifen ... Drei Stunden der äußersten Anstrengung und es gelang , die Franzosen von den Wällen zu vertreiben , zwölfhundert Todte bedeckten das Feld ; wieder war der Sieg den Belagerten geblieben ... Aber die Uebermacht war zu groß ; nicht endender Kanonendonner verwirrte die Gemüther ; glühende Bomben flogen bei Tag und bei Nacht , die Luft war ein Feuermeer ; unter Schrecken , die dem entsetzten Volk dem Weltuntergang gleichzukommen schienen , ließen sich über Rauch und Trümmern die ersten Franzosen in der Stadt sehen ... Am 2. Juli empfing Oudinot die Capitulation ... Noch vor diesem Tage , während sich das blutige Schauspiel des untergehenden republikanischen Roms vollzog , hatte sich die Aufregung der Gemüther nicht länger in Nizza beruhigen können ... Der Aufenthalt daselbst war ohnehin im Sommer zu widerrathen . Trockene scharfe Winde wehen von den Alpen her , die Luft ist heiß , spärlich die Erquickung des Schattens , der kreidige Boden setzt einen dem Athem beschwerlichen beizenden Staub ab - die kleine Colonie suchte sich durch Ausflüge in die Berge zu helfen , suchte die kühleren , von einer üppigen Vegetation geschmückten Schluchten der Cimiés auf - aber das Steigen ermüdete Hedemann ... Blieb er auch meist daheim und athmete die Blumendüfte zahlloser Gärten , wo allabendlich Tausende von Orangeblüten frisch gebrochen in die Fabriken künstlicher Duftgewässer getragen werden - alles das , was man von Schönheit und Wohlbehagen als Grund zum Bleiben sich einredete , half zuletzt nichts , um die große Vereinsamung der Gemüther zu verbergen ... Nun schrieben Paula und ihr Gatte von Gräfin Erdmuthens zunehmender Schwäche , von einer bedenklichen Erkrankung , bevorstehender Auflösung , vom dringendsten Verlangen der Gräfin , sie alle noch einmal zu sehen - nun beschloß man , die bisher aufrechterhaltenen Ueberzeugungen über die Schwierigkeit dieser Begegnungen , alle Gründe dieses gegenseitigen langen Vermeidens zu durchbrechen und die Reise anzutreten ... Paula war von ihrem magnetischen Leben befreit ... Was die Nähe des Erzbischofs nicht mehr hervorrief , konnte doch wol nicht mehr der Oberst wecken ... Zu den Beweggründen der Reise gesellte sich ein nicht zu unterdrückendes Interesse für Benno von Asselyn ... Bellona ' s Sichel war in mächtiger Arbeit ... Graf Sarzana befand sich bereits , hieß es , unter den Gefallenen ... Benno ' s Schicksal wurde selbst in Paula ' s Briefen für eine gemeinsame Sorge erklärt ... Armgart irrte oft einsam wie die Möve am Meeresstrand ... Entsagt ein Frauenherz , so bildet sich mit den Jahren ein Cultus des Gemüths , der unbewußt die Rechte auf sein Verlorenes übertreibt , ja sich das , was nie besessen und genossen , wie ein wirkliches , ein volles Glück ausmalt ... Und so erklomm denn jetzt die kleine , aus so eigenthümlichen Elementen bestehende Colonie den Col de Tende ... Sie alle trugen über die Felsen hinweg eine Welt voll Trauer ... Ihr Innerstes war schwerbeladen und doch schienen sie am Nächsten interessirt ... An Steinen , an Blumen , am Plaudern des Kindes ... Weiß man denn , was von den Fähigkeiten unserer Natur mehr zu hassen ist , die schnelle Gewöhnung an Glück oder die schnelle Gewöhnung an Unglück ! ... Nun ist die Höhe erreicht ... Aber der niederwärtsgehende Weg blieb noch unabsehbar bis zu den grünen prangenden Thälern , die erwartet werden durften ... Kahle und öde Gesteine ringsum ... Einsame Sennerhütten wechseln mit Holzschuppen , Zufluchtstätten des Wanderers im Wintersturm ... Mächtige Steine müssen an ihnen die Schindelbedachung gegen die Stürme festhalten ... Zwischen Felsen und Wasserstürzen , oft wunderbaren Lichtungen , wo überrascht der Blick bis in die Cottischen Alpen hinüberschweift , zwischen Resten alter Römerbauten und zerbrochenen Schlössern der rauhesten Zeit des Mittelalters hindurch , war dann endlich gegen Mitternacht das Städtchen Limone erreicht ... Hier überraschte die Reisenden Graf Hugo , der die Aufmerksamkeit gehabt hatte , ihnen entgegenzukommen ... Er kam ohne Paula ... Der alte freundliche , herzliche Ton der Bewillkommnung half sogleich über die lange Reihe von Jahren hinweg , wo man sich nicht gesehen hatte ... Armgart und der Graf sahen sich sogar zum ersten mal - Sie staunten einander