bald zum Lande , bald zum Schiffe flog , um Nahrung zu holen , bis sie todt niedersank im Meere , weil die Entfernungen zu weit wurden , ja was er auch von der kunstvollsten Methode des Nestbauens durch Schwalben erzählte , die Maurerschwalbe war Das nicht , was man wollte . Die Maurerschwalbe , ach , die stand ja gleichsam im Schurzfell , mit Kalk bespritzt und der Kelle in der Hand vor diesen Damen , deren Phantasie nur das absolut Schöne und das englische Lovely wollte , die Natur gleichsam in Goldschnitt gebunden wie eine Gedichtsammlung über die Sonntagsfeier oder über die Märchenwelt oder was sich der Wald erzählt ! ... Nur der Monarch gehörte nicht zu den » Des-illusionirten . « Er wußte , daß die greise Excellenz Chef aller Landeslogen war und in der Maçonnerie hoch verehrt . Ihn brachte grade doch die Maurerschwalbe auf ein stilles Nachsinnen ... die Maçonnerie ... und schon schwebte ihm , schon im Voraus gestachelt vom wundersüchtigen Voland , die Bemerkung auf den Lippen , daß die Welt auf die Entscheidung des großen Johanniterprozesses sehr gespannt wäre ... als die junge Gemahlin den Wunsch ... wieder nach Musik , jetzt nach Pergolese , äußerte , man sich wieder setzte und Pergolese sang . Man sang Pergolese . Die weichen Töne des Stabat mater nach des alten Hiller Instrumentirung zum Klavier wurden in sanftester Modulation , schwellend und absteigend , in den Tuttis und den Solis vollkommen sicher vorgetragen . Es war eine der fertigen Kompositionen , die Anna von ihrer Akademie zu jeder Zeit und auch Jedem darbieten konnte . Diese Töne waren gewiß schmelzend . Gewiß , Baron Dystra , hätte ihm eine Stimme sagen sollen , wen der Schmerz Mariens , die am Kreuz des Sohnes stand , in diesen Tönen nicht rührte , verdient den Antheil nicht am gesitteten Menschenbund . Der Baron glossirte auch wirklich nicht die Thränen der Frauen . Ergriff ihn doch selbst das Verhallen des auch dichterisch so wohlgefügten Liedes , dies sanfte , stille Ausathmen der Komposition , nach dem man nur abbrechen , gehen , knieen , predigen , beten , nichts Gemeines mehr beginnen kann . Die Damen wären auch zerknirscht so am liebsten nun gegangen , so mit feuchten Augen am liebsten von der bewegten und ruhig gewordenen Anna geschieden , aber den Monarchen fesselte es an den greisen Obertribunalspräsidenten . Es that ihm so wohl , sich durch ihn im Zusammenhange mit der Geschichte seines Hauses zu wissen . Er begann , um nur noch zu bleiben , jetzt von den Windharfen und bedauerte den für den Greis zu entlegenen Weg . Doch dieser machte dem Worte der Flottwitz Ehre . Er stand und ging wie der Rüstigsten Einer und als der Fürst sogar selbst seinen Arm ergriff , ihn selber führte , gab er seine bereitwilligste Absicht zu erkennen , seinem Herrn und Könige auch mit Freuden jene Zähmung der Luftgeister zu zeigen . Nun war Alles wieder erfrischt , wieder erquickt nach dem schmerzlichen Drucke Pergolese ' s. Der König will noch bleiben ! Alles athmete beseligt . Draußen vollpulsirende Bewegung . Hunderte von Menschen , die an den Spalieren standen und leidlich ehrerbietig gafften . Die ganze Akademie folgte , weil es gewünscht wurde . Die Diener machten Spalier . Es ging in den Tannenpark . Auch Dystra folgte mit den Kammerherren , die er obenhin kannte . Anna blickte zu Olga hinauf , die hinter ihren Blumen stand , sich getrost das Alles entgehen ließ und sich vor einem Schauspiel , das ihr wenig Interesse einflößte , still verbarg . Als im Gehen der Großpapa eine Erzählung begann , die sie ohne Erschütterung nie hören konnte , die Geschichte der beiden Schwestern Philomele und Prokne , erschrak sie recht ... Der Greis kam sehr einfach auf diese Geschichte . Der König hatte ihn nach den allgemeinen religiösen Resultaten seiner Lieblingsneigung gefragt . Dagobert von Harder antwortete darauf : Manchmal , Majestät , wünscht ' ich , die Christuslehre hätte die Menschen nicht zu sehr auf das Reich der unsichtbaren Geistigkeit verwiesen . Es ist nicht gut , wenn wir uns zu sehr aus den Banden der gegebenen Sinnengrenze entfernen . In den heidnischen Vorstellungen über Religion hat mir immer gefallen , daß ihnen eine allbelebende Phantasie in der Natur bestimmte Ruhepunkte anwies , die unmittelbar anzubeten freilich eine blinde Abgötterei war , während leider auch wir in unserm Glauben vom Hylozoismus nicht ganz frei sind . Die Alten haben sich selbst gehoben , als sie die Thierwelt zu Mittelstufen der Götterlehre machten . Jedem Gotte war irgend ein gefiederter Bewohner der Lüfte oder das schnaubende edle Roß oder die wilden , von des Gottes Bedeutung gebändigten Einsiedler der Wüste beigegeben . Der Lehre von den Verwandlungen liegt ein Prinzip zum Grunde , das im Thiere eine Offenbarung anerkannte . Und wie artig sind die Sagen der persönlichen Auffassung des Welt-und Erdenlebens ! Schiller singt : Wo jetzt nur , wie unsre Weisen sagen , seelenlos ein Feuerball sich dreht , lenkte damals seinen goldnen Wagen Helios in stiller Majestät . Gibt es eine schönere Sage als die von Philomele und Prokne ? Der Monarch , der mit dem General Voland die Belesenheit gemein hatte , kannte sie , doch nicht vollständig genug , um sie den Damen mitzutheilen . Philomele und Prokne , erzählte der Greis , waren Schwestern , Beide Töchter eines Königs von Athen . Prokne an einen benachbarten kleinen Fürsten vermählt , Namens Tereus . Tereus wurde seiner Gattin überdrüssig . Es verlangte ihn auch nach Philomelen . Er beredete bei einem Besuch in Athen den Schwiegervater , ihm die Schwägerin auf die Reise mitzugeben , da Prokne , seine Gattin , sich zu sehr nach ihrer Schwester sehne . Man gab ihm Philomelen mit und setzte sie seinen bösen Gelüsten aus . Da Philomele tugendhaft widerstand , ließ der rachsüchtige Mann ihr die Zunge ausschneiden und warf sie in einen