Napoleone blieb bei seinen Gipsfiguren , bei seiner Giuseppina , seinen Kindern und Ersparnissen in Deutschland und ohnehin war er mit seiner Tochter Porzia Hedemann gespannt . Sie hatte sich nicht bereit finden lassen , in Witoborn ein Depot für seine Heiligen zu übernehmen ... ... Da aber bangte dem nächtlichen Schwärmer vom Marktplatz zu Sinigaglia - ... Die blaue Theaterflamme war ihm wider Willen zu einem Fegefeuer schon hienieden für Gut und Böse geworden ... Größer und größer wurde der Druck der Mahnungen von Fürsten und Staatsmännern auf den Träger der dreifachen Krone ... Immer weiter griff der Zwiespalt im geheimen Consistorium ... Fefelotti , das Al-Gesù , dessen Bewohner sich beim ersten Anbruch der großen Veränderungen geflüchtet hatten ( die jesuitischen Rundhüte sind seitdem ganz in Italien abgeschafft und eckige geworden wie die Hüte aller andern Priester ) , alle Vertreter des geistigen und weltlichen Despotismus suchten den dreifach gekrönten Schwärmer zur Besinnung zu bringen ... In der That stutzte er ... Seine Wonne war zu sehr nur die äußere Acclamation gewesen ... Diese blieb schon zuweilen aus ; der tausendstimmige Mund des Volks schwieg zuweilen bei seinen Segnungen und solche Kränkungen wurzeln im Gemüth eines Mannes , der , wie alle Italiener , den Beifall liebt ... Schon schmollte er zuweilen ... Er fand Freunde und Freundinnen , die sein Schmollen für gerecht nahmen ... Noch nannte er seine Erfahrungen die gewöhnlichen Belohnungen des Undanks ... Mit der Zeit vergrößerte sich die Zahl derjenigen , die mit ihm nicht gern in der Minorität standen ... Endlich sollte gar sein kleines Heer zu den Kämpfern stoßen , die Oesterreich gegenüber mit den Waffen behaupten wollten , was bisher nur in Liedern gesungen , in Declamationen gesprochen worden ... Da fing die Hand , die die Fahnen zum Unabhängigkeitskriege segnen sollte , zu zittern an ... Die Zeit der Dictatoren , der Consuln und Tribunen Roms mit dem ganzen Gefolge der Demüthigungen des geistlichen Primats schien im Anzuge ... Nun rief der Heilige Vater vom Balcon des Quirinal herab : » Gewisse Rufe , die nicht vom Volke , sondern von wenigen herrühren , kann ich , darf ich , will ich nicht hören ! « ... Es sanken die Fahnen der Erhebung Italiens gegen Oesterreich ... Die von Sardinien erhobenen Banner mit dem weißen Malteserkreuz zersplitterten ... Das » Schwert Italiens « brach in Stücke ... Das hatt ' ich nimmermehr gewollt ! erklärte der Zauberer aller dieser Stürme ; Prospero , der Beherrscher der Winde , ging zum Sieger über ... Er dachte noch nicht wieder an Fefelotti , den er haßte ; noch bot eine starke Hand , die den Nachen Petri retten sollte , Pellegrino Rossi ... Als dieser vom Dolch eines Mörders durchbohrt , der Vatican von einer Revolution belagert wurde , Kugeln in die Gemächer des Stellvertreters Christi flogen - da verkleidete sich der Ueberwundene in den Diener eines deutschen Grafen , täuschte seine Wächter und überließ die ewige Stadt ihrem Verhängniß , den Siegern , den Bertinazzis , Venturas , Sarzanas , allen denen , die auf Crucifix , Todtenkopf und Rosenkranz geschworen hatten für eine Sache , der sie jetzt auf dem Capitol als Rächer saßen - Sarzana , das wußte jetzt alle Welt , hatte an Ceccone die geheiligte Rache eines Italieners geübt ... Rom war eine Republik geworden und stand unter dem Bann der kirchlichen Excommunication ... Die Stadt selbst kümmerte die Ungnade des Himmels wenig ; - in einem mit Priestern und Mönchen überfüllten Lande fanden sich Hände genug , die die nothwendigsten Sacramente ertheilten ... Das » Schwert Italiens « rüstete sich am Fuß der Alpen zu einem zweiten Gange ... Viele Flüchtlinge der Staaten , wo die frühere Ordnung schon wiederhergestellt war , strömten nach Rom ... Cäsar von Montalto - Italiener geworden - nach manchem bittern Seelenkampfe - nun schon mit ergrauendem Haar , fehlte nicht unter denen , deren Namen bei Wahlversammlungen und Ehrenämtern auftauchten ... Alles das verlautete nach und nach bis zum Genfersee - dann aber nach Nizza hin , wohin man von Schloß Bex in der That übersiedelte ... Monika hätte sich anfangs selbst in diese Bewegung stürzen mögen ... So vieles sah sie , was , bei aller Uebereinstimmung , doch noch , nach ihrer Meinung , anders , besonnener , vorsichtiger hätte unternommen sein können ... Jener Trieb , der 1793 eine Manon Roland in den Rath der Männer und aufs Schaffot führte , regt sich in großen Krisen bei jeder Frau von Geist - und keine große Begebenheit der Geschichte ist ohne die Mitwirkung der Frauen geblieben ... Aber die Besorgniß um den Gatten , die Rücksicht auf den dahinsiechenden Hedemann , die Gewöhnung an die biblischen Auffassungen der Ergebung in den Rathschluß Gottes hinderten die Ausführung der sich anfangs wirr durchkreuzenden Entschlüsse , die zuletzt nur am Ziel einer Entäußerung des Schlosses Bex anlangten ... Als die Franzosen der Republik gegen die Republik Rom zogen , sah die Familie von Nizzas Molo aus die leuchtenden Segel ihrer Flotte ... Nizzas mildes Klima war für den Winter dem leidenden Freunde von einigem Nutzen gewesen ... Der Oberst und Monika verschlangen die Zeitungen des Café Royal ... Armgart hatte sich dem Zeichnen und Malen ergeben und hörte aus der Welt nur das Allernothwendigste ... Sie wohnten in einem Gartenhause , nicht weit vom Ufer des Meeres ... Tag und Nacht vernahmen sie den gleichmäßigen Schlag der Wogen an das Gemäuer der Meerterrasse ... Einen Winter gab es hier nicht ... Selbst im Januar konnte Armgart im Freien , unter dem immergrünen Laub von Lebenseichen ihre kleinen Landschaftsskizzen ausführen , während Erdmuthe , Porzia ' s Kind , um sie her auf den mit zerbröckeltem Marmorkalk bestreuten Wegen zwischen den buchsbaumumfriedigten Beeten des kleinen Ziergartens sich tummelte ... Armgart hörte , daß in Rom drei Männer das Heft in Händen hielten , Terschka ' s früherer Beschützer , nach dem Untergang der Bandiera entschiedenster Gegner Mazzini , mit ihm Saffi