, erhob sich auch der Erzbischof selbst und sagte bewegt : » Ich vermag nicht auf die Sache , der Sie dienen , den Segen des Himmels herabzurufen , aber ich segne Sie persönlich und werde für Ihr Haus und das Wohl Ihrer Familie beten . « So wechselte das Gespräch an der Tafelrunde zu Dreilinden . Inzwischen aber ging das Trinkhorn um , und auf der Rückseite der Tischkarte , der eignen und der nachbarlichen , entstanden Bildnisse von Künstlerhand , halb Genre halb Porträt , bis der Kaffee gereicht ward und mit ihm zugleich die Zigarre samt dem geschnitzten » Weichselholzpfeifchen « , einer Spezialität von Dreilinden . Und nun war auch die Zeit für » Frau Musika « gekommen . Einer der Gäste nahm seinen Platz am Instrument und intonierte leis ( als ob er anfrüge ) Fescas Frühlingslied : » Es glänzt im Abendsonnengolde , Der stille Waldesteich . « Er kannte es seit lange als ein Lieblingsstück des Prinzen und ein Kopfnicken gab ihm Gewißheit , daß er ' s getroffen . Aber schon folgten andre : » Das Ständchen « von Haydn , » Vineta « von Bollert , Rubinsteins » Asra « , » Vorrei morire « von Tosti , bis die soldatische Stimmung durchschlug und die » Königsgrenadiere « gefordert wurden , in die der Prinz alsbald mit einstimmte , was dann das Zeichen gab , seinem Beispiele zu folgen . Ein Höhengrad war erreicht . Aber die volle Festeshöhe wartete noch auf das » Gründungslied von Dreilinden « . Und nun schlug auch seine Stunde , das zusammengerollte Notenblatt erhob sich als Taktierstock immer energischer und höher und im Chorgesange scholl es durch den Saal : Auf zottigen Auerwildsdecken , Im Hochwald auf märkischem Sand , Einst lagen zwei schwartige Recken , Die zechten gar froh miteinand . Es rastete ihnen zur Seite Die kunstvoll geschaffene Wehr , Die steinerne Streitaxt , die breite , Der lederumflochtene Speer . Und ein Urhorn nach alt-deutscher Weise Der jüngre als Trinkhorn schwang , Den Zahn eines Mammuts der greise Mit sehnigen Fäusten umschlang . Eine stattliche Strophenreihe folgte , darin neben den » zwo schwartigen Recken « auch Odin und Thor ihre Rolle spielten , und während sich unter immer erneutem Humpengekreise ( jetzt glücklicherweise nur noch im Liede ) die Gründung von Dreilinden vollzog , erschien auch schon der Heiduck , um dem Prinzen die Meldung zuzuflüstern : » Die Wagen « . Aufbruch und Abschied folgten und ehe noch die Festeslichter in Dreilinden erloschen waren , blitzten auch schon wieder die Signal- und Bahnlichter auf , die die streng und eisern gezogene Linie der Realität uns zeigend , uns zugleich zurückbegleiteten aus dem Märchen in die Wirklichkeit . 6. Kapitel 6. Kapitel Dreilinden im Schnee Um die Weihnachtszeit übersiedelte der Prinz nach Berlin und bezog seine Wohnung im königlichen Schloß ; im » Jagdhause « draußen aber fielen inzwischen die Flocken auf Dach und Balkon , überdeckten heute den Vorplatz und morgen den Runenstein , und ehe noch vom nächsten Nachbardorfe die Glocke zur Christmette herüberklang , lag Dreilinden im Schnee . Und in Schnee lagen dann auch die Dreilinden und seinen Vorplatz umstehenden Tannen und mühten sich umsonst einen Einblick in die sonst so lichten Räume zu tun und auszuforschen , ob das Christkind , das sie still durch den Wald ziehen sahen , eine Krippe drinnen und einen Stern darüber gefunden habe . Doch wie weit sie die Wipfel auch neigen und bis über den Balkon hin vorbeugen mochten , sie sahen nichts als Nacht und Dunkel drinnen und hörten nichts als das Kind beider : die Stille . Wohl , kein Leben drin und kein Licht ! Und doch zog das Christkind ein an dieser Stelle , nicht in das prinzliche Jagdhaus , aber in das Forsthaus nebenan , in das Forsthaus mit den » drei Linden « vor der Tür . 49 Da zog es ein , da schwebte der Engel über dem Weihnachtsbaum , und helle Kinderaugen , trunken von Glück und Freude , blickten auf zu den goldenen Nüssen in seinem dichten Gezweig . Ja , hier im Forsthaus überwinterte das Leben und mit ihm zugleich die gastliche Flamme , die dieser Stätte Kennzeichen war , bis , wenn der Schnee geschmolzen und der Saft wieder trieb , auch das aus seinem Winterschlaf erwachte prinzliche Jagdhaus seine Türen und Fenster aufs neue weithin öffnete ! Dann kamen der Lenz und der Prinz ( » Oculi , da kommen sie « ) und ehe noch die Wochen und Tage bis Judica-Palmarum in der Zeiten Schoße dahin gerollt waren , rollten auch schon wieder die Wagen vor und ein Lichtschein ergoß sich aufs neue von Tür und Flur her über den Vorplatz . Im Flur selbst aber gab ' s wieder ein Flimmern von Uniformen und Livreen , von Buntglasfenstern und Spiegelscheiben , und ehe eine halbe Stunde vergangen war , überstrahlte wieder der Kronleuchter mit seinen sechsundsechzig Lichtern eine frohe Genossenschaft und das Geweih-Trinkhorn samt dem Elfenbeinhumpen ging wieder um , und beide wurden geleert auf den Prinzen und den Feldherrn und nicht zum letzten auf den Gastfreund von Dreilinden ! 7. Kapitel 7. Kapitel Prinz Friedrich Karl im Schlosse zu Berlin Jagdschloß Dreilinden war die Stätte , wo der Prinz am ausgesprochensten der Gastfreund seiner Freunde war , aber er war es nicht in Dreilinden allein und ich mag in meiner Erzählung nicht fortfahren , ohne vorher von einem in der » Deutschen Rundschau « veröffentlichten Aufsatze Nutzen gezogen zu haben , in welchem Dr. Paul Güßfeldt auch über die Gastlichkeit berichtet , die seitens des Prinzen im Berliner Schlosse geübt wurde . * » Als ich « , so schreibt Dr. Güßfeldt , » nach mehrjähriger Abwesenheit von Europa wieder in die Heimat und nach Berlin zurückgekehrt war , schrieb ich mich beim Prinzen in das Meldebuch ein und sah mich schon am andern Morgen eingeladen . Damals bewohnte der Prinz Gemächer im zweiten