Will sie scheitern , so müht sich die edle Absicht , ihr den Sieg zu erleichtern , wirft aus dem zu schweren Fahrzeug Ballast über Ballast , will nur das Glück , nur den Erfolg , nur den Sieg , den ewigen Sonnenschein ... Umrauscht vom jauchzenden Zuruf der Völker hebt sich dann die Brust und wagt und wagt und wofür sonst jeder Wille gefehlt haben würde , doch wird es vollzogen ; Vertrauen heißt die Hand , die den Zagenden weiter und weiter führt ; schon kann er das Läuten der Glocken , die Freudenfeuer , die donnernden Salven der Geschütze , das tausendstimmige Hoch der Liebe nicht mehr entbehren ... Der neue Zauberer vollzog das Verhängniß eines Wunderthäters von größerer Macht , der über die Geschicke der Menschen thront ... In der That brachte nach Italien die erste Botschaft vom Evangelium der Freiheit - ein Papst ... Doch es war und blieb - eine phantastische Wahl ! ... Ein junger Student , ein Graf , ein neugekleideter Priester hatte einst auf dem Marktplatz zu Sinigaglia nachts seine Predigten gehalten , unter freiem Sternenhimmel umgeben von erleuchteten , mit Tausenden von Menschen geschmückten Fenstern , an einem improvisirten Altar , auf dem im Augenblick , wo in poetischen Bildern von seinem beredten Munde das Fegefeuer geschildert wurde , eine große Schale von Spiritus angezündet wurde , sodaß hoch die blaue Flamme aufschlug und den Platz , die Fenster , das Antlitz aller Hörer geisterhaft beleuchtete2 ... Nun aber schlugen freilich andere Flammen auf ... Erst wurden die Kerker geöffnet , die Verbannten zurückgerufen ... Bertinazzi hatte bis dahin auf der Engelsburg geschmachtet ; er wurde im Triumph durch die Straßen gezogen ... Die wenigen , die sich damals , als Benno gefangen genommen wurde , durch eine Versenkung retteten - Graf Sarzana hatte zu ihnen gehört , Benno hatte sich in dem Leichenbruder nicht geirrt - waren größtenteils nach England geflüchtet und kehrten nun zurück ... Auch Sarzana , der , wie man sagte , » aus Misverständniß « der Mörder Ceccone ' s geworden , kehrte heim - Benno dachte oft an sein stilles Tibergespräch mit dem Unheimlichen » über die misverständlichen Morde zur Cholerazeit « - ... Die Herzogin von Amarillas , die Fürstin Rucca , auch Cäsar Montalto kamen von London ... Rom war überfüllt mit Fremden , mit Flüchtlingen , Enthusiasten ... Die Freudenbezeugungen , die Feste , die Ovationen nahmen kein Ende ... Waren es doch - - die Theaterflammen vom Markte zu Sinigaglia - ? ... Anfangs machten sich die Ereignisse von selbst ... Es gibt Zeiten , die ohne Hinzuthun von Menschenwitz nur die Additionen der Vergangenheit sind ... Das Anathem , das über so vieles bisher geschleudert worden , wurde ihm jetzt von selbst zum Segen ... Nicht blos die Eisenbahnen wurden von dem Bann der Gottlosigkeit , der auf ihnen ruhen sollte , befreit , nicht blos die von Rom als Teufelswerk verworfene Gasbeleuchtung ; nicht blos die » materiellen Fortschritte des neunzehnten Jahrhunderts « , wie Thiebold mit Satisfaction sagte , wurden anerkannt ... Pater Ventura - General der Theatiner - predigte und entflammte das Volk auf offener Straße mit noch viel weiter greifenden Aufklärungen über die neue Zeit ... Im Coliseum , wie Klingsohr einst verlangt hatte , sprach Ventura ' s flammende Beredsamkeit und erläuterte den Römern , was ihrer geringen Bildung zu begreifen fast noch versagt war ... Ein Fuhrmann aus Trastevere , Brunetti , der jene Schenke liebte , wo Benno damals den Orvieto getrunken , ein Freund des Wirths , dessen Weinkeller mit dem Bertinazzi ' s in Verbindung stand und damals die Flucht eines Theils der Verschworenen ermöglichte , Retter des » Kohlenbrenners « , des Grafen Terenzio Mamiani , des Advocaten Pietro Renzi , die alle bei Bertinazzi zum » jungen Italien « geschworen hatten , schwang sich auf seinen zweirädrigen Karren und wurde ein so beliebter Volksredner , daß sein Ruf als » kleiner Cicero « ( Ciceruacchio ) durch die Welt erscholl ... Freisinnige innere Reformen wurden versucht ... Der alte Rucca , ohnehin entsetzt über die Rückkehr seiner Schwiegertochter aus London , wo sie fast das ganze Vermögen ihres Onkels , des Cardinals , vergeudet hatte , verlor die Pacht her Zölle , die ihm Fefelotti bereits für den ganzen Kirchenstaat verschafft hatte ... Der Schrecken und der Widerspruch der Cardinäle , die Besorgniß der Gesandten wurde durch vorsichtige Allocutionen niedergehalten ... Die Amnestie fand ihre unbeschränkte Ausführung ... Aus Beethoven ' s » Fidelio « kennt ihr jene rührenden Züge von Staatsgefangenen - Schaaren , zerlumpt , verhungert , hohläugig , gingen so aus den überfüllten Kerkern hervor ... Das Volk holte sie im Triumph , hob sie auf Wagen , schmückte und bekränzte sie ... Bürgerwachen wurden gebildet ... Ja eine Aussicht auf eine Repräsentativverfassung zeigte sich , als eines Morgens ein Decret die Vorstände der Provinzen aufforderte , Männer des öffentlichen Vertrauens zu bezeichnen , die die Regierung in den nothwendigen Reformen des Kirchenstaats durch Rath und That unterstützen sollten ... Die Bewegung griff weiter und weiter ... In der That bewährte sich , wie noch die Welt durch Rom getragen und regiert wird ... Mit dem , wie sonst im Schlechten , so hier im Guten sich gleichbleibenden Zauber Roms griff die Bewegung über Italien hinaus , stürzte den Julithron , rief in Frankreich die Republik hervor , brach die Knechtschaft Deutschlands , verjagte den Staatskanzler , entfesselte alle Völker , die in unnatürlicher Zusammenkoppelung zu dynastischen Zwecken mit Aufgebung ihrer eigenen Nationalität um so weniger länger leben mochten , als gerade die zunehmende Förderung der Volksbildung an nichts anderes zunächst angeknüpft hatte , als an die Erhebung des Sinns für Sprache , Geschichte , eigenthümliche Volkslebensart ... Auch Dalschefski und der nunmehr ganz zusammengegangene , mumienhaft vertrocknete Luigi Biancchi kamen vom Spielberg herunter und Resi Kuchelmeister weinte in ihren Armen ... Auch sie gingen nach Rom , wo aus London Marco Biancchi eintraf -