echte wie der falsche ) ; die Schlacht am Cremmer Damm und der Straßenkampf in Ketzer-Angermünde ; Hussitenzeit und Pommernkämpfe ; dazu Lücher und Brücher , Wendenkirchhöfe , versunkene Dörfer und Heideflächen . » Unter unsere zumindest gekannten Landesteile « , nahm der Prinz bei bestimmter Gelegenheit das Wort , » gehören auch Altmark und Priegnitz . Und doch würden sie lohnender sein für die Forschung , als das mehr durchforschte Land in der Nähe von Berlin und in den mittelmärkischen Kreisen überhaupt . Eine Spezialität der Altmark sind beispielsweise die wüstgewordenen Dörfer , die nicht , wie sonst wohl in der Mark , als Wüste-Woltersdorf , Wüste-Wulkow usw. fortleben , sondern ihren ehemaligen Namen einfach auf ein Forstrevier übertragen haben . Wo sonst Dorf war , steht jetzt Wald , der nun seinerseits , ohne jede weitere Zutat , den ehemaligen Ortsnamen führt . Im Letzlinger Forst finden sich mehrere solcher Stellen . « Und ein andermal hieß es : » Ich bin einigermaßen überrascht gewesen , von einer Abneigung zu hören , die seitens der regierenden Hohenzollern in bezug auf die Schwedter Markgrafen existiert haben soll . Ist dies zu begründen ? Wo finden sich die Beweise ? « Die Frage richtete sich an mich . Ich war aber nicht bloß der Gefragte , sondern auch der Verklagte , denn ich hatte irgendwo dergleichen versichert . Von den Schwedter Markgrafen war nur ein Schritt noch bis zum Großen Kurfürsten . » Ein Vorkommnis , das übersehen wird und doch vielleicht bemerkt zu werden verdient , ist das , daß der Große-Kurfürstenkopf in unsrer Familie mehrfach wiederkehrt . Beim Prinzen August war es frappant , beim Prinzen Adalbert immer noch erkennbar . « Einer der Gäste machte den Versuch , Erscheinungen derart aus einer lang andauernden , oft durch Jahrhunderte gehenden Übereinstimmung äußrer und innrer Lebensbedingungen erklären zu wollen , » jedes Land schaffe sich seine Typen , ebenso jeder Beruf . Es habe Zeiten gegeben , wo sich alle Rittmeister in Preußen ähnlich gesehen hätten . « Ein Wort wie dieses konnte natürlich nicht fallen , ohne sofort allerlei Beispiele heraufzubeschwören . Anfangs lediglich illustrierungshalber . Aber es blieb nicht lange dabei . Der Punkt , von dem man ausgegangen war , wurde , wie gewöhnlich , rasch vergessen , und die märkisch-preußische Militäranekdote , nunmehr sich selber Zweck , hielt ihren Einzug . Einer entsinn ich mich , weil ein Bonmot des Prinzen sie gefällig abschloß . Ein junger Graf Solms war von den Potsdamer zu den Düsseldorfer Ulanen versetzt worden . Er machte die Fahrt im Postwagen und ließ sein Pferd mittraben , zwölf Meilen an manchem Tage . » Nimmt mich mehr für das Pferd ein , als für den Grafen « bemerkte der Prinz und sprach damit jedem aus der Seele . Soviel über Brandenburgica . Nebenher aber blühte das historische Gespräch überhaupt . Rom hatte den Vortritt und in Rom selbst wieder das Ausgrabungsgebiet . » Ausgrabungen « waren überhaupt eigentlichstes Lieblingsthema . Mitunter berührte mich ' s , als ob eine Philologenversammlung tage , mit Curtius an der Spitze . Palatin und Esquilin waren Alltags- und Haushaltworte , wie Blumeshof oder Magdeburgerplatz , und niemand war da , der nicht im Hause der Lydia so gut Bescheid gewußt hätte ( wahrscheinlich aber besser ) als im Jagdhause zu Dreilinden . Man stieg in Tunnel und Grüfte . Mehr als einmal wurde mit dem bekannten langen Stangenlicht in den Thermen des Titus umhergeleuchtet , und wenn es erlosch , erlosch es nur , um als Katakombenlampe wieder angezündet zu werden . Aber auch andere Fragen kamen zur Diskussion , oft von rein wissenschaftlicher Natur , aus deren Reihe mir eine ganz besonders imponierte : die » wo Cäsar , als er über den Rhein ging , seine Pfahlbrücke geschlagen habe ? « Zwei Parteien bildeten sich sofort , von denen eine für Andernach , die andere für Xanten plädierte . Mommsen , wenn zugegen , hätte seine Freude daran haben müssen . Allerlei Namen und Notizen liegen mir noch vor , die damals von mir gemacht wurden , um mit Hilfe derselben eine stattgehabte Debatte rekonstruieren zu können . Und diese Rekonstruierung würde mir auch gelingen . Ich muß aber doch , um des Raumes willen , darauf verzichten , und mich auf Hervorhebung einzelner Gesprächsthemen beschränken . Und selbst hier wieder gebietet sich noch ein Sondern und Sichten . Ich wähle , als besonders charakteristisch , nur zwei : » Türkentum und Ägyptertum , und worin können wir ( oder andere Zivilisationsstaaten ) orientalischen Armeen aufhelfen ? « 48 Und dann zweitens ; » Modernes Zeitungswesen , und wie weit nutzt es und schadet es einem Volksheer in Kriegszeiten ? « An solchen und dann meist im philosophischen Essaystil gehaltenen Auseinandersetzungen war nie Mangel , aber Personalfragen wogen doch vor und bildeten in der Regel den festen Punkt , von dem aus sich die weitere Betrachtung entwickelte : Gottfried Kinkel und der badische Feldzug ; Oberst Rüstow und sein Wirken in Italien und der Schweiz ; Skobelew-Wereschtschagin und Exkurse nach Turkmenien , Merw und Samarkand ; endlich Garibaldi , Chancy , Bazaine . Welche Fülle der Gesichte ! Dabei sprangen dann die Kriegstore klirrend auf , und zeigten allerlei Bilder , ebenso lehrreich wie farbenreich , von deren Vorführung ich hier ungern Abstand nehme . Nur eines sei wenigstens flüchtig wiedergegeben : ein Friedensbild . Ein Major vom Generalstabe ( er war selbst der Erzählende ) ward als Überbringer eines Kabinettsschreibens an den Erzbischof von Rouen , Kardinal Bonnechose , gesandt , und erschien im erzbischöflichen Palais in dem vollen Kriegsaufzuge jener Tage : hohe Stiefel , Pallasch und Revolver . Alles erschrak . Aber die Verhandlungen oben im ersten Stock nahmen einen sehr andren Verlauf , als unten die Dienerschaften gefürchtet hatten , und als nach fast einer Stunde der Major sich erhob , um das Antwortschreiben , das inzwischen im erzbischöflichen Sekretariat ausgefertigt worden war , in Empfang zu nehmen