Partei genommen und diesem kurz vor Lucindens Einsegnung in der Apostelkirche mit unverhohlener Freude die Botschaft einer Genugthuung gebracht , die ihm der Heilige Vater mit Einsetzung auf Fefelotti ' s verlassenen Hirtensitz schenkte ... Ambrosi , nun schon graulockig , aber immer noch der » Ganymed unter den Cardinälen « genannt , trat bei allen Gelegenheiten hervor , wo irgendein Misbrauch abgestellt oder wenigstens öffentlich gerügt wurde ... Er sowol wie der Erzbischof von Coni , dann ein neuer General der Dominicaner , auch der General der Theatiner und mehre erste Pfarrer Roms , galten für muthige Kämpfer gegen die Herrschaft der Jesuiten ... Nachdem noch selbst Cardinal Ceccone gegen sie gestritten hatte , war mit Fefelotti Schule , Haus , Kirche , diesseitiges und jenseitiges Leben dem Al-Gesù gebunden in die Hände gegeben worden ... Man trug zwar ruhig , man beugte sich dem Joch Fefelotti ' s , das schwerer noch drückte , als das Ceccone ' s ; im Conclave aber hörte plötzlich alle Verstellung auf ... Da zitterten die Mächtigen , da erhoben sich die Schwachen ... Nehmt Ambrosi oder - mich ! donnerte der lange weißbärtige , kahlköpfige General der Kapuziner , ein mit kaustischem Witz begabter Greis ... Sich selbst zu empfehlen , seine eigenen Tugenden zu preisen ist im Conclave durchaus erlaubt ... Das wispert dann nachts auf den langen Corridoren ... Da schleichen die schlaflosen Greise von Thür zu Thür ; da wird geflüstert und hoch und theuer geschworen und Vortheile werden versprochen und die Stimmen schon für künftige Aemter und Einnahmen ver- und erkauft ... Ambrosi hatte bereits zwanzig Stimmen und bot sie dem General der Kapuziner ... Darüber gerieth das Conclave in Entsetzen ... Der ? hieß es . Ein neuer Sixtus V. , der Rädern und Köpfen zur Tagesordnung macht ! Nimmermehr ! scholl es durch die Bretterwände und verdrießlich legte sich nun auch dieser Alte ins Bett und brummte : Wählt wen ihr wollt ! ... Als er sich bald in sein Schicksal gefunden hatte , pochte der General der Dominicaner , der die Jesuiten über alles haßte , an seine Thür und bat : Bruder , wollt Ihr denn das Feld verlassen ? Wählen wir doch wenigstens einen , der uns vom Al-Gesù befreit ! ... Der alte Kapuziner erwiderte : Ihr seht ja , wie sie ihm alle verkauft sind ! Aber ihr habt Recht ! Wollen wir nicht ganz erliegen , schlagt eine Tabula rasa vor , einen Menschen , von dem bisher nichts gesprochen wurde ! Einen Menschen , der unter uns ist und den Niemand kennt ! Geht alle Namen durch und von wem ihr nicht wißt , ob er Jesuit oder Carbonaro oder Theologe oder Heide ist , den ruft durch Inspiration aus ! ... Das Ausrufen durch Inspiration ist eine eigenthümliche Wahlmethode ; mitten im Debattiren , Beten , Singen springt plötzlich ein Inspirirter auf und ruft : N.N. soll es sein ! ... Diese an Luft , Bewegung , ihre häusliche Ordnung gewöhnten Greise sind durch ihr gefangenes Beisammenleben und die stete Spannung dann so nervenerregt , daß solche Rufe zuweilen Erfolg hatten und unter Scenen krankhafter Verzückung Wahlen durch Acclamation zu Stande kamen ... Der Kapuziner kannte selbst keine solche Tabula rasa ... Aber General Lanfranco kannte eine ... Es gab einen der jüngern Cardinäle , der während aller dieser nun schon mehrtägigen Kämpfe der eingesperrten Priester wenig gesprochen hatte und als Erzbischof aus der Provinz den meisten unbekannt geblieben war ... Jeder dieser Gepurpurten hatte schon eine lange Chronik seines Lebens , der heilige Cardinal der Katakomben die allbekannteste - ... Von diesem aber wußte man nur , daß er einem Grafengeschlecht in einer kleinen Stadt an der nördlichen Meeresküste , dem Schauplatz der Thaten Grizzifalcone ' s , angehörte , in seiner Jugend an dem Uebel der fallenden Sucht gelitten hatte , darum sowol vom Eintritt bei der päpstlichen Nobelgarde , wie anfangs vom Priesterstande abgewiesen wurde , dann in die besondere Pflege vornehmer Frauen gerieth und durch deren Betrieb endlich auch zum Priesteramte zugelassen wurde . Durch das Gebet der Fürstin Colonna verlor er jene Krankheit ... Vollends verlor er sie durch eine Seereise , eine Reise nach Amerika ... Zurückgekehrt erklomm er eine Würde nach der andern und um Rom hatte er sich als Erzbischof von Spoleto das besondere Verdienst erworben , daß er einen Revolutionshaufen unter Anführung Louis Napoleon ' s durch Zahlung von 6000 Scudi an den Freund desselben , Sebregondi , von ihrem Marsch auf Rom zurückgehalten haben soll1 ... Der Erwählte fiel in Ohnmacht , als auf begeisterte Empfehlung Ambrosi ' s und der beiden Generale aus dem Scrutinium mit der vollen Stimmenzahl sein Name hervorging ... Beinahe hätte sich gezeigt , daß das Gebet der Fürstin Colonna und die Seereise noch nicht die volle Wirkung erlangt hatten ... Alle mußte es rühren , daß , nachdem man sich zugeflüstert hatte , in der ewigen Stadt wäre einst ein Jüngling verzweifelnd am Strande der Tiber auf- und niedergegangen in der Absicht sich in die Wogen zu stürzen - Militär und Klerus hatten ihn um sein bemitleidenswerthes Körperleiden abgewiesen - nun das Schicksal in dieser selben Stadt die dreifache Krone auf sein Haupt hob ! ... Der Erwählte erholte sich in den Armen Ambrosi ' s und der Ordensgenerale ; man legte ihm die Kleider seiner neuen Würde an und nannte ihn der Welt und zeigte ihn den Völkern ... Dem Stuhl Petri , sagt man , naht sein Verhängniß ... Diesmal erst hatte ihn ein Anhänger jener Partei bestiegen , die damals in Bertinazzi ' s Loge vom Kohlenbrenner - es war Pater Ventura - die der Phantasten genannt wurde ... Durch den Patriarchen von Rom sollte vorerst nur Italien erlöst und die katholische Christenheit über das allen Völkern ihre Freiheit raubende Wirken der Jesuiten beruhigt werden ... Liebenswürdig ist der Eindruck jedes guten und gläubigen Willens ... Wie im rosigen Lichte schwimmt noch jede auf ihn gesetzte Hoffnung ...