, wohl nach schwedischer Sitte , ward ein Imbiß , ein Vorschmack genommen , und eine mit dem Likör-ABC , also mit Allasch , Benediktiner und Chartreuse beginnende Batterie , die sich über den Rest des Alphabets hin bis zu Maraschino di Zara fortsetzte , stand zu diesem Behufe zur Wahl . Eine kurze Konversation , mehr ein Fragen als ein Sprechen , leitete sich ein , in deren Verlauf der zum ersten Mal Erschienene sich aufgefordert sah , seinen Namen in das Fremdenbuch von Dreilinden einzutragen . Eine Durchsicht desselben , jeder Jahrgang ein Band , würde gleichbedeutend gewesen sein mit einer Revue berühmter Namen , wenigstens auf manchem seiner Blätter ; aber die Zeit dazu blieb der Neugier versagt , denn im selben Augenblick , wo wir die Fremdenbuchfeder wieder niederlegten , öffneten sich auch schon die Türen zu dem eingangs ( im I. Kapitel ) geschilderten Eßsaale , von dessen Decke der große Geweihkronleuchter herniederhing und den Glanz seiner sechsundsechzig Lichter über den quadratischen , zu zwölf gedeckten und mit Polstersesseln umstellten Eßtisch umstrahlte . Rechts und links hin blinkende Humpen und Aufsatzstücke . Die dem Range nach Zuhöchststehenden nahmen die Plätze neben dem Prinzen ein , womit das Zeremoniell erschöpft und für die noch verbleibenden Sitze die Gleichwertigkeit ausgesprochen war . Eine Menükarte lag vor oder neben jedem Kuvert , aber nicht in dem herkömmlichen Westentaschenformat , sondern als ein großes , in Buntfarbendruck sauber und sinnig ausgeführtes Blatt , das zu besitzen und seinem Album daheim einverleiben zu dürfen , ebenso sehr Begehr wie Brauch war . Das Blatt selbst aber zeigte das » Jagdhaus « von Efeu und Weinblatt umrankt , in dessen Gezweige die typischen Gestalten aus der Tafeldienstsphäre von Dreilinden standen : der Heiduck , der Jäger , der den Fasan , und endlich der Butler und Kellermeister , der das Spitzgläsertablett mitsamt dem Champagner präsentierte . Aber wie dem Gaste nicht Zeit blieb , sich neugierig in das Fremdenbuch zu vertiefen , so noch weniger in die jetzt vor ihm liegende Tischkarte ; Fragen wurden laut , ein Gespräch knüpfte sich an , und alsbald war man mitten im großen Strom der Unterhaltung . Ein Gefühl der Bedrückung konnte nicht aufkommen , dessen trug der » Gastfreund « Sorge , der , wie wenige , die Kunst verstand , auch dem Unsichersten einen Tropfen Sicherheit in den Becher zu tun . Der Prinz liebte die Form der Unterhaltung , die , den ganzen Tisch umfassend , sofort einen persönlichen und sachlichen Mittelpunkt zu gewinnen trachtet . Aber dies Ideal ward nur selten erreicht , vielmehr war es herkömmlich , das zu Beginn der Tafel konzentriert auftretende Gespräch , im Laufe desselben zu Gruppengesprächen werden zu sehen . Kein Zweifel , daß sich dies hätte vermeiden lassen , wenn der » Gastfreund zu Dreilinden « ein Sprecher nach Art unsres großen Kanzlers gewesen wäre ; solch Usurpatorentum der Rede jedoch , das dem Kanzler kleidet , lag dem Prinzen fern , so fern , daß ich umgekehrt beobachten konnte , wie seiner Redelust und Freudigkeit eine Redescheu beständig zur Seite stand . Und so darf wohl gesagt werden , daß die Gefahren einer sich zerbröckelnden Tischunterhaltung allezeit groß waren , und noch größer gewesen sein würden , wenn nicht das in Einzelexemplaren immer vertretene Zivilelement des nicht genug zu schätzenden Vorzugs genossen hätte , bei jeder sich darbietenden Gelegenheit , über Gletscherbildung und Venusdurchgang , über Nordenskjöld und Stanley , des Ausführlicheren berichten und durch Aufwerfung irgendeiner » großen Frage « die nach links und rechts hin Ausgeschwärmten , wie durch Hornsignal um die Fahne her neu sammeln zu dürfen . Ein charakteristischer Zug des Prinzen war sein Approfondierungshang , worin er übrigens lediglich seiner auf die Realität der Dinge gestellten Natur folgte , der bloßer Schein , Oberflächlichkeit und Dilettantismus gleichmäßig verhaßt waren . Er prätendierte nicht Interessen zu haben , er hatte sie wirklich , und erwies sich jede Stunde von einem ernstesten Verlangen erfüllt , den Kreis seines Wissens und seiner Erfahrungen auszudehnen . Mit dieser Vorliebe für » Approfondierung « , ging , was zunächst wie Widerspruch wirkt , ein Präzisionshang , eine Vorliebe für Knappheit und Kürze Hand in Hand . Aber dieser Widerspruch war nur scheinbar . Ein echter Präzisionshang verlangt eben nur Knappheit im Ausdruck , nicht auch Knappheit im Stoff . Im Gegenteil , der Stoff und seine Fülle sollen gefördert , nicht beeinträchtigt werden . So wenigstens stellte sich der Prinz zu dieser Frage , Details waren ihm Bedürfnis und ich erinnere mich eines Falles , wo sich ein den Lapidarstil bis zum Verbrechen treibender Gast durch den Zuruf unterbrochen sah , » vergessen Sie nicht lieber Freund , daß der Reiz aller Erzählung in den Einzelheiten steckt . « Die Themata , die zur Verhandlung kamen , waren , wie nach diesem allem kaum noch versichert zu werden braucht , die mannigfachsten und gingen über die Welt . Am allerwenigsten beschränkten sie sich auf das Militärische . Dies trat vielmehr , in Fortsetzung der Traditionen von Rheinsberg und Sanssouci , vergleichsweise zurück , und machte Tagesfragen Platz , ohne die Tagespolitik zu berühren . Unvermeidliche Konsequenz der Stellung eines Prinzen , der sich durch Geltendmachung einer selbständigen , also doch gelegentlich auch abweichenden Meinung , anscheinend dahin gedrängt gesehen haben würde , wohin er sich nicht gedrängt sehen wollte : in die Reihen der Opposition . Was in England durchaus zulässig erscheint , verbietet sich in dem Königlichen Preußen , wo die Regierung nicht der ohne Gefährde zu wechselnde Schild des Königs , sondern der König der Schild der Regierung ist . Also nichts von Tagespolitik . Aber hundert andre Fragen traten heran , unter denen die Brandenburgica wenn nicht obenan standen , so doch einen Platz in erster Reihe behaupteten . Wie vieles erschien da , das flüchtig oder auch in eingehenderer Behandlung an mir vorüberzog : Otto mit dem Pfeil und der sagenreiche Werbellin ; die beiden Waldemare ( der