geborenen Erben nimmt Besitz vom Throne , nicht die Pietät eines Verwandten , eines Bruders für einen Bruder , eines Neffen für seinen Onkel , sondern ein fremder Greis folgt einem fremden Greise , die langjährige Verwöhnung eines Hagestolzen und die vollkommen schon hartnäckig eingewurzelte Lebensart eines Cardinals den Gewohnheiten und Launen eines dahingegangenen andern ... Neun Tage währt dann äußerlich Klage und Trauer , aber im Stillen läuft und flüstert die Neugier und Intrigue von Haus zu Haus ... Wer wird der Nachfolger sein ! ... Couriere kommen und gehen , die Diplomatie hält Besprechungen , Parteien bilden sich , Stimmen werden gezählt , die Frauen werben und stiften Versöhnungen , alte Cardinäle vergessen , daß die Aerzte sie längst aufgaben , sie werden jung , haben keine Gicht und keine Wassersucht mehr , die Frivolen werden fromm , die Frommen weltlich - ... Welche Gedanken würden sichtbar werden , wenn diesen Cardinälen ( siebzig sollen es sein - nach der Zahl der Aeltesten der Stämme Israels ) , die im Sanct-Peter die Messe um Erlangung des Heiligen Geistes für die Neuwahl hören , die Decke der demüthig gesenkten Häupter gelüftet würde ! ... Nun ziehen sie feierlich in den Quirinal und finden da die wunderlichsten Holzverschläge für sich hergerichtet ... Schon haben tagelang die Maurer alle Thore des Palastes außer einem einzigen vermauert , schon sind mindestens zweihundert Fenster in ihren Fugen mit Kalk und Mörtel verstrichen ... Die vierzig oder funfzig anwesenden Wähler leben ohne frische Luft , wie ebenso viel Mönche , und so lange abgesperrt von der Welt , bis der Geist der Erleuchtung zum Siege , zur richtigen Stimmenzahl geholfen hat ... Sie leben in schnellgezimmerten , auf die langen Corridore verpflanzten Zellen , die aussehen , wie Meßbuden ... Jede hat ein kleines Fenster auf den Corridor ... Die unbequeme Lage ist peinlich und unterstützt die Neigung , einig zu werden ... Haß und Abneigung schwinden mit dem Druck der Entbehrungen ... ... Fefelotti ' s Pracht- und Bequemlichkeitsliebe , eingesperrt in einen solchen weihnachtlichen Hirtenstall ! Fefelotti ohne die Hülfsmittel - nur allein seiner Toilette ! ... Der einzige Cardinal Vincente Ambrosi und einige Ordensgenerale mochten wenig den Unterschied von ihrer gewohnten Lebensweise spüren ... An dem Hauptthor , gegenüber den Rossen des Monte-Cavallo , sind vier Oeffnungen mit Drehrädern angebracht , durch welche die Speisen eingeschoben werden ... Die Massen des Tag und Nacht ringslagernden Volkes sehen es wohl - Fefelotti entbehrt kein einziges seiner Leibgerichte ; die verdeckte Tragbahre verbreitet den köstlichsten Duft ... Aber der seither Allmächtige muß sich gefallen lassen , daß ein mit der polizeilichen Controle des Conclaves seit Jahrhunderten betrauter Fürst Chigi jede Pastete mit eigener Hand aufschneidet und sich überzeugt , ob sie im Füllsel nichts Geschriebenes enthält , keinen Brief vom Staatskanzler des Kaisers von Oesterreich , keine Mahnung aus Frankreich oder Spanien , kein Billet einer Verehrerin , die auf dem Corso Francesco angstklopfenden Herzens wohnt und Mittel und Wege sucht , mit den heiligen Holzverschlägen in Verbindung zu bleiben und die Stimmen zu addiren , ja von außen her den Cardinalbischof von Ostia mit dem Cardinalgeneral der Kapuziner , den Cardinaldiakon der Santa-Maria in Via Lata mit dem Cardinalpriester von Santa-Maria della Pace zu versöhnen ... Hülfe , Hülfe - durch die fremden , noch nicht angekommenen Cardinäle ! schrieb Fefelotti in einer mit der Gräfin Sarzana verabredeten Chiffreschrift , die aus Compotkirschkernen , Geflügelknöchelchen und andern Resten seiner Mahlzeit bestand ... Die Antworten ertheilte ihm die Gräfin und manche andere seiner Angehörigen unter der Etikette jener Weine , die ihm nicht vorenthalten werden durften ... Fürst Chigi betrachtete jede Flasche am Lichte , ob sich nicht im Burgunder vielleicht unterm Kork ein verdächtiges Telegramm befand - die Etiketten abzureißen unterließ sein Mitleid mit einem Manne , der nicht einerlei Wein genießen konnte und ohne Etikette vielleicht die Sorten verwechselte - ... Anfänglich hatte der gottselige , heiligstrenge Sinn des Hüters der Katakomben und Reliquien , des Cardinals Vincente Ambrosi , des geheimnißvollen Flüchtlings vor dem Eremiten von Castellungo , des Beichtvaters der kleinen Olympia Maldachini , des Gefangenen im Kerker des heiligen Bartholomäus von Saluzzo und des dem Erzbischof von Coni seit sieben Jahren innigstverbundenen Freundes die allermeisten Hoffnungen ... Aber eigenthümlich , wie selbst die Frommsten und Trefflichsten unter den heiligen Wählern nicht ganz der Meinung leben , daß der zu Wählende ein durchgreifender Reformator sein müsse ... Man wollte denen , die nur einen politischen Kopf , einen Lenker des Kirchenstaats , einen Politiker im Geist der Cabinete Neapels und Modenas begehrten , ebenso wenig das Feld räumen , wie einer kleinen Anzahl , die überzeugt war , es müßte ein Freund der neuen politischen Ideen , der Hoffnungen Italiens gewählt werden ... Die Verwirrung wurde die größte ... Darin aber waren alle , jetzt wie immer , einig , daß der Stellvertreter Christi ein Mittelwesen zwischen Hart und Weich , zwischen Strenge und Milde sein müßte - Nicht zu heilig und nicht zu weltlich - ! Nil humani a me alienum ! die Losung ... Fefelotti täuschte sich indessen gründlich ... Bei jedem Scrutinium schmolz seine Stimmenzahl ... Auf die besten Freunde war kein Verlaß mehr ... Fefelotti legte sich ins Bett , um durch Abwesenheit zu schrecken ; dann , als dies Mittel fehl schlug , erklärte er sich für in Wahrheit krank , so krank , daß man ihn nach Hause tragen sollte - nach der Praxis früherer Wahlen war das eine erwägenswerthe Empfehlung - denn um so schneller machte er einem Nachfolger Platz ... Vergebens - Die Cardinäle lachten - Fefelotti regierte draußen die katholische Christenheit , aber nicht mehr fünf Stimmen im Conclave und er bedurfte zwei Drittel aller Stimmen ! ... Seit sieben Jahren war Cardinal Vincente Ambrosi aus seiner früher im Mönchsgewand so passiven Rolle mit überraschender Energie herausgetreten ... Er hatte die Hoffnungen aller seiner Protectoren getäuscht ... Schon vor sieben Jahren hatte der junge Cardinal mit Entschiedenheit Bonaventura ' s