Arbeitskräften war also Mangel , und so kam es denn , daß , behufs dieser vorzunehmenden Rajol- und Pflanzarbeiten , von dem benachbarten Spandau her ein Trupp französischer Gefangener erbeten wurde , der wirklich am andren Tage schon in Dreilinden eintraf . Mit ihm zugleich die Benachrichtigung , » daß , nach drei Wochen , Ablösung dieses Trupps erfolgen werde « . Sonderbares Los für alle die , die sich zu diesem Dienste kommandiert sahen , und doch ward » Eichenpflanzen beim Prinzen « alsbald allgemeines und nur zu begreifliches Begehr , denn der Tagelohn war gut und die Tagesverpflegung noch besser , des sonntäglichen Huhns und der halben Flasche » Roten « ganz zu geschweigen , unter deren gedoppeltem Einfluß schließlich auch der chauvinistischste Chauvinismus erliegen mußte . Wenigstens sind Ausbrüche desselben nie zu verzeichnen gewesen . Im Gegenteil , das Benehmen der Abkommandierten war durch all diese Wochen hin ein gleichmäßig vorzügliches , und stellte der Einsicht , dem Charakter und der guten Lebensart unsrer Feinde das beste Zeugnis aus . Sie waren fleißig , heiter , dankbar , und wenn doch vielleicht ( was zu den Möglichkeiten zählt ) ein paar halblaute Verwünschungen über die Dreilindner Stecklinge hin ausgesprochen sein sollten , so müssen sie , nach Art aller Flüche die keinen Schuldacker vorfinden , bedeutungslos verklungen sein , denn überall auf dem Territorium des » Bezwingers von Metz « wachsen und gedeihen neben den von deutscher Hand eingesetzten Eichen auch die , die damals von französischen Händen gepflanzt wurden . 5. Kapitel 5. Kapitel Wie Prinz Friedrich Karl in Dreilinden Gastlichkeit übte In einem schon vorzitierten B. Möllhausenschen Gedicht feiert der Dichter den Prinzen als Jagdherrn und Feldherrn , aber im weiteren Verlauf auch als » Gastfreund von Dreilinden « und bringt ihm dadurch eine Huldigung dar , die seinem Liede nicht fehlen durfte . Denn so gewiß die Dreilindner Tage die weid- und forstmännische Signatur trugen , so gewiß auch die gastliche . Ja , der Prinz war ein Gastfreund . Ein eigen Wort , unmodisch und obsolet fast , weil auch das obsolet wurde , was diesem Worte zur Voraussetzung dient : die Gastfreundschaft . Die schöne Gastlichkeitstugend aus Morgenland ist der abendländischen Welt , etwa mit Ausnahme von England und Skandinavien , abhanden gekommen , und wenn dies ( wie übrigens kaum anzunehmen ) optimistisch bestritten werden sollte , so wird doch das nicht bestritten werden können , daß in Mark Brandenburg und seiner Landeshauptstadt eine der traurigsten Heimstätten alles dessen , was » Gastfreundschaft « heißt , erkannt werden muß . Behufs Beweisführung ist es nur nötig , das eine Wort » Logierbesuch « auszusprechen , das , anscheinend von durchaus unschuldiger Bedeutung , im Ohr aller Eingeweihten als Schreckenswort umgeht . In der Tat , Mark Brandenburg hat wenig Gastfreundschaft und noch weniger einen » Gastfreund « ; im Jagdhause zu Dreilinden aber fanden sich beide . Während der Monate , die der Prinz hier zubrachte , und am ausschließlichsten wohl in den Spätherbstmonaten , war jeden zweiten Tag eine » Dreilindner-Tafelrunde « versammelt , deren Paladine den verschiedensten Lebens- und Berufskreisen , aber doch vorzugsweise dem Kreise der Berliner und Potsdamer Garnison angehörten . Auch Marine , Kriegsministerium und Generalstab stellten ihr Kontingent , das wir glücklich genug sind bis diesen Augenblick in Dreilinden und zwar in einem » Bildersaale der Freundschaft « mustern zu können . Eingefügt in die gotischen Buntglasfenster der » Dreilindner Crypt « , in der von Zeit zu Zeit die Rundgesänge widerhallten , erblicken wir auch heute noch die Medaillonbildnisse vieler dieser Getreuen und Getreuesten , aus deren Hundertzahl ich , unter Verzicht auf Generalität und Subalterne , lediglich aus der Mittelgruppe der Stabsoffiziere die folgenden Namen entnehme . Die » blanke Waffe « hat , wie herkömmlich , auch hier wieder den Vortritt . Also zunächst von der Kavallerie : Graf Schlieffen , Oberst und Kommandeur des 3. Garde-Ulanenregiments ; 47 von Krosigk , Oberst und Kommandeur der Garde- und von Rosenberg , Oberst und Kommandeur der Zieten-Husaren ; von Schnackenberg , Oberstleutnant und Kommandeur der Düsseldorfer Ulanen ; von Broesigke , Major und Kommandeur der Leibgendarmerie , Flügeladjutant Sr. Majestät des Kaisers ; von Dincklage , Major im I. Garde-Ulanenregiment . Von der Infanterie : von Derenthall , Oberst und Kommandeur des I. Garderegiments zu Fuß : von Arnim , Oberst und Kommandeur des Franzregiments ; von Lindequist , Oberst und Kommandeur der Schloßgarde-Kompanie , Flügeladjutant Sr. Majestät ; von Natzmer , Oberst und Kommandeur des 28. Infanterieregiments , später in Begleitung des Prinzen auf dessen syrisch-ägyptischer Reise ; Freiherr von Fircks , Major im Garde-Füsilierregiment , Verfasser des unter dem Namen des » kleinen Fircks « bekannten Armeekalenders . Von der Artillerie : von Körber , Oberst und Brigadekommandeur , ruhmvollen Vionviller Angedenkens . Und endlich vom Generalstabe : de Claer , Oberst und vieljähriger Adjutant Feldmarschall Moltkes ; Oberst von der Hude , Abteilungschef in der Generalinspektion der Artillerie ; Oberstleutnant Vogel von Falckenstein ( Sohn des Mainfeldzugssiegers ) , Abteilungschef im Großen Generalstab ; Oberstleutnant Steffen , desgleichen ; Major Freiherr von der Goltz ( » Gambetta-Goltz « ) , Lehrer an der Kriegsakademie , später Goltz- Pascha , Major Münnich , Militärgouverneur des Prinzen Friedrich Leopold . Aber auch das Zivilelement ist in der » Crypt « und ihren Buntglasbildern vertreten : Baron Korff , ehedem im Garde-Dragonerregiment ; Graf Kanitz , Hofmarschall des Prinzen ; Kammerherr Graf Brühl ; Professor Brugsch-Pascha ; Hofprediger Rogge ; Dr. Paul Güßfeldt ; Balduin Möllhausen . So die » Tafelrunde « zu Dreilinden . Und nun die Tafel selbst ! Ich habe gleich zu Beginn dieses Aufsatzes ein Bild derselben zu geben versucht , aber freilich nur nach Art eines dissolving view , weshalb es mir in nachstehendem obliegen wird , das eingangs bloß im Fluge berührte hier näher auszuführen . Oben am Treppenausgang erwartete der Prinz die Geladenen , an jeden ein freundliches Wort der Begrüßung richtend . In einem Vorzimmer