... Seinen Priesterstand würde er nicht zu erneuern brauchen , sagte er - weil er ihn ja ewig geschändet hätte ... Alles das kam mit einer Wahrheit von seinen Lippen , als machte er im Al-Gesù eine jener rhetorischen Uebungen durch , wo sich ein Sprecher in einer von ihm geschilderten Situation ganz wie ein Schauspieler verlieren muß ... Armgart stand am Fenster und zitterte ... Terschka sprach , als wäre sie nicht anwesend ... Laut recitirte er eine Litanei an die allerseligste Jungfrau ... Er kniete nieder , um sein Gelübde auszusprechen , in den Schoos der von ihm verlassenen Kirche zurückzukehren , auch wenn ihm , dem Leviten , nie wieder Vergebung zu Theil werden würde ... Engel würden dann für ihn die Hände erheben und vielleicht im Jenseits eine besonders begnadete Seele ihn rettend in ihren Schoos nehmen ... Ohne Zweifel erwartete Terschka , daß Armgart ihn emporziehen , irgend mit ihm einen Ausweg aus dem Labyrinth seiner Verhältnisse bereden würde ... Aber so sehr sich in ihr die alten Stimmungen des Selbstopfers , die Seligkeiten des gebundenen Willens regten , die Jugendzeit mit ihren Schwärmereien war vorüber ... Mit einem verachtenden Ausdruck ihrer Augen , der den unverkennbarsten ewigen Bruch zwischen ihr und Terschka verrieth , rief sie : Nein ! Nein ! Nein ! ließ ihn auf dem Teppich vor ihrem kleinen Hausaltar liegen und entfloh aus dem Zimmer ... Da begegnete ihr der Vater , sah ihre Aufregung , traf Terschka , noch mit dem Crucifix , das er unaufhörlich küßte , in der Hand , schleuderte ihm einige Verwünschungen zu und wies ihm die Thür ... Terschka erhob sich von der Erde , auf der er gekniet hatte , schwankte eine Weile , taumelte unentschlossen , maß den Obersten , halb als ob er an seinem Halse sich ausweinen , halb - als ob er ihn tödten wollte ... Und als dieser wiederholt rief : Sie sind ein unverbesserlicher Abenteurer ! Man weiß alles von Ihnen ! Sie sind unter Räubern erzogen , Sie sind ein Kunstreiter - noch haben Sie nicht aufgehört den Jesuiten zu dienen ! Die Brüder Bandiera sind durch Sie verrathen worden - durch einen gewissen Jan Picard - ha , kennen Sie den Namen - ? - da erblaßte Terschka , erhob sich lautlos und verschwand - ... Allgemein glaubte man , er säße in Genf im Schuldgefängniß ... Seine Sucht , sich in den vornehmsten Kreisen zu bewegen , Cavalier zu sein , Matador der Gesellschaft , hatte ihn in nicht endende Verlegenheiten gestürzt ... Nach und nach aber verbreiteten sich Gerüchte , er wäre in den Canton Freiburg gegangen und hätte sich dort reuig in das dortige , damals allgewaltige Collegium der Jesuiten zurückbegeben ... Die Strafen , die ihn in diesem Fall dort erwarteten , mußten , wenn er nicht schon früher Verzeihung gefunden , furchtbare sein - deshalb wurde auch von andern die Möglichkeit eines so gewagten Entschlusses bezweifelt ... Auf Schloß Bex stellte sich der Friede wieder her und die Gegensätze versöhnten sich in der einstimmigen Verwerfung eines sittlich Haltungslosen , an den man vergebens Milde , Langmuth , Wohlthaten verschwendet hätte ... Die Schulden , die Terschka beim Obersten nicht getilgt hatte , konnten als Vorwand dienen , in Freiburg nach ihm Erkundigungen einzuziehen .... Man gab dort eine kaltausweichende Antwort ... Der Uebermuth der im Steigen begriffenen klerikalen Partei hatte gerade damals , in der von Bürgerkämpfen zerrissenen Schweiz , den höchsten Grad erreicht ... Aber nur noch eine kurze Weile und es schlug die Stunde einer großen Bewegung ... Jener dreifachgekrönte arme leidende Mann mit dem tücherumwundenen Antlitz auf dem apostolischen Stuhl hatte seinen letzten Seufzer ausgehaucht , wie ihn die Stellvertreter Christi aushauchen - einsam , verlassen , in den schauerlich öden Marmorsälen des Vaticans ein dem Reiz nach Neuem allzulang verweilender Gast ... Draußen eine unruhige , großer Umänderungen harrende Menge , die die neue Bescherung , das beginnende Conclave und den Namen und die Person eines neuen Trägers der Himmelsschlüssel erwartet ... Der Sterbende ist dann nur noch eine leere Hülfe ... Nur noch einige geringe Würdenträger bleiben bei ihm , die auf den Augenblick harren , wo ihnen gewisse Functionen für den Todesfall der Päpste vorgeschrieben sind , das Zerbrechen der Siegel , das Aufbewahren des Fischerrings , das Läutenlassen einer kleinen silbernen Glocke der Peterskirche ... Ertönt diese geheimnißvolle Glocke , dann müssen alle Gerichte aufhören , alle Glocken Roms fallen mit schauerlichem Geläute ein ; auf allen Tribunalen wird die Feder ausgespritzt und nicht die Trauer , sondern - die Freude beginnt ... Armer Stellvertreter des Gottessohns ! ... Nun verlassen dich die Deinen , die sonst vor dir knieten ! ... Nun eilen sie sich , ihre gesammelten Schätze in Sicherheit zu bringen ... Nun schleichen sie schon von deinem Sterbebett , noch ehe du erkaltet bist ! .. Noch einmal tastet dein erstarrter Arm nach einem Glockenzug , du jammerst um einen Labetrunk Wassers und niemand will kommen , dir deine verschmachtenden Lippen zu benetzen ! ... Wo sind sie , die Köche , die Haushofmeister , die Frauen deines Barbiers , des Allgewaltigen , den du zum Camerlengo erhoben hattest ? ... Sie sind beim Packen ihrer Papiere , bergen ihr Gold , ihr Silber ... Sowie das Auge ihres Herrn gebrochen ist , verweist sie die jahrtausendjährige Regel sofort aus dem Bereich der neuzulüftenden und frisch zu reinigenden Gemächer des Nachfolgers ... Das ist der Brauch , der nach Rom von Byzanz herübergekommen zu sein scheint - Im Orient ist der Tod das Gesetz , das sich auch auf die Umgebungen eines sterbenden Sultans erstreckt ... Sogar seinem Arzt sieht der sterbende Herr der Kirche an , daß ihn der Unmuth drückt um den Verlust seiner Stelle - diese alten Cardinäle haben seit Jahren schon ihr Leben auf eigene Art eingerichtet und nichts verpflichtet sie , das Privatleben ihres Vorgängers fortzusetzen oder zu ehren ... Nicht die jugendliche Sorglosigkeit eines