, bei Zeiten herauszukommen ! Anna , noch bewegt von dem Stolze , wie der edle Greis Dystra ' s geringe Meinung von der ihm gebührenden Rücksicht beschämte , erschreckt von der dem Präsidenten eignen Todessehnsucht , die er oft äußerte , ergriff die zarte kleine Hand , sie bittend und liebevoll streichelnd ... Großväterchen , sagte sie , will mich einmal wieder mein Vielliebchen nicht gewinnen lassen und wir haben doch gewettet , daß die hundert Jahre voll werden ! Da sei Gott für ! antwortete der Greis und sah sich , weil man das Dessert brachte , Früchte und Bisquit , nach seinen gewöhnlichen Dessertgästen um . Die Thüren wurden geöffnet und Noah ' s ganze Arche schien sich zu entleeren . Selbst die Schildkröte wurde auf Anna ' s besondern Befehl von dem Bedienten in den obern Stock getragen ... Der Greis fütterte seine Gäste . Man hatte ihm Schüsseln mit Körnern hingestellt . Er gab reichlich , strafte aber jeden Näscher und gab jedem Gehorsamen mit Schmeichelreden ... Es ist die Liebe , sagte er zu dem erstaunt blickenden Dystra , den seine Beklommenheit verließ , es ist die Liebe , die die ganze Thierwelt nur zu sehr an uns vermißt . Wenn wir uns vor Dem , was außer uns lebt , fürchten , so geht Das noch , es ist eine Idiosynkrasie der Gattung ; aber wir hassen die Thiere ; wir toben unsre Leidenschaften an ihnen , wie nur zu oft auch an unsern Kindern aus . Kein Wunder , daß Alles um uns her dann tückisch , zornig , rachsüchtig wird und nun auch wieder seine Leidenschaft gegen das noch Schwächere austobt ! Wodurch verbind ' ich Hund und Katze ? Dadurch , daß ich sie nicht aufeinanderhetze , nicht Gefallen an ihren Unarten finde . Ich verweise Sie auf den Blick des Thieres . Finden Sie da in meinem großen schwarzen Bafomet - der Greis nahm den riesigen Kater und stellte ihn dicht vor sich auf den Tisch - nicht einen Ausdruck der stillen Ergebung , des geduldigen Tragens dieser Erdenhülle .. ? Daß man fast an die Seelenwanderung glauben möchte ? sagte Dystra forschend , ob nicht dies alte ägyptische Dogma in dem etwas ketzerisch sich äußernden Alten zum Vorschein käme ... Da erhob sich aber eben Anna . Sie hatte es drei Uhr vom Kirchthurme schlagen hören und schon erblickte sie einen Wagen , der von der Landstraße ablenkend zum Hause herauffuhr ... Vielleicht der der Frau von Trompetta , die immer die Erste war . Sie wissen , Baron , sagte sie mit hocherröthenden Wangen , daß wir heute unsre musikalischen Übungen haben ; aber ich bedaure , daß die Anwesenheit ungeladner Zeugen ... Das sind strenge Gesetze , warf der Greis , sich erhebend , scherzend ein , aber ich zeige Herrn von Dystra einen Winkel , wo wir unbelauscht zuhören können oder ... Unsern Mittagsschlaf halten , ergänzte Dystra mit Beziehung auf den Greis . O nein ! O nein ! lehnte dieser ab . Mein Ohr hört nie schärfer , als wenn die Augen zufallen . Ich schließe die Augen , Baron , in dem kleinen Winkel , den ich Ihnen zeigen werde , aber wenn man Bach und Händel singt , schlaf ' ich nicht . Dystra war weder für Bach noch für Händel besonders eingenommen , aber er sah , daß die Excellenz gesprächig werden konnte . In der Hoffnung , daß eine Erörterung , die schon bei der Seelenwanderung angekommen war , sich auch noch auf das Mittelalter , das heilige Grab und die Tempelherren würde ausdehnen lassen , erklärte er , die Winke der Frau Landräthin nicht zu verstehen und sich ganz im Verborgenen halten zu wollen . Sein Spartakus und Cicero säßen hoffentlich bedacht in der Küche ... Die Nachricht von den Mohren machte dem Alten große Freude . Er wünschte sie später zu sehen ... Hätte Dystra ahnen können , was Alles die arme Kapellmeisterin bestürmte , er würde sie mehr geschont haben ! Sie sollte ihm jetzt sagen , was Olga triebe , warum sie nicht gekommen wäre , ob sie bei Tisch immer schwiege , ob sie vor den Thieren nicht Apprehensionen empfände , ob er wagen dürfte , sie in ihrem Zimmer zu überraschen , wo hinaus es läge , ob sie jetzt äße ... Alle diese Fragen erwiderte sie mit dem einfachen Bescheide , Olga male , sie würde zu ihr gehen und ihr leider wol wiederholt die Versicherung geben müssen , daß man sie betrachten wolle wie eine Einsiedlerin ... Also nach Norden liegt ihr Zimmer ! sagte Dystra und wollte trotzdem folgen , wenn nicht der Greis sich erboten hätte , ihm jetzt den Versteck zu zeigen , aus dem er gewohnt wäre , den Akademieen zuzuhören . Dystra mußte ihm schon den Arm bieten . Sie gingen über den Corridor , eine kleine versteckte Treppe hinunter ... Inzwischen hatte sich die Zahl der Wägen , die vorfuhren , ansehnlich vermehrt ... Anna hatte Olga ersucht , an der Akademie Theil zu nehmen ... Sie schlug die Aufforderung aus ... es bebte ihr durch ' s Herz , als das träumerische Mädchen , ihr fast stereotypes Schweigen brechend , gesagt hatte : Dein Haus ist wol ein Gefängniß für mich ; aber die gefiederten Sänger der Luft wohnen gern in ihm . Ich gehöre zu den Stillen , die man nur muß gehen lassen , wenn sie Jeden erfreuen sollen . Ich weiß , jener Dystra ist bei Euch , dem sie mich vermählen wollen , weil er Schätze besitzt . Ich fliehe vor ihm , wie vor der Klapperschlange die Thiere fliehen , über die ich dem Großpapa zuweilen vorlese . Deine Welt , in der du lebst , liebe Anna , ist wunderbar . Weißt du , daß ich manchmal Muth bekomme , weit , weit über die Thiere und Menschen hinaus , die sich vor Schlangen fürchten ? Ich bin