. » Nun denn , wenn du mich dazu zwingen willst , so mögen mein Vater und Leo auch den Grund erfahren . Ich habe deine dunkeln Worte neulich nicht begriffen – jetzt verstehe ich sie . Ich soll der Schild sein , mit dem du dich deinem Sohne gegenüber deckst . Du glaubst , daß ich die einzige bin , die Waldemar nicht opfert , die einzige , die ihn zurückhalten kann . Ich glaube das nicht , denn ich kenne ihn besser als du , aber gleichviel , wer von uns recht hat – ich will die Probe nicht machen . « » Und ich würde das auch nun und nimmermehr dulden , « brauste Leo auf . » Wenn das der Grund war , so bleibt Wanda in Rakowicz und setzt keinen Fuß nach Wilicza . Ich habe geglaubt , Waldemars einstige Neigung sei längst begraben und vergessen ; ist sie es nicht – und sie kann es nicht sein , sonst wäre der Plan nicht gefaßt worden – so lasse ich dich auch nicht einen Tag in seiner Nähe . « » Sei ruhig ! « sagte Wanda , aber ihre eigene Stimme war nichts weniger als ruhig . » Ich lasse mich nicht wieder als bloßes Werkzeug gebrauchen , wie damals in C. Einmal habe ich mit diesem Manne und seiner Liebe gespielt ; zum zweitenmal thue ich es nicht . Er hat mich seine Verachtung fühlen lassen – ich weiß , wie das lastet , und doch handelte es sich damals nur um die Laune eines unbesonnenen Kindes . Wenn er jetzt einen Plan , eine Berechnung entdeckte und ich müßte das eines Tages in seinen Augen lesen – eher sterben als das ertragen ! « Sie hatte sich von ihrer Heftigkeit so weit fortreißen lassen , daß sie ihre ganze Umgebung darüber vergaß . Hochaufgerichtet , mit glühenden Wangen und flammenden Augen schleuderte sie die Worte so leidenschaftlich heraus , daß der Graf sie befremdet und die Fürstin bestürzt anblickte . Leo dagegen , der dicht an ihrer Seite stand , wich zurück ; er war bleich geworden , und in seinen Augen , die starr und fragend auf ihrem Antlitz hafteten , stand mehr als bloße Befremdung oder Bestürzung . » Eher sterben ! « wiederholte er . » Liegt dir so viel an Waldemars Achtung ? Verstehst du es so gut , in seinen Augen zu lesen ? Das ist doch seltsam . « Eine heiße Röte ergoß sich urplötzlich über Wandas Gesicht , sie mochte es wohl selbst nicht wissen , denn sie warf dem jungen Fürsten einen Blick ungekünstelter Entrüstung zu und wollte ihm antworten , als ihr Vater dazwischen trat . » Nur jetzt keine von deinen Eifersuchtsscenen , Leo ! « sagte er ernst . » Willst du uns den Abschied stören und Wanda noch in der letzten Minute beleidigen ? Da du jetzt auch darauf bestehst , so mag sie in Rakowicz bleiben ; meine Schwester wird euch in diesem Punkte nachgeben , aber nun kränke Wanda nicht länger mit einem solchen Verdachte ! Die Zeit drängt – wir müssen lebewohl sagen . « Er zog die Tochter an sich , und jetzt im Augenblicke der Trennung brach wieder die ganze Zärtlichkeit des ernsten , düsteren Mannes für sein einziges Kind hervor , das er mit tiefer , schmerzlicher Bewegung in die Arme schloß . Die Fürstin dagegen wartete umsonst auf die Annäherung ihres Sohnes ; er stand noch immer mit tiefverfinstertem Gesicht da , das Auge am Boden , und biß sich auf die Lippen , daß sie bluteten . » Nun , Leo , « mahnte die Mutter endlich , » willst du mir nicht lebewohl sagen ? « Er schreckte aus seinem Brüten empor . » Noch nicht , Mama ! Ich folge dem Onkel erst später ; er braucht mich fürs erste nicht . Ich will noch einige Tage hier bleiben . « » Leo ! « rief der Graf zürnend , während Wanda sich mit dem gleichen Ausdrucke aus seinen Armen emporrichtete , aber das schien den jungen Fürsten in seinem Trotze nur noch zu bestärken . » Ich bleibe , « beharrte er , » auf zwei oder drei Tage kann es unmöglich ankommen . Erst will ich Wanda selbst nach Rakowicz zurückgeleiten und die Gewißheit haben , daß sie dort bleibt , vor allen Dingen aber will ich Waldemars Ankunft abwarten und mir auf dem kürzesten Wege Klarheit verschaffen . Ich werde ihn über seine Gefühle für meine Braut zur Rede stellen ; ich werde – « » Fürst Leo Baratowski wird thun , was seine Pflicht ihm befiehlt , und nichts andres , « unterbrach ihn die Fürstin . Ihre kalte , klare Stimme stand im schärfsten Gegensatz zu dem wild erregten Tone des Sohnes . » Er wird seinem Oheim folgen , wie es bestimmt ist , und nicht eine Minute von seiner Seite weichen . « » Ich kann nicht , « rief Leo ungestüm , » Ich kann nicht fort mit diesem Argwohne im Herzen . Ihr habt mir Wandas Hand zugesagt , und doch durfte ich nie ein Recht auf sie geltend machen . Sie selbst hat darin immer kalt und unerbittlich auf eurer Seite gestanden ; sie wollte immer nur der Preis des Kampfes sein , in den wir gehen . Jetzt aber fordere ich , daß sie vorher öffentlich und feierlich sich zu meiner Braut erklärt , hier , in Waldemars Gegenwart , vor seinen Augen . Dann will ich gehen , aber eher weiche ich nicht aus dem Schlosse . Waldemar hat sich ja in einer so überraschenden Weise zum Herrn und Gebieter aufgeworfen , was ihm niemand zutraute ; er könnte sich einmal ebenso plötzlich in einen glühenden Anbeter verwandeln . « » Nein , Leo , « sagte Wanda mit zorniger Verachtung , » aber dein Bruder würde sich beim Beginne eines Kampfes sicher nicht weigern , seiner Pflicht