er von Neuem hervor und endete schließlich in einem wahren Aufstande , mit dem das ganze Haus stürmisch das Erscheinen des Componisten forderte . Signor Rinaldo ließ lange auf sich warten , ehe er diesem Verlangen Folge leistete ; er ließ , trotz all der stürmischen Rufe , die ihm galten , Signora Biancona immer wieder allein vortreten . Erst am Schlusse der Oper , als das Rufen in ein Toben ausartete und der Ansturm der Begeisterung nicht länger zu bändigen war , erst da zeigte er sich und wurde nun vom Publicum in einer Weise begrüßt , die selbst den maßlosesten Ehrgeiz befriedigt hätte . Stolz und ruhig trat Rinaldo auf die Bühne ; fast unbewegt stand er inmitten all der begeisterten Huldigungen . Er hatte es längst gelernt , Triumphe als etwas ihm Gebührendes hinzunehmen , und so ungemessen der heutige war , er raubte ihm nicht einen Moment lang die Fassung . Seine dunklen Augen glitten langsam an den Logenreihen hin , plötzlich aber blieben sie gefesselt an einem Punkte haften . Es war , als ob ein elektrischer Schlag auf einmal das ganze Wesen des Mannes durchzucke , so schreckte er empor , und jetzt flammte sein Blick auf – jener Blick leidenschaftlichen Entzückens , für den Beatrice heute vergebens alle Macht ihres Talentes eingesetzt hatte – und wenn das blonde Haupt , das nur einen Augenblick sichtbar geworden war , auch im nächsten schon wieder verschwand , er wußte jetzt doch , wer sich hinter den Vorhängen jener Loge barg , wer Zeuge seines Triumphes wurde . „ Eleonore , das war unvorsichtig ! “ sagte Erlau , der gleichfalls von der Brüstung zurücktrat . „ Du beugtest Dich zu weit vor . Du bist gesehen worden . “ Die junge Frau gab keine Antwort ; sie stand aufrecht , mit beiden Händen die Lehne des Sessels umfassend , von dem sie sich in völliger Selbstvergessenheit erhoben hatte . Die großen , thränenvollen Augen waren noch unverwandt auf die Bühne gerichtet , wo Reinhold soeben nochmals vortrat , um dem Publicum zu danken , dieser jubelnden stürmisch erregten Menge , deren einziger Mittelpunkt er jetzt war . All diese tausend Augen waren auf ihn allein gerichtet ; all diese Lippen und Hände verkündeten ihm seinen Sieg , und während Lorbeerkränze und Lorbeerzweige zu seinen Füßen sanken , hallte sein Name , wie von einer brausenden Woge hoch emporgetragen , in tausendfachem Echo zurück . Bei dem – schen Gesandten fand eine große Soirée statt , die erste derartige Festlichkeit in der Saison . Durch die weiten und prachtvollen Räume des Gesandtschaftshôtels wogte eine zahlreiche Gesellschaft . In den lichtstrahlenden , blumendurchdufteten Salons rauschten die Schleppen und blitzten die Uniformen ; neben reizenden Frauengesichtern und vornehmen Ordensträgern sah man aber auch manche ernste bedeutende Männergestalt in einfacher Civiltracht , und unter all diesen längst bekannten Gestalten und Namen tauchten so manche fremde auf , die , je nach ihrer Erscheinung und ihrem Klange , eine größere oder geringere Aufmerksamkeit beanspruchten , um sich schließlich unter der Menge der Gäste zu verlieren . Auch Reinhold und Capitain Almbach befanden sich unter den Eingeladenen , und der erstere war auch hier wieder der Gegenstand allseitiger Huldigungen , wenn diese sich auch weniger ungestüm kundgaben , als neulich im Theater . Rinaldo galt längst in der Gesellschaft als eine Berühmtheit ersten Ranges . Seine neue Oper machte ihn vollends zum Löwen der Saison , und er konnte sich nicht zeigen , ohne sogleich von allen Seiten umringt und beglückwünscht zu werden . Mit ihm theilte die geniale Darstellerin seiner Schöpfung , Signora Biancona , die allgemeine Aufmerksamkeit . Leider kam man diesmal nicht in den Fall , den Ausdruck der Bewunderung beiden gemeinschaftlich darzubringen , denn sie schienen sich eher zu meiden als zu suchen . Aufmerksame Beobachter wollten behaupten , daß so etwas wie ein Zerwürfniß zwischen Beiden stattgefunden haben müsse , denn sie waren zu verschiedenen Zeiten gekommen und näherten sich fast gar nicht einander . Nichtsdestoweniger war auch die Künstlerin fortwährend von Huldigungen umgeben , an denen ihre Schönheit vielleicht einen nicht geringen Antheil hatte . Beatrice verstand es meisterhaft , sich zu „ drapiren “ , für den Salon nicht weniger wie für die Bühne , und wenn ihre Toilette auch gewöhnlich etwas Phantastisches zeigte , so entsprach dies so durchaus der Eigenart ihrer Erscheinung , daß sie nur um so hinreißender erschien . Die Sängerin trug , wie so viele ihrer Landsmänninnen , mit Vorliebe schwarze Kleidung , und hatte diese auch heute gewählt , aber die aus Sammet , Atlas und Spitzen zusammengesetzte Robe war dennoch von einer verschwenderischen Pracht , und auf dem dunklen Grunde funkelte ein reicher Juwelenschmuck . Einzelne purpurrothe Blüthen , scheinbar regellos hier und da in die Locken gestreut , schienen den schwarzen Spitzenschleier zu halten , und damit bildete der dunkle Teint der Italienerin und die lodernde Gluth ihrer Augen ein Ganzes , das , wenn es auf den Effect berechnet war , wenigstens diese Wirkung im vollsten Maße erreichte . „ Ah , Mr. Almbach , finde ich Sie hier ? “ fragte Lord Elton , der , glücklich endlich Jemand zu finden , mit dem er Englisch sprechen konnte , auf den Capitain zutrat . „ Ich wollte Sie bereits in diesen Tagen aufsuchen . Die neue Oper Ihres Bruders – “ „ Um Gotteswillen , Mylord , fangen Sie mir nicht auch noch davon an ! “ unterbrach ihn Hugo mit einer Geberde des Entsetzens . „ Seit dem Tage der Aufführung werde auch ich halb todt gequält mit dieser Oper meines Bruders ; alle Welt fühlt sich verpflichtet mich gleichfalls zu beglückwünschen . Wie oft habe ich schon eine Revolution , ein Erdbeben oder doch mindestens einen kleinen Vesuvausbruch herbeigewünscht , nur damit endlich einmal in der Gesellschaft von etwas Anderem gesprochen werde ! “ Der Lord schüttelte halb lachend , halb mißbilligend den Kopf . „ Mr. Almbach , Sie sollten das