doch die Beruhigung , dich nicht auf dem Pferde sehen zu müssen , du böser , kleiner Trotzkopf ! ... Du versprichst mir fest , daß du auf deinen Morgenritten nicht in meinen Gesichtskreis kommen willst , nicht wahr , liebste Gisela ? « Das junge Mädchen bejahte mit sichtlicher Ungeduld . Diese Zärtlichkeit , die auch nicht einen Funken von Sympathie in ihr zu erwecken vermochte , bedruckte sie wie ein Alp , den sie um jeden Preis abschütteln wollte . » Nun , so geh mit Gott , mein Kind ! « rief die schöne Stiefmutter und wandte ihr Gesicht wieder dem Spiegel zu . Gisela verschwand , und Frau von Herbeck folgte ihr nach einer tiefen Verbeugung gegen die Exzellenz am Spiegel . Die Tür fiel ins Schloß , und die Dame sank , wie zu Tode ermattet , auf einem Sessel in sich zusammen , während sie die Hand über die Augen legte . Daß die kleinen Pariser Maiblumen und Erdbeerblüten auf dem Kleid bei der heftigen , rücksichtslosen Bewegung alle Frische einbüßen mußten , kümmerte die Hingesunkene nicht – ein nie dagewesener Moment ! Die Kammerfrau schlug stillschweigend die Hände zusammen , aber bei aller Aufregung huschte doch ihr Blick schadenfroh und boshaft nach der gestrengen Herrin hinüber ... Das war freilich herzbrechend genug ! ... Wie oft hatte sie diese wundervollen Steine in das nachtschwarze Haar der schönen Frau versenkt und den stolzen Nacken , den sie selbst nie berühren durfte , mit ihnen geschmückt ! ... Vor zwei Jahren war die reizende deutsche Exzellenz , buchstäblich besät mit Brillanten , auf einem Pariser Balle erschienen ; seit jenem erhabenen , unvergeßlichen Augenblick hieß sie in der vornehmen Welt » die Diamantenfee « . Welche Triumphe , wie viel himmlisch-schöne Stunden knüpften sich an diese glitzernden Schätze ! Sie hatten den Sieg der Schönheit unzähligemal mitgefeiert ! Ihr Funkeln erinnerte an so manche Träne im glühenden Auge Besiegter , welche die verlockende Diamantensirene durch alle Stadien der Leidenschaft geführt hatte , um sie dann hohnlachend mit dem Fuße fortzustoßen ! ... Und nun sollte sie es hingeben , das glänzende Rüstzeug der Koketterie , ohne das sie nicht leben konnte und wollte , sie sollte es hingeben an eine andere , jüngere ! Einen Schleier über die Kämpfe in der Seele einer Frau , die mit bunten Steinen um ihrer Seele Seligkeit würfelt ! ... Währenddessen verließ die junge Gräfin Sturm das weiße Schloß . Alle die großartigen Vorbereitungen zu glänzenden Festen , die sie hinter sich ließ , berührten sie nicht – sie empfand keinerlei Bedauern ... Was lag ihr daran , den Fürsten von Angesicht zu sehen ? Allerdings hatte sie eine unbegrenzte Verehrung für seine erhabene Lebensstellung ; die war ihr ja von ihrem ersten Gedanken an fast noch sorgfältiger eingeprägt worden als die Gottesverehrung ; aber sie war auch weit entfernt von dem Kinderglauben der großen Menge , der einen ganz besonderen Stempel auf dem Gesicht der Herren von Gottes Gnaden sehen will . Ja , sie hatte den Wunsch , dem Fürsten vorgestellt zu werden ; aber nur aus Rücksicht auf die Traditionen der alten Geschlechter Sturm und Völdern ! Ihre Ahnen waren seit Jahrhunderten in den Festsälen der Höfe erschienen ; sie hatten den Thron umstanden , erlaucht durch die Geburt und durch die Auszeichnung von seiten der Herrscher ! Und diesen Glanz , diese Rechte sollte und mußte die letzte Sturm auch bis zum letzten Atemzug aufrechterhalten – das war eine heilige Pflicht ! ... War es wirklich nur der Gedanke an diese Pflicht , infolgedessen sie heute dem Papa den Wunsch nahegelegt hatte ? ... Eine tiefe Glut schoß in ihr Gesicht – sie hatte ein Geheimnis vor sich selbst , sie flüchtete angstvoll vor den Ausplaudereien ihrer Seele in die Außenwelt ... Ihre Hand griff in das Grün der Eichen , unter denen der Wagen langsam hinfuhr , aber wie die schlanken , zackigen Blätterzungen durch ihre bebenden , weißen Finger glitten , da stand es doch wieder da im zitternden Sonnenglanz , inmitten der uralten Eichen , die mit dem funkelnden Wasserstrahl um die Wette flüsterten – das alte , graue , grünumsponnene Waldhaus ... Und die prächtige Gestalt des Portugiesen schritt majestätisch die Stufen herab ... Der alte Mann in der Haustüre sah ihm nach , auch das Äffchen auf der Schulter des Edelknaben , und der Papagei schnarrte . Er ging in das weiße Schloß , der Portugiese mit der geheimnisvollen , weißen Stirn und den heißen , zuckenden Lippen . Er wurde dem Fürsten vorgestellt , und um den wunderbaren Fremdling her standen die eingeladenen Damen vom Hofe zu A. und die schöne Stiefmutter im waldgrünen Kleide , mit dem Strang von Maiblumen und Erdbeerblüten über den strahlenden schwarzen Augen ... Die Hände des jungen Mädchens sanken plötzlich in den Schoß zurück , und einzelne abgerissene Eichenblätter rieselten auf den Waldboden nieder ... 18 Das weiße Schloß beherbergte seit drei Tagen seinen durchlauchtigsten Gast . Jener üppige Glanz war zurückgekehrt , mit dem einst Prinz Heinrich die vergötterte Gräfin Völdern umgeben hatte . Der Fürst war in Begleitung mehrerer Kavaliere gekommen , und auch an Damen fehlte es nicht . Was die exklusiven Hofkreise in A. an jugendlichen Schönheiten besaßen , war eingeladen worden , selbst die leidende Fürstin , die ihren Gemahl nicht begleiten konnte , hatte als ganz besonderen Beweis ihrer Huld und Gnade für den Herrn des weißen Schlosses , » zur Erhöhung des Glanzes « ihre berühmt schöne und liebenswürdige Hofdame geschickt . Nun sahen die alten Lindenalleen des Schloßgartens wieder rote Frauenlippen lächeln in jener strahlenden Lust , die vom überschäumenden Becher trinkt . In dem geheimnisvollen grünen Halbdunkel wiederholte sich das uralte Spiel des Suchens und Fliehens zwischen schönen , glänzenden Gestalten der Jugend , die hinter dem Fächer die verräterisch leuchtenden Augen und unter oberflächlichem Geplauder das stürmische Klopfen der Pulse verbargen . Und des Prinzen Heinrich geliebte Orangen- und Myrtenbäume , die einst