er sprach , hatte etwas tief Leidenschaftliches ; er war nicht gemacht , das mußte sie selbst zugeben – » und doch haben Sie keinen treueren Freund auf Erden als mich . « » Ich habe zwei Freunde – meine Geschwister – eine andere Freundschaft suche ich nicht , « versetzte sie . Er schlug bei dieser eisigkalten Zurückweisung die geballten Hände vor die Brust , als habe er einen Schuß empfangen – mit unheimlich glimmenden Augen trat er ihr einen Schritt näher . » Gnädige Frau , hier in Schönwerth sollten Sie nicht eine so stolze , verletzende Sprache führen , « sagte er mit heiserer Stimme . » Hier , wo Sie wurzellos im Boden hängen , wo Sie der Spielball eines jeden Windhauches sind – « » Gott sei Dank ! vom Standpunkte meiner Grundsätze hat er mich nicht um eine Linie drängen können . « » Was fragt die Welt nach diesem inneren Halt , die Welt , die sich über Ihre schiefe Stellung hier im Hause , über das Motiv , infolgedessen man Sie zur Frau von Mainau gemacht hat , lächelnd die demütigendsten Dinge zuraunt ! « Sie wurde noch blässer als vorher . » Wozu sagen Sie mir das ? « fragte sie mit ungewisser Stimme . » Uebrigens kenne ich › die Motive ‹ , infolge derer ich hier bin – ich soll Leo Mutter und dem verwaisten Hause Herrin sein – eine Stellung , die mein Frauengefühl in keiner Weise verletzt , « fügte sie mit ungebeugter stolzer Haltung und kühler Ruhe hinzu . Diese Gelassenheit erbitterte ihn sichtlich . » Wohl – wären Sie es in Wirklichkeit gewesen ! « sagte er rasch . » Aber der Mangel einer Herrin ist in Schönwerth wohl selten empfunden worden . Die vorgerückten Jahre und die Respektabilität des Hofmarschalls machen eine dame d ' honneur bei Festivitäten vollkommen überflüssig , und das Hauswesen versteht er ja zu kontrollieren , wie kaum eine Frau ; Leo aber soll die militärische Karriere machen – er wird Schönwerth und die mütterliche Obhut früh verlassen müssen – diese Motive sind schwerlich in Betracht gekommen ; die Haupttriebfeder ist Rachedurst , glühender Rachedurst gewesen ; ich weiß nicht , ob das Gefühl einer Frau auch unverletzt bleibt , wenn man ihr mitteilt , daß sie einzig und allein gewählt worden ist , um eine andere zu züchtigen , um derselben ein entsetzliches Weh in einer Art und Weise zuzufügen , wie sie sich raffinierter und grausamer nicht denken läßt . « Die großen , grauen Augen der jungen Frau starrten den Sprechenden wie entgeistert an ; aber gerade dieses schmerzliche Verstummen , dieser Blick voll unverhüllten Schreckens ließen ihn hart und unerbittlich fortfahren ; » Wer Baron Mainau kennt , der weiß , daß sein ganzes Thun und Wesen auf den Effekt berechnet ist . Hören Sie , wie er hier zu Werke gegangen ist ! Er hat in seinen Jünglingsjahren eine hochgestellte Dame leidenschaftlich geliebt und sie hat diese Liebe ebenso glühend erwidert ; durch ihre Angehörigen aber ist sie gezwungen worden , zu entsagen , um den höchsten Rang im Lande einzunehmen – Baron Mainau mag vielleicht nicht ganz im Unrecht sein , wenn er das strafbare Untreue nennt ; in den Augen aller Eingeweihten aber war es ein furchtbares Hinopfern für Standespflichten ... Der Tod hat die Frau , die nie aufgehört , ihn zu lieben , wieder frei gemacht ; der armen Dulderin in Hermelin und Purpur ist ein neues Morgenrot aufgegangen – sie hat all den schweren Fürstenglanz abwerfen wollen , um in der elften Stunde noch eine liebende und geliebte Gattin und glücklich zu werden – wem ist es je geglückt , die wahren Absichten , den Endpunkt des Handelns bei Baron Mainau zu berechnen ? ... Er hat ungezwungen , in liebenswürdigster Weise während der Trauerzeit mit der Dame verkehrt und sich wahrhaft teuflisch unbefangen gezeigt bis zu dem Moment , wo sie , glühend vor Liebe und seliger Hoffnung , seine Werbung um ihre Hand erwartet , und er ihr , angesichts des ganzen Hofes , kaltblütig seine Verlobung mit – Juliane , Gräfin von Trachenberg , anzeigt . – Das hat allerdings einen ungeheuren Effekt gemacht – es war ein satanischer Triumph . « Die junge Frau hatte die verschränkten Hände auf den hohen Aufsatz des Schreibtisches gelegt und preßte die Stirn darauf . Sie hätte sich am liebsten tief im Schoß der Erde vergraben mögen , um nur diese mitleidslose Stimme nicht mehr zu hören , die ihrem Familienstolze , ihrer weiblichen Würde und ihrem , ja , ihrem Herzen nie zu heilende Wunden schlug . » Was nach dieser Komödie kommen mußte , das war ihm sehr gleichgültig , « fuhr der Hofprediger in überstürzter Hast fort – es klang , als geize er mit jedem Augenblick , in welchem er dieser Frau endlich einmal allein , ohne Zeugen , gegenüberstand . » Für Pflichtgefühl hat ja dies Seele dieses Mannes keinen Raum , wie er schon seiner ersten hinreißend liebenswürdigen , edlen Gemahlin gegenüber durch die rücksichtsloseste Vernachlässigung bewiesen « – jetzt hob sie das Gesicht : er log , der Priester , edel war jene Frau nicht gewesen , die bei jedem Widerspruch mit den Füßen gestampft und mit Messern und Scheren um sich geworfen hatte – » auch sie hat er einst an seine Seite gerissen , lediglich um der fürstlichen Dame zu beweisen , daß er sich aus ihrer Untreue nicht mache ... Gnädige Frau , sie war noch zu beneiden im Vergleiche zu der zweiten , die er seiner verletzten schrankenlosen Eitelkeit opferte – ihr stand der Vater zur Seite – die zweite Frau hat auch ihn gegen sich , ja , er ist ihr furchtbarster Feind ... Er weiß jetzt , daß die Einsegnung dieser verhaßten zweiten Ehe nichts als die Besiegelung eines unerhörten Racheaktes gewesen ist , er weiß , daß die fürstliche Dame alles aufbieten wird , doch noch