einem Ausruf des Entzückens nahm ich das Kind in meine Arme . Halb weinend , halb lachend küßte ich die dunklen Augen , und der kleine Kerl jauchzte und lachte mit und fuhr mit den Händen in meine Haare . » So weiß ich es gut aufgehoben « , sagte Eberhardt , und es schimmerte feucht in seinen Augen . » Ich habe ein Kommando von mehreren Wochen , und sie ist abgereist , ohne sich nach dem Kinde umzusehen . Sie glaubte vielleicht , ich werde es pflegen können , wie immer , und ich hätte es getan , wäre nicht dies dazwischengekommen . Die Kinderfrau ist mir davongelaufen , indem sie erklärte , in einem Hause , wo die gnädige Frau stets böse wäre , wollte sie nicht bleiben . Gretchen , ich weiß , du – « Er hielt mir seine Hand hin . » Ohne Sorge ! « rief ich . » Es wird meine heiligste Pflicht sein , das Kind zu hüten ! « » Lebe wohl ! « Er beugte sich über das Kind hernieder und küßte die kleinen Händchen , dann ging er aus der Tür . Ich war allein – nein , nicht allein , ich hielt ja sein Kind in meinen Armen . Das Herz wollte mir springen vor Wonne , vor Glück . Ich eilte an das Licht und sah in die süßen Kinderaugen , und küßte den kleinen Mund und die runden Schultern , die aus dem Kleidchen hervorsahen . » O du süßes , geliebtes , kleines Kindchen , du sollst deine Mutter nicht vermissen ! « flüsterte ich ihm zu , und dann hob ich es wieder auf meinen Arm , schritt im Zimmer auf und ab , und fast unbewußt fing lange nicht singen hören . Schlaf , Kindchen , schlaf ! Da rief Kathrin ängstlich aus der Nebenstube : » Aber , Gretchen , Kind , was ist dir denn ? « Die Alte hatte mich so lange , lange nicht singen gehört . » Oh , Kathrin , sieh doch , sieh ! « rief ich und hielt ihr das Kind entgegen , das , lachend und strampelnd mit Händchen und Füßchen , auf meinem Arme saß . » Was ich hier habe ! Sieh doch , er brachte mir sein Kind , sein Liebstes ! Ach , Kathrin , nun will ich wieder fröhlich und lustig sein und singen ! « Marie , die hereingekommen war , mußte die Lampe bringen , damit Kathrin das süße Ding ordentlich sehen konnte . Die Lippen der Alten bebten leise , als die großen , dunklen Kinderaugen verwundert auf sie herniederschauten , und Marie nannte es einmal über das andere : » Ach , das hübsche , kleine Buberl ! « Wie verweht war meine Trauer , seit langer Zeit hatte mein Herz nicht so frisch geklopft wie jetzt . Ich tummelte mich , die Wiege mußte vom Boden heruntergebracht werden , Milch wurde gekocht , und dann saß ich an der Wiege , in welcher schon meine Mutter und ich gelegen , und sang mit leiser Stimme alte Wiegenlieder , die mich Kathrin als kleines Mädchen gelehrt hatte . Als sich die langen Wimpern des Kindes senkten , da kniete ich nieder , und ein Gebet voll inniger Dankbarkeit stieg aus meinem Herzen empor . Eine glückliche Zeit durchlebte ich nun , um keinen Menschen kümmerte ich mich , nur das Kind – das Kind war meine einzige Sorge . Daß ich es nicht immer würde bei mir behalten können , daran dachte ich nicht . Ich trug es im Garten umher , wenn die Sonne schien , ich leitete die ersten unbeholfenen Schritte und war selig , als ich aus dem undeutlichen Stammeln nach meinem unermüdlichen Vorsagen das erste klare » Papa « heraushören konnte . Es sollte dies ja der Gruß für Eberhardt sein , wenn er kam , sein Kind zu besuchen . So vergingen Tage und Wochen . Vom Schloß erfuhr ich nichts , als daß die Damen noch immer in der Schweiz weilten . Eberhardt war nicht hiergewesen , nur Friedel hatte sich hin und wieder eingestellt , um nach dem Kinde zu fragen und einen Gruß zu bringen . Endlich , an einem schwülen Sommertage , als ich mit dem Kleinen in der schattigen Laube unseres Gartens saß und ihm bunte Steinchen auf den Tisch gelegt hatte , die er mit seinen Händchen unermüdlich wieder herunterwarf , erzählte mir Frau Renner , die mir mit dem Strickstrumpf ein wenig Gesellschaft leistete , gestern abend seien die beiden Damen wieder zurückgekommen , und heute früh sei die Frau v. Eberhardt zur Stadt gefahren . Wahrscheinlich habe sie einen Termin vor Gericht wegen der Scheidung . » Ein hochmütiges , pflichtvergessenes Frauenzimmer « , setzte sie entrüstet hinzu und zeigte auf das spielende Kind . » Es ist eine Sünd ' und Schand ' ! Wenn ' s nur Gott ihr nicht so hingehen lassen wollt ' . « » Bin neugierig « , fuhr sie nach einer Weile fort , » wem das Kind zugesprochen wird , ihm oder ihr ? « – » Ihr ? « wiederholte ich . » Mein Gott , ist denn da überhaupt noch ein Zweifel ? Das Kind , um das sie sich nie gekümmert hat ! « Ich preßte es angstvoll an mich , als wollte man mir es schon entreißen . » Ja , das kommt ganz darauf an « , meinte die kleine Frau , » wie die Sache liegt . Wenn er schuldig ist , kriegt sie es , und umgekehrt kriegt er es , oder nein , ich glaube , wenn sie alle beide schuld haben , dann behält es die Mutter bis zum vollendeten fünften Jahre , später kann es der Vater reklamieren . « » Mein Gott ! « sagte ich und blickte ganz erstarrt in eine Reihe schrecklicher Möglichkeiten hinein . Da hörte ich auf einmal