zusammensitzen , die Bierphilister am Stammtisch , sah das Stubenmädchen der Frau Oberamtmann in wehender , weißgestärkter Schürze mit Kaffee-Einladungen von Haus zu Haus eilen – so was mußte ja ausführlich besprochen , mußte gefeiert werden ! Etwas Interessanteres hatte es seit Menschengedenken nicht gegeben in Breitenfels : dem Schloßhauptmann von Kerkow war die Frau durchgebrannt mit dem Lieutenant der Schloßwache ! - Geschieht ihm recht ! Geschieht ihm recht ! Er lächelte vor sich hin . Was war aus ihm geworden ? Und plötzlich , ohne daß er es selbst wollte , flogen seine Blicke zu dem kleinen Hause hinunter , in dem Aenne May jetzt weilte , und das Lächeln verschwand . Würde auch sie lachen ? Er schüttelte den Kopf . Ach , und wenn auch – er brauchte es ja nicht zu sehen , nur den Frieden sollten sie ihm lassen ! Mochten sie alle lachen , mochte die Eine weinen über ihn , ihm war es recht , nur den müden Frieden sollten sie ihm lassen , der ihn in seiner einsamen Stube , in dem leeren Schlosse so wohlig überkam angesichts des schlummernden Kindes – den müden Frieden , der sich wie ein linder Balsam über seine wunde Seele senkte . [ 241 ] Hede Kerkow pochte den folgenden Morgen an das Zimmer des Oberförsters . Auf sein „ Herein ! “ kam sie über die Schwelle mit blassem verstörten Gesicht . „ Herr Oberförster , ich habe eine Bitte , “ begann sie , „ dieselbe ist eigentlich unbescheiden , aber verzeihen Sie mir angesichts der großen Verlegenheit , die mich zwingt , sie auszusprechen ! “ Der große Mann hatte sich vom Schreibtisch erhoben und schaute betroffen seine Hausdame an , deren feines Gesicht weiß wie eine Kalkwand war und deren Augen tief eingesunken schienen . „ Sie haben doch nicht eine Trauernachricht bekommen ? “ fragte er , an die Schwester im Irrenhause denkend . „ Aber bitte , setzen Sie sich doch , Fräulein Hedwig ! “ „ Danke ! “ sagte sue , „ Eine Trauernachricht , ja ! Sie wissen , Herr Oberförster , wie gern ich in Ihrem Hause allezeit gewesen bin und daß es mir sehr schwer wird , die Kinder verlassen zu müssen , aber ich muß Sie bitten , mir zu erlauben , daß ich sobald als möglich meine Stellung hier aufgebe – ich muß zu Heinz . “ Der Oberförster , der am vorhergehenden Tage in aller Herrgottsfrühe ausgewandert und erst nach zehn Uhr abends zurückgekehrt war , hatte thatsächlich keine Ahnung von irgend welcher [ 242 ]  Katastrophe , von der erst im Lanfe des geswigen Abends unbe ^ fammte Gerüchte die Luft zu durchschwirreu begauneu und die wahrscheiulich erst beim heutigen Frühschoppeu genauer den er ^ regten Gemütern in Breitenfels bekannt werden würde . , ,Frän leiu Hedwig , Sie fehen mich anßer ftande , etwas zu erwidern , stotterte er , , , was ist denn geschehe ? Ueber Hede Kerkows Gesicht flackerte die duukle Röte ver . letzteu Stolzes . Sie fetzte ein paarmal zum Sprecheu au , dauu schwieg fie , uud endlich brachte sie kaum hörbar die Worte her . vor . , ,Taute Gruber schreibt mir foebeu , daß meiueu Bruder ein neues Uuglück betrosse hat- seiue Frau hat ihn verlassen Er autwortete uicha Nach eiuem Weilcheu sagte er ruhigt , ,Die Pslicht gegen den Bruder und sein krankes Kind geht allem vor ^ bitte , verfügen Sie ganz frei über fich , Fräulein von Kerkow ! Sie hob den Blick uud sah ihn au . Es lag etwas Wuuder . liches in ihren Augeu , aus denen das klare Schmerzeuswasser fich Dropfeu um Dropse dräugte , etwas Borwurfsvolles , als thäte ihr die rasche Gewährung der Bitte weh . Er sah es uicht , er hatte deu Kopf halb abgeweudet uud blickte durch die Scheibeu auf die Straße . , ,Ich dauke Ihueu , stammelte fie . , ,Machen Sie sich keine Sorgen um uus , fprach er weiter , , , Karoliue hat viel gelerut von Ihueu , Agnes ist faft erwachfen , uud - , ,Sie werden ja leicht einen Erfatz fiudeu , ergäuzte fie . Er antwortete wieder nicht . . , ,Ich will dem Mädchen die nötigen Anweifungen geben fügte sie mit fefter Stimme hinzu , , , dann mache ich von Ihrer Erlaubuis Gebranch uud gehe hiuauf zu meiuem Bruder . Sie ueigte erufthaft den Kopf , uud schon nach wenigen Mi. nuteu faeg sie den Schloßberg empor . Ohne sich bei Frau vou Gruber des nähereu zu erkuudigeu , ging sie stracks in die Woh . nung ihres Bruders . Es war Regeuwetter hereingebrochen , uud er befaud sich iu . folgedeffeu mit Heiui in feiuem Erkerzimmer . Das Kiud lag auf dem Ruhebett in Decken und Dücher gewickelt , war nerväs uud ungeduldig , es haUe erfahreu , daß die Mutter uie wiederkomme uud daß der Vater darum traurig fei . Das geuügte , das Gleich . gewicht des armeu kleinen Kopfes völlig zu zerftöreu . Das krauke Kerlcheu weinte bald plötzlich laut heraus , bald war es unartig , um gleich hiuterher mit rühreuder Samme um Verzeihung zu bitte , uud das trübe Wetter fiel ihm volleuds auf die zarteu Nerveu . Hedes Auklopfeu war überhört worden Heiui schluchzte gerade so laut . Heiuz kuiete vor dem Lager feines Kindes und . redete ihm zu , als plötzlich Hede vor ihueu ftaud . , ,Da bin ich , Heiuz , sagte sie einfach , , , und wenn du mich gebrauche kauuft , bleibe ich gleich hier . Sie hielt ihm die Haud hin , er legte die seine hinein , uud Heiui hörte auf zu weiuen Sprecheu thateu die Geschwifter kein Wort . Nach einer laugeu Paufe , währeud welcher sie dem Kleiueu immer wieder die heruuter . salleudeu Bausteine aushob uud Heiuz im Zimmer auf uud ab schritt , fragte er fteheu bleibend ..