nicht , Tante ! Er schläft so ruhig ; er sieht so glücklich aus . “ Dann wandte sie sich langsam zum Gehen . Im Stübchen blieb sie stehen . „ Onkel , “ sagte sie leise und legte die kleine Hand auf seinen Arm , „ darf ich Dir wohl in dieser Stunde mit einer Frage kommen ? “ „ Zu jeder Zeit , auch jetzt , mein Lieschen ! Ahne ich recht , wenn ich meine , es handelt sich um Dich und Army ? Es ist mir heute etwas davon zu Ohren gekommen “ „ Ja Onkel , und ich kann nicht so fortgehen , ohne daß Du mir gesagt hast , wie ich handeln muß . “ Sie setzte sich auf das kleine Sopha . „ Der Vater verweigerte sein Jawort , “ fuhr sie fort , „ und die Muhme sagte , die Verbindung mit Army sei mein Unglück , Onkel , weil er nicht an mich , weil er nur an mein Geld dabei denke , und der Vater rief meinen Mädchenstolz an . – Zuerst fügte ich mich ihm ; es war ein so furchtbares Gefühl das zu erfahren , ich wollte auch stark sein , Onkel , aber dann – dann kam seine Mutter und jammerte , er wolle fort nach Amerika , und da , Onkel , da trieb es mich hin zu ihm , und ich bat ihn , nicht fortzugehen ; ich war halb wahnsinnig vor Angst und Schmerz . Er sollte mich doch als guten Cameraden betrachten , habe ich ihm gesagt . Und dann hat der Vater eingewilligt , weil ich ihn so sehr bat ; auf den Knieen habe ich gelegen , Onkel – ich wäre ja gestorben , hätte Army fortgemußt nach Amerika , und ich hätte nicht Alles versucht ihn zu retten ; Army weiß nicht einmal , welche Kämpfe es gekostet hat . Und jetzt wird es mir so namenlos schwer , wenn ich neben ihm stehe ; bei jedem Schritt an seiner Seite thut mir das Herz weh , und da regt sich der Stolz in mir , daß ich zwar seine Braut bin , aber die ungeliebte . Ach , Onkel , ich bin so unglücklich ! “ Sie brach in Thränen aus und barg den Kopf in die Kissen des Sophas . „ Liebes Kind , “ sagte der geistliche Herr und streichelte ihr leise über das volle Haar , indem er sich neben sie setzte und ihre Hand ergriff , „ mir fällt da ein Sprüchlein aus dem Stammbuch meiner Rosine ein ; ihre alte Großmutter schrieb es ihr hinein , da sie , ein junges Mädchen , aus dem Vaterhause ging , um in der Fremde als Erzieherin ihren Lebensunterhalt zu erwerben . ‚ Wenn Du einmal im Zwiespalt bist mit Deinen Gefühlen , mein geliebtes Kind , und Gekränktsein und verletzte Eitelkeit kämpfen mit der Neigung zum Verzeihen , zum Lieben , dann laß die Liebe triumphiren , selbst um den Preis gedemüthigt zu erscheinen ! Das Herrlichste , das Schönste , was eine Frau zu thun vermag , ist zu lieben , immer zu lieben , ob ihr gleich weh geschah . ‘ Habe Geduld , Kind ! “ fügte er hinzu , als das Mädchen ihn mit thränenerfüllten Augen anblickte , „ er hat erst eben eine bittere Enttäuschung erlebt , und das Bewußtsein einen Schritt zu thun , der von keiner Seite zu seinen Gunsten ausgelegt werden wird , mag Marterndes genug für ihn haben . Er wird das überwinden , Dir dankbar sein , daß Du ihn vor Schande und Noth gerettet hast , und eines Tages entdeckst Du ein Fünkchen von Liebe für Dich in seinem Herzen , das , mit Demuth und Schonung , mit nimmermüdem Freundlichsein gehegt und gepflegt , dereinst noch zur hellen Flamme auflodert . Aber hüte Dich , daß Du den schwachen Funken nicht erstickst durch Empfindlichkeit , gehe mit ihm um wie mit einem kranken Kinde ! “ Lieschen war aufgestanden . „ Ich danke Dir , Onkel , “ sagte sie leise , „ und nicht wahr , Du beruhigst auch die Eltern , daß ich noch glücklich werden kann , und die Muhme ? Ich will freundlich zu Army sein und nachsichtig , und will meine Empfindlichkeit bekämpfen . Ach , wenn nur der Vater mir und dem Army nicht böse sein wollte ! Er ist so finster und so trübe ! “ „ Es ist schwer für ihn , Kind , die Sorge fahren zu lassen ; Du bist seine einzige Tochter , und Du trittst in so verwickelte Verhältnisse , in eine ganz andere Sphäre . Mach ’ ihm keinen Vorwurf , wenn er die Stirn in Falten zieht , und ebenso wenig der Muhme ! Die alte Frau hat Dich so lieb . Sie werden wieder heiter blicken , wenn sie Dich zufrieden sehen an Army ’ s Seite , und das liegt in Deiner Hand – Du liebst ihn , und Du weißt : die Liebe duldet Alles ; sie erträgt Alles , und sie hoffet Alles – “ „ Das ist das rechte Wort , Onkel , “ sagte sie mit aufleuchtendem Blick und reichte ihm die Hand ; „ ich will es wahr machen jetzt , Leb ’ wohl , Onkel ! Ich komme morgen wieder , und – – ach , lieber , lieber Onkel , dem Karl ist soviel Schmerz erspart geblieben ! “ Draußen vor dem Wagenschlag stand Army ; er half ihr einsteigen und nahm neben ihr Platz . Wieder fuhren sie schweigend in die Nacht hinaus . „ Army , “ sagte sie plötzlich und legte ihre Hand auf seine Schulter , „ ich war wohl verstimmt und unfreundlich ? Verzeihe mir – ich komme eben aus einem Sterbehause – “ Er nahm ihre Hand in die seine und wandte sich zu ihr . „ Ich habe eine Bitte an Dich , “