Rauschen des Waldes , über dessen Wipfel ein scharfer Ostwind herblies . Und die heiß werdende Sonne glänzte herunter auf ein Geblitze von Waffen und auf ein Gewimmel tollgewordener Farben , die so lustig durcheinander leuchteten , als sollte inmitten des ernstgrünen Bergwaldes eine bunte Faschingsmette ihren Anfang nehmen . Hauptmann Grans war mit dem Büchsenmeister Kuen und dem Hauptmann Seipelstorfer zu einem geheimen Kriegsrat zusammengetreten , abseits vom Gewimmel des Heerhaufens und vom Geschrei der Burghausener Gelägerdirnen , die ihre Huschelzelte und Zapfbuden aufschlugen , schon Feuer machten und zu kochen begannen . Die drei Herren , die sich da berieten , waren so guter Laune , als vertrieben sie sich die Zeit mit dem Erzählen lustiger Geschichten . Auch bei den Geschützen gab ' s eine Heiterkeit . Die Bauern , von denen die meisten noch nie eine Bumbarde gesehen hatten , drängten sich mit Hacken und Spaten auf den Schultern um die zwei Kammerbüchsen und die plumpe Trommelkanone , die sechs Rohre hatte , mit Hilfe des Springfeuers einer Zündschnur in flinker Folge sechs faustgroße Kugeln schoß - pu pu pu pu pu pu - und von diesem hurtigen Gepummer ihren Namen hatte . Die kleinere der beiden Kammerbüchsen hieß die Hornaußin , und auf der größeren war in schwer entzifferbarer Spiegelschrift ein Vers in Metall gegossen : Die Landshuterin heiß ich Auf den Ingolstädter pfeif ich . Als die Bauern das Sprüchlein enträtselt hatten , begannen sie eine derbe Debatte über die Frage , ob dieser unreine Reim als sinngemäß zu erachten wäre . Lang hatten sie nicht zu lachen ; sie mußten gleich die Schanzarbeit auf dem Fuchsenstein beginnen . Vor der zehnten Morgenstunde wurde der Sergeant mit dem weißen Fähnlein und einem Geleit von vier Knechten ausgeschickt , um sich beim heiligen Peter nach dem letzten Worte zu erkundigen . » Geh mit ! « sagte Hauptmann Grans zu Malimmes . » Du bist einer , der weiß , wie man eine Mauer angucken muß ! « Malimmes empfing diesen Auftrag wie eine willkommene Sache . Er ließ den Ackergaul galoppieren , um das Häuflein der Parlamentäre einzuholen . Das war ein kurzer Ritt . Schon nach hundert Schritten , an der Grenze des bayrischen Landes , ging der Wald zu Ende . Am Saum des Gehölzes liefen alte Schanzgräben durch das Tal und erzählten von Fehden vergangener Zeiten . Vor wenigen Tagen war da ein dichter Hochwald noch ein paar hundert Schritte weiter gegen den Hallturm hin gestanden . Die Berchtesgadnischen hatten quer durch das schmale Tal , von Bergwand zu Bergwand , diese tausend hundertjährigen Bäume niedergeschlagen , um für die Angreifenden die Deckung zu mindern . Dadurch hatten sie für sich selbst den Schutz eines fast unüberwindlichen Verhaues gewonnen ; in mannshohem Wuste lagen , jedem Ansturm wehrend , die niedergeschlagenen Bäume wirr durcheinander , den Waldgrund des engen Tales und die Straße bedeckend mit einem Gefilze starrender Äste . Wo die Straße unter diesem grünen und braunen Chaos verschwand , da standen friedlich drei Grenzpfähle in bunten Farben beisammen ; der eine trug das Wappen mit den Schlüsseln des heiligen Peter , der andre zeigte das Wappen des heiligen Zeno , an den dritten war eine Tafel mit der Inschrift genagelt : » Hie Paierlant ! « Und hinter dem braunen und grünen Gewirr von Stämmen und Ästen erhob sich die lange , nach links und rechts gegen die unwegsamen Felswände kletternde , durch sieben feste Türme gestützte Mauer des Gadnischen Grenzwalles am Hallturm , mit dem klobigen Torbau in der Talsohle , mit der hochgezogenen Brücke zwischen den beiden Tortürmen . Auf den Zinnen sah man viele kleine , zierliche Figürchen , die von Waffen blitzten . Steile , sonnbeglänzte Dächer stiegen hinter der Mauer auf . Die Sonne vergoldete alles Gestein und Gemäuer , machte alle Kanten gleißen wie poliertes Metall und zeichnete die Schatten der Türme wie blaue Bilder in dieses Gold . Ein so farbenschöner , wundersamer Anblick war ' s , daß man hätte träumen mögen : » Hier steht die Pforte eines paradiesischen Landes ! « Doch ums Träumen war es dem Sergeanten mit dem weißen Fähnlein , seinen vier Geleitsknechten und dem Malimmes in dieser Stunde nicht zu tun . Sie hatten die Pferde zurückgelassen , und während der Sergeant , der diesen üblen Weg seit Mitternacht schon zum fünften Male machte , das weiße Fähnlein mit den Zähnen festhielt , quälten sich die sechse unter Schwitzen , Lachen und Fluchen durch das Gewirr der Äste . Je näher sie dem Tor des Hallturmes kamen , um so deutlicher hörten sie die Spottreden der Gadnischen Herren und Knechte , die auf der Mauer waren und mit Heiterkeit der mühseligen Kletterei der Parlamentäre zuguckten . Aber diese Heiterkeit und ihre Späße hatten etwas Gezwungenes . Den Gadnischen war nicht sonderlich wohl zumute . Ein mächtiger Fürst , den man ernster nehmen mußte als den heiligen Zeno , war ihnen bös geworden , bedrohliche Dinge schienen da im Dunkel zu spielen , und eine schwere Übermacht lag vor der Mauer . Diese Mauer war von erfahrenen Kriegsleuten angelegt , war gut und konnte auch einem harten Sturme trotzen . Und der Weg zur Mauer war vorerst noch gesperrt durch diesen niedergeschlagenen Wald . Das Gewirr dieser hunderttausend Äste war aber nur ein Schutz , solang gut Wetter blieb und dieser scharfe Ostwind blies . Da würde der Hauptmann Grans sich hüten , Feuer in diesen Verhau zu werfen . Der Ostwind würde die Flammen hinunterblasen in die bayrischen Wälder , gegen den Heerhauf , der da drunten lagerte und sich eingrub mit seinen Geschützen , und gegen die Höfe und Mauern von Plaien . Doch wenn das Wetter umschlug und der Westwind einsetzte ? Aber war der Patron der Gadnischen , der heilige Peter , nicht der himmlische Wettermacher ? Der würde sich doch als verläßlich und treu erweisen ? Und die Sonne scheinen und den Ostwind blasen lassen ? Auch Herr Armansperger , der