Gemach mehrten sich die Aufträge ; man wollte bald diesen , bald jenen Heiligen , - bald die schmerzhafte , bald die glorreiche Madonna für Kapellen oder Kirchen ; auch Werke zum Schmuck der Häuser und Treppen , geschnitzte Türen und Geländer , Rahmen und Armleuchter gab es zu entwerfen und zu fertigen . Nicht lange , da brauchte ich einen Gehilfen , und wieder nicht lang , - deren zwei . Und also kam langsam der Segen der Arbeit in meine Werkstatt , und die Wünsche meiner liebsten Freunde und Gönner wurden zur Wahrheit : ich setzte mich durch , hatte bald einen guten Ruf als Schnitzer und kam gemach zu einem bescheidenen Wohlstand . Und da nach einer Zeit und Weil die ehrwürdige Jungfer Anna Boos ihr Sterbhemd aus dem Schrein holte und sich auf den Weg zum Jenseits schickte , vermachte sie mir für Zeit meines Lebens das liebe alte Haus ihres Vaters , mit der Bestimmung , daß es , falls ich ohne Erben bliebe , nachmals in den Besitz der Stadt übergehen sollt . Der würdige Vater Grail gab auch ihr den letzten Trost und das Grabgeleit und zog alsdann auf mein dringliches Bitten als mein alleiniger Hort ein in die Stube seines seligen Freundes . Heimkehr Nun hatte ich also , wie man gemeiniglich sagt , mein Sach wohl bestellt , und es mangelte mir schier nichts mehr zu einem geruhigen , glückhaften Leben . Und dennoch kunnt mein Herz nicht froh werden und mein Wünschen nicht still ; denn ich gedacht grad jetzt in allem Überfluß oft wehmütigen Sinnes jener Zeit , da ich noch als der Weidhoferbalg ein freies Leben , herzliebe Zieheltern und annoch mein Kathreinl gehabt . Und kunnt also mittendrin nicht anders , - mußt einen Bogen Papier nehmen , eine Feder schneiden und alles , was mich bedrückte , mit meinen großen , hölzernen Buchstaben vom Herzen herunterschreiben . Dabei mir aber doch also weh ward , daß ich vermeinte , es sei gestern erst gewesen , da ich alles verloren hatte , was ich besessen . Also setzte ich auf das Schreiben die Adreß der Lackenschusterin , versiegelte es und trugs zur Post , da man den ersten Tag in der Charwoch des Jahres 1835 schrieb . Hab oft bei meinem Wandeln in dieser Erdenzeit das Fest der Auferstehung erwartet ; doch mag ichs nun ruhig gestehn : Niemalen dünkte mich eine einschichtige Woch so lang wie diese , da ich auf eine Handschrift meiner Kathrein harrte . Und es erfaßte mich wohl ein bitterer Schmerz , wenn in stillen Nächten immer wieder der Gedanke in mir aufstand : sie ist tot für dich ; - vielleicht lange schon wirklich tot , - gewißlich aber als Lackenschusterin für dich verloren . Mag wohl auch deiner schon längst vergessen haben ! - In dieser trübseligen und harten Zeit hat mir mein väterlicher Freund und Berater , der alte Grail , wohl manches Trostwort gegeben und meinen Geist damit aufgericht . Den Tag nach Ostern aber mußt er das Halleluja mit mir anstimmen ; denn an diesem Tag erschien der Postbot mit einem großmächtigen Pack , darin ein Laib Osterbrot , gefärbte Eier und ein Büschel Palmkätzchen lagen nebst einem Handschreiben der Lackenschusterin , das also lautete : » Herzlieber Mathiasle ! Mußt es halt nit in übel nehmen , wann ich dir annoch jetzund diesen Namen gib ; habs halt nit anders im Sinn und Gedenken . Hab also dein liebs Schreiben auf den grünen Pfinztag in die Händ kriegt als eine rechte herzliebe Ostergab . Und es ist mir eine große Freud , daß du Gottlob gsund und wohlauf bist , wie es verbleiben möge bis ins Absterbens . Amen . Also dannen weil ich dir schreib , magst du wissen , daß ich wohl schon sither vierzehn Jahr eine Wittib bin und ein einschichtigs Weib , dieweilen meinen gueten Eheherrn , den Anderl , selbigsmal das Roß geschlagen und gar ertöt hat , also daß ich ihn halt eingraben hab müssen . Gott geb ihm die ewig Ruh . Amen . Und also steh ich ohne ein Kind und ohne einen Sterbensmensch da und schaff halt weiter in dem Hof , daß die andern dereinstmalen eine Freud haben . Aber habs mir nit in übel , lieber Mathiasl , daß ich grad nur von mein Sach red . Möcht gern wissen , was du schaffst und wie es bei dir ausschaugt , sither du ein großer Herr bist worden und ein fürtrefflicher Bildschnitzer . Muß dir eben in dem Augenblick sagen , daß ich annoch deine Sachen guet bewahrt hab bis auf den heutigen Tag und verschlossen in dem Schreinen von der gueten Irschermuetter , Gott hab sie selig . Nun mag ich dir nit verschweigen , was eine harte und auch betrübte Zeit und Weil allhier gewest , sither daß du selbigsmal so viel unnütz von unserm Haus und aus dem Ort entwichen bist . Blitz und Hagelschlag haben damalen oft die Gau verheert und alles zerstört , eine große Teuerung ist allhier gewesen , daß der Gulden kein Pfennigs Wert mehr hat ghabt und ein Schäffl Gedraid het schier hundert Gulden golten . Nach solchem haben müssen sechsundzwanzig Kinder zu Sonnenreuth an den Blattern sterben ; doch keins von mir , dieweilen der Herr meine Ehe nit hat segnen mögen mit solcher Gab . Hab mich halt dreingschickt in Geduld und Demut . Alsdann hat hier gewütet ein teuflischs Morden und Schießen , - sind bald kommen Österreichische , bald Frankreichische von dem Napoleon , haben Quartier genommen , und mußten wir unaufhörlich liefern Leut , Vieh , Pferd , Geld und War , mußten Weib und Kind ein Schandtod sterben und Jungfrauen ihren Kranz lassen bei den Wüterichen . Napoleon wurde überall als ein Gott angebett , - einmal mit allen Glocken geläutt , weil es geheißen hat , daß er unsern Fürsten zu einem König verbrieft , - und ist darnach abermalen