Klaus Mewes und Kap Horn hielten ihn fest , redeten ihm freundlich zu und brachten ihn mit vieler Mühe ins Haus hinein , wo sie ihn der Obhut der Nachbarn anvertrauten . Störtebeker stand auf dem Deich und sah alles mit an . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der andere Tag war ein Sonntag , ein trüber , grauer Tag , an dem die Sonne nicht durchkommen konnte . Der Wind war still geworden . Da tat sich alles zusammen , was von Fischern zu Hause war . Sie holten die Totenangeln vom Strandvogt , machten die Leinen klar und segelten mit den Booten nach dem Fahrwasser hinaus , um die ertrunkene Frau zu fischen . Die ganze Tide trieben sie zwischen Teufelsbrücke und Godefroo auf und ab . Klaus Mewes , Kap Horn und Störtebeker waren auch mit ihrem Boot dabei . Sie sprachen aber wenig . Als es Flut geworden war und das Fahrwasser sich mit Schiffen füllte , schlichen alle Boote mit müden Segeln nach dem Deich zurück . Sie hatten die Tote nicht gefunden . Die Elbe hielt sie fest . * * * Drei Tage später lief der Wind raum , das heißt auf Finkenwärder : nördlich . Da zog Klaus Mewes getrost seine Segel auf und hievte den Anker , um zu fahren . Lustig flatterte die Flagge über der Besansgaffel , und über dem Toppsegel drehte sich der Flögel wie ein bunter Vogel . Gesa stand unter den Linden und winkte mit der Hand . Störtebeker lag noch mit seinem Kahn längsseits des Ewers , als wenn er der Lotse wäre , der das Schiff aus dem Hafen zu bringen hätte . Als Hein seinen Tamp loswerfen wollte , machte er Lärm und hielt darum an , daß sie ihn ein Stück schleppten . Sein Vater bewilligte es . Sie warfen ihm ein längeres Tau zu , das er im Stevenring befestigen mußte , und zogen dann mit ihm los . » So geiht he god , Vadder « , rief er vergnügt , als der Ewer recht an den Wind kam und gute Fahrt machte , und freute sich über den Schaum vor seinem Bug und über die großen Segel , die ihn beschatteten . Bidewind war der Laertes ein besonders schnelles Schiff . Er zog mächtig davon und hatte den Neß bald hinter sich . Störtebeker sollte abschwenken und umkehren , er wollte aber noch nicht , und weil das Wetter gut war , tat sein Vater ihm den Gefallen und nahm ihn noch weiter mit . Junge , was für eine Fahrt ! Der Kahn lag mit dem Achterdollbaum fast mit dem Wasser gleich , und Störtebeker mußte aufmerksam mit dem Riemen steuern , damit er sich trocken hielt . Im Buxtehuder Loch aber ging die Herrlichkeit zu Ende : er mußte das Tau losmachen und zurückbleiben . Die Fahrensleute standen auf dem Achterdeck und winkten . » Adjüst , Störtebeker ! « » Jüst , Vadder , kumm man bald mit een grote Reis wedder ! « ... » Adjüst , Störtebeker ! « ... » Jüst , Kap Horn , lot di de Tied man ne lang duern ! « ... » Adjüst , Klaus Störtebeker ! « ... » Jüst , Hein Klütenbacker , pett di man keenen Nudelkassen innen Foot ! « ... » Wauwauwauwau ! « ... » Jüst , Seemann , fall man ne ober Burd ! « Dann rannte ihm der Ewer davon . Er blieb auf der Ducht sitzen und sah ihm nach . Wenn sie winkten , schwenkte er seine grüne Wollmütze . Erst als die braunen Segel bei Schulau um die Huk waren , griff er zu den Riemen und guckte sich nach Finkenwärder um . Warum hatten sie ihn nicht mit nach See genommen ? Fünfzehnter Stremel . Sinne , öffnet eure Tore ! Grabbe Die Äquinoktien ! Herbsttagundnachtgleiche ! Die bösen Tage sind angebrochen : Land und See stehen in großer Angst . Ringsum lauern die grauen Stürme , die die Natur brechen und die Sonnenkraft totmachen sollen : wie Schwerter an Zwirnsfäden hängen sie an den Wolken : jeden Tag und jede Stunde können sie fallen . Wie im Bann liegt der Deich an stillen Tagen , wie im Krampf bebt er bei unruhigem Wetter . In vielen Häusern liegt die Bibel jeden Abend aufgeschlagen auf dem Tisch . Mehr als sonst noch achten die Frauen auf Wind und Wetter , und die Finkenwärder Nachrichten mit der Cuxhavener Meldung über die hinter der Alten Liebe liegenden Ewer und Kutter reißt eine der andern aus den Händen . Jeder Ankömmling aber wird befragt : Weeß nix von Jan af oder hest Hinnik ne sehn , oder hett Paul ne bi jo fischt ? Wie beben sie , wenn abends eine schwere Wolkenwand seewärts auf der Elbe steht , oder wenn die Winde im Schornstein sausen ! In dieser Zeit werden keine Hochzeiten gefeiert . Es ist eine stille , bange Zeit . Glücklich preist sich die Frau , deren Mann seinen Ewer anbinden und auflegen kann : das können und wollen aber nur wenige , denn die Zeiten sind schon nicht mehr danach , daß man mit dem Sommerfang auskäme : es muß auch winters gefischt und verdient werden . Ein furchtbarer Ernst umkrallt die Segel , die den Stürmen entgegenfahren . * * * Klaus Mewes fischt auf der Doggerbank , hundertfünzig Seemeilen hinter Helgoland auf der Höhe von Hornsriff . Mit der abnehmenden Sonnenwärme haben die Fische die seichten Küsten verlassen und sind nach der Mitte der Nordsee , in die Tiefe geschwommen , wo das Wasser wärmer und der Grund stiller ist . Wer noch einen guten Streek tun will , der muß Helgoland und Neuwerk weit hinter sich lassen und sich schutzlos der weiten See anvertrauen . Die Schollen müssen aus