seinen Geweben angefüllt . Ein Schrein enthielt kostbare Leuchter und Wachskerzen , ein anderer silberne Kelche und Kannen , ein dritter ein Kästlein von Ebenholz , angefüllt mit Oblaten des heiligen Abendmahls . Da ich Thekla fragend ansahe , erschauderte sie und faltete die Hände . Ich verspürete auf einmal nagenden Hunger , brennenden Durst . » In den Fässern ist Altarwein , « flüsterte ich ; » sollen wir nicht ein Weniges davon trinken ? « Thekla schwieg . » Der Wein hat noch keine Weihe , « - fuhr ich fort - » man darf ihn trinken . « Wankend setzete sich Thekla auf eine Truhe , ließ den Kopf hängen und ächzete : » Ach - ich - verschmachte . « Da holte ich hastig eine der silbernen Kannen , drehte am Zapfen eines Fasses , ließ dunklen Wein in die Kanne laufen und hielt sie an Theklas Mund . Thekla tat einen langen Zug , und nun trank auch ich , flammend Leben rann durch unsere Adern , neue Kraft und Hoffnung war auf einmal da . » Auch essen dürfen wir , « sagte ich . » Stehet nicht geschrieben , daß Gottes Knecht David sich Hungers halber vom Priester die heiligen Schaubrote geben ließ ? Überdies werden die Oblaten ja erst im Abendmahl der Leib des Herrn . « Thekla blickte zuversichtlich : » Und wären sie selbst schon geweiht , unser Heiland würde denken : Euch zwei armen Menschenkindern ist meine Speise Rettung des Leibes und der Seele . Nehmet hin und esset ! « » Amen ! « sprach ich und brachte meiner Braut das Kästlein mit dem heiligen Gebäck ; wir aßen und genossen dazu vom Weine . Taumelnd lehnte Thekla ihren Kopf an meine Brust , und für ein Weilchen kehrte wieder jenes Entzücken , so mich im unterirdischen Gange begnadet hatte . Singen und klingen hörte ich die himmlischen Heerscharen . Bald freilich ward ich inne , daß man droben in der Kirche zur Orgel sang . Da ergriff mich Zagen . Hatte allbereits vermeinet , seit unserer Flucht über die Dächer , allwo ich das Choralsingen der bangen Kirchengemeinde zuerst vernommen , sei eine lange Zeit verflossen ; und nun ward mir klar , daß es wohl nur ein Viertelstündlein gewesen , und daß die Feindesnot erst eigentlich beginne . » Was ist dir ? « fragte Thekla erschrocken . Ich sprang auf . » Wir dürfen der Gefahr nicht vergessen . « Und ich leuchtete mit der Laterne in der Gerätekammer umher , beunruhigt von dem Gedanken , wir möchten keinen Ausweg finden . Da vernahm ich Orgelton und Gesang , er kam von einer Ecke des Gemaches her , und dort führte eine Schneckentreppe aufwärts . Ich stieg mit der Laterne hinauf und gelangte in einen schmalen Raum , allwo ich nicht weiter konnte . Der Choral aber scholl deutlich durch die eine Wand . Sie betastend ward ich inne , daß sie aus schwanker Leinewand bestund , und durch ein taghell schimmernd Löchlein sah ich in die Kirche , gerade auf den Prädikanten , so am Altare betete , während die Gemeinde rings um ihn auf den Knien lag . Nun erkannte ich , daß ich in einer ausgehöhlten Seitenwand der Kirche war , nur durch eines Gemäldes Leinewand vom Altarraume getrennt . Ein Ausweg aus den unterirdischen Räumen war ja nun gefunden . Zugleich aber bildete dieser Ausweg eine Gefahr . Da sprach ich zu Thekla , die neben mir stund und durch das Loch des Bildes schaute : » Wir müssen wieder hinunter zu den Särgen ! In der Gerätekammer ist keine Sicherheit . Dringen die Feinde in die Kirche ein , so werden sie alles nach Schätzen durchstöbern . Und wimmern Küster und Prediger erst in der Folter , so verraten sie wohl , wo die silbernen Geräte liegen . Übrigens braucht ein Plünderer nur seine Picke in dies Gemälde zu stoßen , so ist die Höhlung entdeckt und wird für einen Versteck von Schätzen oder Menschen gehalten . Und wird nicht die nahende Feuersbrunst auch die Kirche ergreifen ? Kann nicht der Dachstuhl brennend zusammenbrechen ? Wer weiß , ob das obere Gewölbe den Einsturz aushält ? Hinunter also ! « Wir kehrten zur Gerätekammer zurück , Thekla nahm das Kästchen mit dem Abendmahlgebäck , ich zween Leuchter nebst Wachskerzen , und wir begaben uns durch die Falltür wieder in die Gruft . Holten noch eine Kanne Weines , einen Becher , die Truhe mit Altardecken und Tüchern . Anfangs hatten wir vor , den ganzen Kirchenschatz zu bergen ; indessen schien es ratsam , den Plünderern etliche Kostbarkeiten zu lassen , auf daß sie nicht weiter suchen möchten . Um zu beobachten , was sich ereigne , waren wir aufs neue zur Gerätekammer emporgestiegen ; da vernahmen wir , wie der Choral in der Kirche abbrach , wie dann ein Poltern und Krachen losging , als ob man die Kirchenpforte erbreche , und auf einmal ein vielstimmig Angstgeschrei und Weheklagen anhub . Ich fühlte mein Herz pochen und Kampfeswut mir zu Häupten steigen . Machte meine Muskete bereit , hastete die Schneckentreppe hinan und lugete durch das Loch . Um den Prediger , der mit entsetzt aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Armen am Altare stund , drängten sich weinend und händeringend Weiber und Kinder , wie Küchlein , so unter der Mutter Fittig Schutz suchen . Etliche Männer aber waren handgemein mit der eingedrungenen Soldateska . Schüsse krachten , Partisane und Säbel blitzten , man brüllte gleich wütenden Stieren , stöhnend sanken die Opfer hin , und aus ihren Körpern quollen rote Bäche . Nun lösete sich der Menschenknäuel um den Altar in einzelne Gruppen auf , wo allerlei Drangsale vorgenommen wurden . Wie Teufel sahen die Beutemacher aus , dunkelrot die Gesichter , blitzend die Augen . Da würgete einer einen alten Mann , einem Frauenzimmer riß man die Kleider vom Leibe . Zween Soldaten packten einen Bürger und quälten