, wo sie alle Tage saß ; ihre Augen sahen gläsern und unbeweglich auf all die Dinge und schienen nichts zu bemerken . » Sie müssen zu Hause bleiben , Herr von Valerius , « rief der Graf , » der Teufel ist los . Wir müssen einen Überfall gewärtigen , es sind russische Streifkorps in der Nähe ; Graf Stanislaus , den ich schon seit mehreren Tagen erwarte , kommt nicht . Er wollte uns mit einem Trupp Ulanen nach Warschau eskortieren , da er für unsere Sicherheit fürchtete . Vielleicht ist sein Trupp zu klein gewesen , und er ist abgeschnitten von uns , vielleicht hält er auch die Gefahr nicht für so dringend , kurz , wir sind unserem Mute überlassen . « » Wer sagt denn aber , daß die Gefahr so nahe sei ? Es ist durchaus nicht wahrscheinlich , daß - « » Ei , den Teufel auch , der Schmied von Wavre ist heute nacht dagewesen . « » Aber wer ist denn dieser - « In dem Augenblicke hörte man das schnelle Wechseln mehrerer Flintenschüsse im nahen Walde . » Auf eure Posten , ihr Schurken , « schrie der Graf , und die Bedienten flogen zur Tür hinaus . Valerius trat ans Fenster und sah alles , was von Knechten und Bedienten im Hause war , mit Waffen , meist Jagdflinten , an allerlei Verstecke eilen und sich postieren . Thaddäus Magyac stand an die Pfoste der Pferdestalltür gelehnt und sah unverwandten Blickes nach dem Walde . Des Grafen Stuhl und Tisch wurden nach dem Fenster hingerückt , damit er die ersten Kugeln in die Weite senden könne . Joel war zu demselben Zwecke ans zweite Fenster getreten ; Valerius ans dritte postiert . Cölestin stand zum Laden am Tische und hatte einen großen Haufen Patronen vor sich ausgebreitet . Der Graf bat seine Mutter , nach ihrem Zimmer zu gehen , sie schüttelte aber den Kopf und blieb unverrückt in der alten Stellung . Hedwig , der ein gleiches anbefohlen wurde , erklärte , daß sie die Großmutter nicht verlassen wolle , und es träfen nicht alle Kugeln . Der Graf stieß einen Fluch aus und lachte hinterdrein ; Joel machte eine bittende Bewegung nach Hedwig hin , sie trotzte ihm aber mit einem halb bösen Gesicht und sprach halblaut , wie die kleinen Kinder gewöhnlich sagen : » Ich will aber nicht ! « - Da schien es , als flöge ein Schatten ungewöhnlichen Lebens über das Gesicht der alten Gräfin , und als zucke ein schneller Strahl aus ihren sonst sprachlosen Augen über Joel hin . Sie griff hastig nach der Hand Hedwigs und zog sie zu sich nieder . Es trat eine erwartungsvolle Stille ein , die wohl eine Viertelstunde lang anhielt - nun hatte aber die Spannung dem leichtsinnigen Volkscharakter zu lange gedauert , der Graf schlug ein lautes Gelächter auf , griff nach einer Weinflasche , rief dem Thaddäus zu , in den Wald auf Kundschaft zu gehen , und bat Valerius , mit ihm zu frühstücken . Man schloß die Fenster , und das Leben des Tages ging weiter , als wäre man in der größten Sicherheit . Der Graf trank mehr als gewöhnlich und schickte beim Abendessen Cölestin in den Keller , um Champagner zu holen . » Die kleine Hedwig , « sagte er , » hat sich heute so tapfer bewiesen , sie trinkt gern ein Glas Champagner , sie muß ihr Siegesfest feiern . « Hedwig klatschte in die Hände , sprang zum Vater hin und küßte ihn - eine seltene Erscheinung in ihrem Wesen . » Papa , « sagte sie mit mutwilliger Stimme , und drehte mit den weißen Händen seinen dunkeln Schnurrbart , » laß mich Soldat werden . « - Der Graf lachte , antwortete aber dem Valerius , welcher unterdes seinen gestrigen Versuch mit dem Kamin erzählt hatte und ihn wiederholen wollte . Hedwig sprang fröhlich zu dem Vorschlage über , ein Bedienter ward sogleich beordert , und in wenig Minuten loderte ein lustiges Feuer auf . Eben kam Cölestin mit den Flaschen , sah mit großer Bestürzung nach der lodernden Flamme und flüsterte eiligst dem Grafen etwas ins Ohr . - » Halt ' s Maul , alter Narr , und mach den Draht von der Flasche . « - Cölestin zog sein Augenlid einmal ganz in die Höhe und schoß einen stechenden Blick auf Valerius . Dieser freute sich indes mit Hedwig und Joel des Feuers ; der Champagner spritzte , man trank auf die Befreiung des Vaterlandes , und es war ein wunderlicher Anblick , wie die Flamme über die Mordgewehre und lustigen Gesichter hinlief und von der alten düsteren Gräfin abzuprallen schien , welche dem Feuer den Rücken kehrte und nach den Fenstern hinstarrte , hinter welchen die Nacht lag . Joel , den der Wein aufgeregt hatte , sang mit Begeisterung ein altes polnisches Schlachtlied , und selbst der halbtrunkene Graf schien der sonoren Stimme und der alten herzergreifenden Melodie mit großem Anteil zuzuhören , das vaterländische Interesse war unverletzt , ja sogar poetisch in ihm erhalten . » Schade , Joel , « sagte er am Schluß des Liedes , und stürzte ein volles Glas hinunter , » schade , Joel , daß du ein Jude bist . « Wie ein Schwertschlag traf dies Wort drei Herzen : Joel zitterte am ganzen Leibe , Valerius fühlte sich von Scham- und Zornesröte übergossen , und aus Hedwigs Augen tropften große Tränen . Da flog Thaddäus wie ein Pfeil in den Saal : » Sie sind da , Herr - das unnütze Feuer hat sie gelockt , « und damit riß er dem Cölestin ein feuchtes Tuch aus der Hand , womit dieser den überfließenden Wein aufgetrocknet hatte , und warf es auf das Kaminfeuer , daß es zur Hälfte erlosch . » Dreister Schurke , « rief der Graf und hob die Hand nach ihm aus , Magyac wich auf