ihr jetzt so , daß sie glaubte , sie habe die ganze Welt aufgefaßt , aber die sei ganz einfach und immer gleichmäßig und verursache ihr eine quälende Langeweile . Deshalb glaubte sie sich betrogen , weil man doch die Erwartung habe , daß das Leben mehr sei , und in Haß und Erbitterung über diesen vermeintlichen Betrug schloß auch sie sich nun immer mehr ab und wendete die wenigen und geringen Vorstellungen , die sie erobert hatte , mit Wut immer hin und her , ob sie nicht doch Neues an ihnen entdecke . Darauf gewöhnte sie sich an , zu klagen , und erzählte in allgemeinen Ausdrücken , daß sie vom Unglück verfolgt sei und alles fehlschlage , was sie beginne , und alle andern Menschen mehr Glück haben , und so fort ; so wurde sie endlich auch in ihrer Ausdrucksweise pöbelhaft , denn nichts zieht Menschen so sehr ins Gemeine wie solches Klagen . Mehr und mehr wendete sie sich in diesen Reden mit einer Spitze gegen Karl ; und am Ende , nachdem alles , was geschehen war , sich ihr ganz verkehrt hatte , sagte sie sogar , daß sie gegen ihre eigentliche Neigung und Absicht und nur aus Mitleid Karls Weib geworden sei , welches Mitleid ihr nunmehr übel vergolten werde . Johanna hatte den Plan aufgegeben , eine bei ihr vorhandene geringe malerische Begabung auszubilden , weil ihr die Beharrlichkeit fehlte , sich das handwerksmäßige Können anzueignen , das für den Maler nötig ist , und wie so viele dachte sie , daß der Schriftsteller dieses Könnens entraten kann ; und wie denn damals , als durch eine mißverstandene Rückkehr zur Natur die Meinung aufkam , durch die Wiedergabe einer zufälligen Beobachtung könnte man ein Dichterwerk schaffen , viele Frauen solche Fähigkeiten zeigten , so wendete sie sich nun der Schriftstellerei zu . Hierdurch entstanden auch äußere Gegensätze zu Karl , denn wenn auch bei ihm selbst die Begabung nicht zum Kunstwerk ausreichte , so wußte er doch um diesen Mangel schon bei sich genau , denn er beschränkte als Mann sein Wollen nicht auf sein Können , und noch deutlicher sah er den Mangel aber bei seiner Frau , deren Begabung zudem noch geringer war wie die seinige , da sie noch mehr lediglich Ausdruck einer problematischen Natur war und von jener Art , wie sittlich geringwertige Menschen sie oft haben durch ihre Minderkraft . Aber auch diese Kämpfe der Ehegatten fanden keine rechte äußere und anschauliche Form , die eine eigentliche Erzählung möglich machen würde , und so muß es auch hier am bloßen Bericht genügen . Inzwischen hatten auch Karls frühere Geliebte und ihr Verlobter Jordan geheiratet , nachdem sie ihren gebührlichen Brautstand gehabt , und hatte sie wohl große Sehnsucht , daß sie ihr Kind wollte zu sich nehmen , das sie von Karl bekommen , aber sie scheute sich ; wie sie aber am Hochzeitstage von ihrem Mann in die Wohnung geführt wurde , die sie zusammen eingerichtet für sich , da fand sie in einem Kinderwagen liegen und ruhig schlafen das kleine Söhnchen , denn ihr Mann wollte ihr eine Freude machen . Da weinte sie vor großem Glück , küßte und herzte den guten Jordan , und weil das Kindchen eben aufwachte und nach einer Nahrung schrie , ging sie schnell in die Küche , woselbst schon alles bereit stand , und richtete ihm seine Flasche , und inzwischen spielte der Mann mit dem Kleinen , indem er ihm seine Uhr vorhielt und mit Schlüsseln klingelte . Sie aber bei ihrer Hantierung überlegte sich , was sie ihm sagen wolle , und wie sie wieder in die Stube kam und das Kind besorgt hatte , sprach sie zu ihm : » Ich bin sonst stolz gewesen und hätte von einem andern keine Gabe angenommen , auch wenn ich ihn lieb hatte , wie ich ja in Wahrheit Karl lieb gehabt habe . Von dir aber nehme ich alles an ; und das nicht deshalb , weil ich weniger stolz geworden bin , sondern weil du ein solcher Mensch bist , daß sich einer nicht schämt , wenn du ihm gibst . Und nicht eine gewöhnliche Dankbarkeit habe ich gegen dich , sondern weil ich weiß , daß das Glück , das du andern schenkst , durch deine Güte wieder reicher zu dir zurückgeht , so liebe ich dich nur mehr in größerer Fröhlichkeit . « Nun lebten die beiden in ruhigem Glück , das sie dadurch noch mehr wärmte , weil sie beide vorher durch schweres Unglück gegangen waren , und genossen das Glück mit klarem Bewußtsein , daß dieses Unglück notwendig für sie gewesen war . Recht bald begann der Kleine aufrecht zu sitzen , und dann wurde er aus dem Wagen genommen und erhielt ein kurzes Kleidchen und versuchte zu gehen ; und wiewohl er seinen Pflegevater nur eine kurze Zeit zu sehen bekam des Abends , wenn der von der Fabrik heimkehrte , hatte er ihn doch besonders in sein Herz geschlossen , sah ihn viel an und hielt sich zu ihm , denn auch ganz kleine Kinder wissen schon den Gesichtsausdruck der Erwachsenen zu deuten und haben nach dem ihre Gefühle . Schon in den ersten Tagen , wo er sich frei auf dem Fußboden bewegen durfte , hatte er gemerkt , daß der Vater , wenn er gekommen war , seine Schuhe wechselte , und so brachte er ihm , ohne daß es die Mutter ihm aufgetragen , seine Pantoffeln . Hierüber erhob sich bei den Eltern eine große Freude und ein besonderes Rühmen seiner Klugheit , das bewirkte , daß er auch fernerhin bei dieser Erfindung verharrte . Es bewunderten auch die andern Frauen im Hause den Kleinen sehr und erzählten ihren Männern von dem Kind , und der Kaufmann an der Ecke fragte jedesmal die Mutter nach ihm , wenn sie einholte . Über alles dieses wurde sie noch glücklicher , und ihr Gesicht war so , daß