bittet Deine Adele . Marie an Josefine Einziggeliebte Josy ! Was soll Albert anfangen , wenn du nicht willst ! Wir glaubten , du seiest nicht so hart wie die übrigen , auch sind wir doch Schwestern , und nach diesem wird es keine Mißverständnisse mehr zwischen uns geben , dafür werde ich sorgen . Das Zusammentreffen bei dir ist verabredet , geliebte Josy , es ist notwendig . Du hast gesagt , es gibt keine Verbrecher , es gibt nur Kranke , vielleicht ist dies die Zeitkrankheit , denn man hört ja jeden Augenblick von solchen Zusammenbrüchen . Deine arme Marie ist unglücklich , und du willst sie abweisen ? Nein , Josefine ist nicht schlecht , sie kann nicht nein sagen . Sie kommen heute abend elfdreiviertel Uhr . Bitte , bitte , bitte ! Sie können auf dem Sofa schlafen , machen absolut keine Ansprüche ! Ich rechne auf deine schwesterliche Liebe . Deine unglückliche Mia . Josefine an Adele Liebe Adele ! Mitfolgend den Hausschlüssel zum » Grauen Ackerstein « . Wir , das heißt die ganze Familie , reisen heute abend acht Uhr nach Chur zum Vater . Léon und Albert müssen sich selbst bekochen und versorgen , denn das Mädchen geht vorsichtshalber mit nach Chur . Wir bleiben eine Woche fort , hoffentlich sind die Herren bis dahin einig ! Ich muß noch eine Vertreterin besorgen , daher Schluß . In bezug auf Habsuchtsvergehen sind meine Begriffe sehr streng , liebe Adele ! D. I. Nachschrift . Befördere , bitte , diese Zeilen an Marie weiter , ich habe nicht Zeit , zweimal dasselbe zu schreiben . Ihr müßt nicht vergessen , daß ich plötzlich aus meiner Praxis heraus muß , Kinder . Sage Mia , sie habe recht , aber es gebe für mich eine besonders abstoßende Krankheitsform , und das sei die Geldsucht . - Mög es euch gut gehen ! Josefine . Josefine an den Arbeiterbund Sehr geehrter Herr ! Mein auf übermorgen festgesetzter Vortrag muß leider verschoben werden , da ich verreisen muß . Bitte um Feststellung eines Tages nach dem zwölften Juli . In Hochachtung Jos . Geyer . Josefine an eine Patientin ! Sehr geehrte Frau ! Bitte , erschrecken Sie nicht , wenn morgen Fräulein Dr. Lauterer statt meiner bei Ihnen Besuch macht . Sie vertritt mich während einer achttägigen Abwesenheit von Zürich , und vertrauensvoll können Sie sich mit allem an sie wenden . Zu dem kleinen Eingriff , den ich bei Ihnen vornehmen muß , werde ich in der übernächsten Woche zurück sein . Nur guten Mut und Hoffnung ! Ihre Dr. Josefine Geyer . Josefine an die Operationsschwester im Schwesternhaus zum Roten Kreuz Liebe Schwester Erna ! Die für morgen früh elf Uhr angesetzte Operation werde leider nicht ich ausführen - ich muß unerwartet verreisen . Fräulein Dr. Lauterer wird mich vertreten . Bereiten Sie die Patientin vor , und sagen Sie ihr , daß Fräulein Dr. Lauterer nicht nur so gut , sondern besser ist als ich . - Da ich acht Tage lang wegbleibe , werde ich eventuell auch die Patientin Allenstein abgeben müssen , was mir aber leid wäre , da sie sehr nervös ist . Ihr Fall verträgt Aufschub ; will sie warten , so kann ich die Operation am zwölften Juli nachmittags drei Uhr vornehmen . - Um regelmäßigen täglichen Bericht nach untenstehender Adresse bittet Ihre Sie herzlich grüßende Dr. Jos . Geyer . Chur , Landwirtschaftliche Schule , Professor Plattner . Josefine an die höhere Töchterschule im Großmünster Sehr geehrter Herr Direktor ! Hierdurch bitte ich Sie um die Erlaubnis , meine Tochter Rösi schon jetzt , acht Tage vor Beginn der Sommerferien , aus dem Unterricht nehmen zu dürfen . Eine unerwartete Reise der ganzen Familie nach Chur macht diese Maßregel notwendig . In Hochachtung Dr. Jos . Geyer . Schreiben des Missionshauses Basel an Frau Dr. med . Josefine Geyer Sehr geehrte Frau ! Wir wenden uns an Sie mit unserer Antwort auf eine Anfrage , die vor ungefähr einem Monat an unsere Direktion gelangt ist , und zwar von einer Seite , die Ihnen die nächste ist . Ihr Gemahl , Georges Geyer , hat sich an uns gewandt in der Absicht , sich zum Missionar ausbilden und wider die Götzendiener senden zu lassen . Wir wissen nicht , ob Ihnen diese Absicht bekannt ist , glauben aber aus gewissen Gründen daran zweifeln zu müssen . Es scheint uns , daß Sie dem Petenten würden abgeraten haben , aus Gründen , die Ihnen genugsam bekannt sind , und die wir hier nicht zu erörtern brauchen . Unser Herr Jesus Christus will reine Sendboten , wie kommt der Züchtling dazu , sich uns anzubieten ? Wir ziehen es vor , dem Herrn Georges Geyer auf diesem Umwege die Antwort zu erteilen , die er verdient . Bitte , dieselbe zu übermitteln und uns die Peinlichkeit persönlicher Berührung mit genanntem Herrn zu ersparen . Der Herr erleuchte Sie und schenke Ihnen seinen Frieden . Amen . Die Direktion . Josefine in Zürich an Georges in Chur Lieber Georges ! Du kommst zwar morgen zurück , aber dies ist etwas , das ich lieber schriftlich als mündlich mit dir bespreche . Weißt du , wenn du mit mir schlechte Witze machst , das schadet ja nicht , aber Leute wie diese Missionare haben ein zu kitzeliges Fell , die solltest du in Ruhe lassen ! Du hast dir den schlechten Witz erlaubt , bei ihnen anzufragen , ob sie dich zum Missionar ausbilden wollen , und sie haben natürlich nein gesagt . Die Antwort kam an mich , war grob abweisend , ich schicke sie dir nicht . Aber wie konntest du auch solche Leute necken ! Gefällt dir die Tätigkeit auf der landwirtschaftlichen Versuchsstation ? Wäre das nichts ? Auf Wiedersehen ! Mit Gruß Josefine . Georges Geyer in Chur an Josefine in Zürich Meine unvergleichliche Séfine ! Ich bin ein unglücklicher Mensch - das beste für