zu behandeln , jetzt , wo er sich aus den Wirrsalen eines vielleicht mehr törichten als schlechten Lebens gerettet zu haben und zur Ruhe gekommen schien . Damit erhob er sich von seinem Stuhle , suchte nach Haar- und Kleiderbürsten seiner Angestellten , welche die Herren in einem Winkel aufbewahrten , wusch die Hände und machte sich schön , soweit es sein Alter erlaubte , da er mit Frauen zu Tisch sitzen sollte . Dann schellte er dem Gewerbeknecht , der im Hause wohnte , und befahl ihm , das Kontor zu schließen , auch dem Buchhalter zu sagen , er würde vermutlich diesen Nachmittag nicht mehr erscheinen . Er stieg in dem bewußten Hause drei Treppen hoch , bis er die Wohnung fand , an deren Türe eine Karte mit dem Namen L. Volvend-Glavicz befestigt war . Zeugte das hochgelegene Quartier von bescheidenem Auftreten , so verkündete die Karte , daß deren Inhaber schließlich in die Zunft derjenigen eingetreten sei , die immer etwas an ihrem ehrlichen Namen herumzubasteln haben . Martin schüttelte den Kopf und zögerte , die Hand an der Klingel ein letztes Mal . Er wird am Ende nichts weiter damit wollen , als ein wenig der Eitelkeit frönen , da er nun die Muße dazu hat ! dachte er nach einigem Besinnen und zog die Glocke . Es dauerte ein kleines Weilchen , bis einer der Knaben öffnete und den Gast mit einem stummen Bückling einließ . Durch die offenstehende Türe eines Zimmers sah man den gedeckten Tisch , an welchem das andere Söhnchen stand und die Mandeln zählte , die auf einem Teller lagen . Beide Knaben trugen Stiefeln , wie der Vater , und darüber lange Röcke von gelblicher Farbe , gleich Herrschaftsbedienten ; in ähnlichem Geschmacke waren die Haare mit Pomade bestrichen und dicht an die Schläfen geklebt . So machten sie den Eindruck von Kindern , welche die Eltern nicht zu kleiden verstehen . Als weiter niemand erschien , fragte Salander denjenigen , der ihm geöffnet , wie er heiße , denn er hatte es vergessen . » Georg ! « erwiderte er , abermals mit einem Bückling , » und der dort ist der Louis ! « » Richtig ! Nun , und wo ist euer Papa ? « » Dort drin sitzt er ! « sagte Georg , auf eine andere Türe weisend . Martin klopfte dran , und es tönte » Herein « . » Ah ! Der Freund Salander ! « rief Wohlwend , der an einem Tischchen in der Nähe des Fensters saß und schrieb , jetzt aber aufstand und ihm die Hand reichend entgegentrat , » sei willkommen bei uns ! « » Ich muß mich wegen des Verspätens entschuldigen , « sagte Salander , » ich habe mich auf dem Kontor ganz vergessen , bis es eins schlug ! « » Hat gar nichts zu sagen ! Du siehst , ich war auch beschäftigt ; ich bin ein armer Teufel und habe stets mit dem Vermögen meiner Frau zu schaffen , es ist eine etwas schwierige Gegend dort hinten ! Und meine Schwägerin hat zwar ihren eigenen Sachwalter , aber auch dem muß ich fortwährend auf die Finger sehen , ich habe eben seine letzte Abrechnung unter den Händen . Jetzt wollen wir aber sehen , wo die Frauenzimmer bleiben ! « Er packte einige Papiere zusammen , die auf dem Tischchen lagen , und verschloß sie in eine Kommode . » Schau einmal dies Möbel , wie gut es gemalt ist ! « sagte er , » reines Tannenholz , und sieht aus wie Nußbaum ! Wir sitzen nämlich ganz in gemietetem Hausrat , Betten und alles , bis das Provisorium entschieden ist . Auch das Essen haben wir heute vom Restaurant , haben zwar eine Köchin mitgebracht , die aber mit den hiesigen Einrichtungen noch nicht auszukommen versteht . « Eine Türe ging auf , durch welche Frau Alexandra Volvend-Glavicz eintrat . Sie ging in rauschender Seide daher und war ziemlich so groß wie ihr Mann ; dennoch schien sie ihm auf die Augen zu sehen , wie wenn sie sich scheute , etwas nicht gut zu machen . Das Gesicht war wohlgebildet , aber ausdruckslos und tiefer gefurcht , als den vielleicht bald vierzig Jahren angemessen war , die sie zählte . » Siehst du , « wendete sich Wohlwend an sie , » hier heißt ' s nicht : Küß die Hand , meine Gnädigste ! wenn ein Herr kommt . Die Hand gegeben und geschüttelt , damit Punktum ! « Salander erleichterte der guten Dame das Manöver , indem er es nach der soeben vernommenen Vorschrift ausführte und ihr aufrechtstehend die Hand bot . » Guten Tag , Herr Staatsrat von Salander , « sagte sie mit fast rauher Stimme , » es freut mich , wenn Sie mit unser einfachem Tisch vorliebnehmen wollen ! « Dabei machte sie statt seiner einen Bückling , genau wie vorhin ihr Sohn Georg . » Nicht so ! « rief Wohlwend lachend , » du darfst deswegen noch kein Kompliment machen , wenn man dir schon nicht die Hand küßt ! « Sie errötete stark , weil sie trotz des Lachens den stechenden Blick auffing , den er zugleich damit abgab . Denn er war zornig über die offenbar eingelernte und verkehrt vorgebrachte Phrase ihrer Begrüßung . Zum Glück für sie , die furchtsam dastand , ging die Türe wieder auf und ihre Halbschwester erschien , Salanders Augen sogleich auf sich ziehend und festhaltend . Sie war jetzt wirklich eine schöne Erscheinung , ebenso groß wie ihre Schwester , war sie wohl zwanzig Jahre jünger , und in dem weißen Kleide , das sie trug , von tadellosem Wuchse . Das Kleid war einfach gearbeitet , ohne alles Gebausche , indem der Hauptzierat in einem ebenfalls weißen Spitzenkragen bestand , welcher die schönsten Schultern und Arme spärlich durchschimmern ließ , aber von ihnen um so schönere Falten erhielt . Einen feineren Glanz